Kranke Bäume: Grünflächenamt kommt mit der Arbeit gar nicht nach

Krankheiten und Dürre : Kempens Bäumen geht’s nicht gut

Viele Pflanzen sind von Krankheiten befallen. Zusätzlich sorgt die enorme Trockenheit für Stress. Das Grünflächenamt muss an einigen Orten reagieren.

Die Bäume in der Stadt haben Stress. Die Trockenheit macht ihnen zu schaffen. Viele leiden an Krankheiten. Allein auf dem Alten Friedhof an der Kerkener Straße werden in nächster Zeit zwölf markante alte Bäume gefällt werden müssen. „Das tut einem in der Seele weh“, sagte nun Kempens Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann dem Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz (UPK).

Ob Ahorn, Birke, Platane oder Esche – besonders die heimischen Bäumen leiden unter dem Klimawandel. Den jüngsten Stürmen sind Bäume zum Opfer gefallen. Aber auch Trockenheit und Wärme sorgen für Probleme. Der Wassermangel mache die Bäume anfälliger für Krankheiten, schilderte Patricia Schürmann.

Ahorn plagt die Rußrindenkrankheit

Dem Ahorn mache zum Beispiel die Rußrindenkrankheit zu schaffen. Die wird durch einen Pilz verursacht. Am befallenen Baum macht sich zunächst ein Schleimfluss bemerkbar, dann werden Blätter welk und ganze Äste sterben ab. Unter der Rinde bildet sich ein schwarzer Belag, über den der Pilz seine Sporen freisetzt. Diese können beim Menschen Beschwerden wie Husten, Fieber, Atemnot oder Schüttelfrost verursachen. Daher werden die Bäume auch unter Atemschutz gefällt werden müssen.

Die Platanen treffe zurzeit die Massaria-Krankheit, die zum Absterben von Zweigen und Ästen führen kann. Zwar muss beim Befall nicht gleich der ganze Baum gefällt werden. Aber die Bäume müssen gut kontrolliert und abgestorbene Äste entfernt werden, damit sie nicht herunterfallen und Passanten treffen.

Zudem werden 650 Eichen im Stadtgebiet gegen den Eichenprozessionsspinner behandelt. Zwar haben die Raupen keinen schädlichen Einfluss auf die Bäume selbst. Aber da die feinen Haare der Raupen im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium für allergische Reaktionen bei Menschen sorgen können, werden sie seit dieser Woche bekämpft. Dazu müssen die Mitarbeiter des Baubetriebshofes alle Bäume im Auge haben, besonders an Kindergärten, Schulen oder Sportplätzen.

Die Stadtmitarbeiter
haben viel zu tun

Für die Mitarbeiter des Grünflächenamtes bedeutet das viel Arbeit. Die vier Mitarbeiter der Baumpflegekolonne erhalten bereits Unterstützung von Kollegen des Bauhofes. 5000 der rund 14 000 Bäume im Stadtgebiet – ohne die Forstflächen – seien betroffen und müssten regelmäßig kontrolliert werden. „Das ist nicht mehr zu leisten“, so Schürmann. Weil andere Arbeiten liegenblieben.

Für 86 Bäume hat die Stadt die Fällung bereits an externe Firmen vergeben müssen. Die Grünflächenamtsleiterin machte die Politiker im Planungsausschuss schon einmal darauf gefasst, dass die Baumpflege in diesem Jahr teurer werden wird. Auch die Nachpflanzungen der Bäume werden Geld kosten.

Für den Alten Friedhof werde man ein komplett neues Konzept brauchen. Die Stadt Kempen will dabei dann auf sogenannte Klima- oder Zukunftsbäume setzen. Verschiedene Städte in Deutschland sind bereits auf der Suche nach Stadtbaumarten, die Trockenheit und Hitze, aber auch Frost, Schädlinge und Krankheiten gut überstehen und daher als Stadtbäume besonders geeignet sind.

Seit 25 Jahren gibt
es Baumspenden

Eine gute Nachricht hatte Patricia Schürmann aber auch. Denn in diesem Jahr kann ein Jubiläum gefeiert werden. Seit 25 Jahren gibt es die Baumpatenschaften in der Stadt Kempen. Seit 1994 haben Bürger durch ihre Spende die Pflanzung von 259 Bäumen möglich gemacht. In diesem Jahr waren es bereits sieben. Oft nehmen sie Feste wie Geburtstage, Ehejubiläen oder Einschulung zum Anlass für eine Baumspende.

Zunächst wurden viele neue Pfalnzen im Bürgerwäldchen im Norden des Hagelkreuzes am Kempener Außenring gepflanzt. Mittlerweile werden die gespendeten Bäume an verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt. Die meisten gespendeten Bäume waren Eichen (50 Stück), Linden (40), Ahorne (33) und Buchen (32).

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