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Erschließung Kempener Westen: Anwohner unzufrieden

Erschließung Kempener Westen: Anwohner unzufrieden : Sympathie für kleinen Ringschluss

Die Politik zeigt sich für neuen Entwurf zur Erschließung des Kempener Westens offen. Von den Bürgern hagelt es weiter Kritik.

Wohin mit dem Verkehr, der durch das geplante Neubaugebiet Kempener Westen entsteht? Bei dieser Frage kochen die Emotionen hoch. Gisela Ditzen ringt um Fassung, als sie zur Einwohnerfragestunde des Planungsausschusses im Ratssaal ans Mikrofon tritt. Zu diesem Tagesordnungspunkt haben die Einwohner die Möglichkeit, Fragen zu stellen und davon machen viele Anwohner von Berliner Allee, Birkenallee und Oedter Straße in der Sitzung am Montagabend Gebrauch. Zugespitzt sehen sie folgenden Konflikt: Die schnelle Schaffung von neuem Wohnraum im Westen gefährde die Kempener, die dort heute schon wohnen, und die Schüler, deren Schulweg die Berliner Allee ist.

Die innerstädtische Hauptstraße würde den Außenring schließen

Das sei eine Frage der Priorität, erklärt der Technische Beigeordnete Marcus Beyer. Wenn man erst die Straßen baut und damit eine zusätzliche Belastung bestehender Straßen vermeidet, könne sich das Häuserbau im Westen fünf Jahre – oder vielleicht noch länger – hinziehen. Auch die Erklärung Beyers, dass die Berliner Allee kein Unfallschwerpunkt sei, kann die Gemüter nicht beruhigen. Das Ausspielen einer „abstrakten Wohnungsnot“ gegen die Sicherheit der Bürger sei unfair und unsachlich, so der Kempener Rainer Clute-Simon. Gisela Ditzen, die Lehrerin am LvD und Sprecherin der Bürgerinitiative „Fahrradstadt Kempen“ ist, gibt zu bedenken, dass der Radweg an der Berliner Allee heute schon nicht den gesetzlichen Anforderungen entspreche.

Die Fronten scheinen verhärtet. Dabei ist ein Kompromiss durchaus in Sicht. Zum zweiten Mal ist nun ein Gutachter des Büros Planersocietät aus Dortmund, das mit der Verkehrsuntersuchung für den Westen beauftragt ist, nach Kempen gekommen. Bereits im November waren fünf Varianten für die Erschließung des neuen Wohngebietes vorgestellt worden. Nun kommen noch einmal zwei neue Varianten hinzu.

Die Variante eines „großen“ Ringschlusses des Außenrings war vom Gutachter schon in der Sitzung im November  als unrealistisch betrachtet worden. Eine neue Varianten ist sozusagen ein „kleiner Ringschluss“. Dazu würde keine große Bundesstraße wie die B 509, sondern eine innerstädtische Hauptverkehrsstraße gebaut, die von Außenring/Straelener Straße im Norden mit Anbindungen an Ziegelheider und Mülhauser Straße bis zum Außenring im Süden führt.

Eine weitere Variante ist mit einem Plus versehen. Dieses Plus steht für Verbesserungen in der Verkehrsführung und Verkehrsberuhigung auf der Straelener Straße sowie Berliner und Birkenallee. Auch die Oedter Straße könnte darin aufgenommen werden, so der Gutachter.

Die Vorteile gegenüber dem großen Ringschluss: Es würde günstiger, es ginge schneller und es würden wohl auch mehr Autofahrer diese Straße nutzen, weil sie nicht so ein großer Umweg wäre wie ein Außenring. Die Entlastung für die bestehenden Straßen wäre also größer. Zudem könnten auch weitere Baugebiete im Südwesten an diese Straße angeschlossen werden.

Zuerst die Häuser,
später die neue Straße

Der Haken: Die Straße kann nicht so schnell gebaut werden, wie der erste Bauabschnitt zwischen Ziegelheider Straße und Schmeddersweg realisiert werden könnte. Die Anbindung würde dann erst einmal an diese bestehenden Straßen erfolgen. Nach Einschätzung der Gutachter verteilt sich der Verkehr zu etwa gleichen Teilen auf dem nördlichen und südlichen Abschnitt der Berliner Allee. Die Zunahme von rund 500 Autos am Tag sei jedoch vertretbar, eine Realisierung ohne weitere Maßnahmen im Straßennetz möglich. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen könnten die Auswirkungen reduzieren.

Kritiker bezweifeln die Zahlen und merken an, dass der zusätzliche Verkehr besonders in den Stoßzeiten anfallen werde. Zudem werde der zu erwartende Baustellenverkehr nicht berücksichtigt. Die Kreuzung Berliner Allee/Schmeddersweg hält eine Anwohnerin für zu unübersichtlich und ungeeignet, um dort ein ganzes Wohngebiet zu erschließen. Diese Kreuzung würde man für den neuen Zweck umbauen müssen, so Beyer.

Der Gutachter bringt auch eine (Bau-)Straße zur Straelener Straße ins Gespräch. Eine Anbindung des Wohngebietes im Norden wünschen sich  die Anwohner von Berliner Allee und Co. Dort besitze die Stadt aber zurzeit noch keine Flächen, erklärte Beyer. Der Technische Beigeordnete stellte in Aussicht, dass man sich parallel zur Entwicklung des Baugebietes um Verkehrsberuhigung für Berliner Allee, Birkenallee und Oedter Straße kümmern könne.

Bleiben die Kosten zu erwähnen: Rund zehn Millionen Euro müsste die Stadt für diese Straße aufbringen. Nach Informationen der WZ laufen bereits Gespräch mit dem Kreis Viersen, damit diese als Kreisstraße gebaut werden könnte.

Aus der Politik gab es im Planungsausschuss bereits Sympathien für den „kleinen Ringschluss“ und die Willensbekundung, schnell daran arbeiten zu wollen. Vor einem Beschluss bekommen aber erneut die Bürger das Wort. Ihnen werden die Pläne in einer Bürgerversammlung im Mai vorgestellt.