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Kempen: Vom Sinn und Unsinn der Notbetreuung

Corona-Folgen : Kempen: Vom Sinn und Unsinn der Notbetreuung

In Kempener Schulen und Kitas werden derzeit 36 Kinder von „systemrelevanten“ Eltern betreut. Eine Ausweitung des Angebots seitens des Landes wird indes durchaus kritisch gesehen.

Überschaubar – so könnte man derzeit die Nutzung der sogenannten Notbetreuung in den Kindertagesstätten und Schulen Kempens bezeichnen. Auf Anfrage teilte Stadtsprecher Christoph Dellmans mit, dass derzeit 24 Kinder in den Kitas betreut werden. Zwölf sind es in den Grundschulen und weiterführenden Schulen – Stand Dienstag, 12 Uhr.

In den nächsten Tagen könnte es aber einen Anstieg des Interesses geben. Wie berichtet, hat das Land die Möglichkeiten der Notbetreuung erweitert. Einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz in der Corona-Krise haben Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten (siehe Info-Kasten). Bis zum Wochenende galt die Regel, dass beide Elternteile oder ein alleinerziehendes Elternteil in einem dieser Berufe tätig sein müssen. Seit Montag muss bei zwei Erziehungsberechtigten in einem Haushalt nur noch ein Teil als Arzt, Krankenschwester, Apotheker, Journalist etc. arbeiten.

Örtliche Behörden werden
mit Änderungen überrascht

Das Land hat die Ausweitung beschlossen, um eben jene relevanten Branchen zu stützen. Ob dies zur Eindämmung des Coronavirus sinnvoll ist, daran haben Virologen indes einige Zweifel. Aber auch diejenigen, die das Notgruppen-System in Kempen koordinieren, sind vom neuen Erlass nicht überzeugt. „Anweisungen und Definitionen zu den Schlüsselpersonen seitens des Landes wurden innerhalb kürzester Zeit geschrieben und als Weisung weitergegeben, teilweise kurze Zeit später erweitert oder verändert“, so Kempens stellvertretender Jugendamtsleiter Andreas Walter. „Dies ist natürlich der unfassbaren Situation geschuldet, macht aber die Arbeit vor Ort nicht leichter und zieht ständige Konsequenzen für Arbeitsumorganisation und Neu-Informationen der Bürger nach sich.“

So werde die sinnvolle, ursprünglich angeordnete Vermeidung von Kontakten in den Betreuungen innerhalb einer Woche wieder in Frage gestellt, findet Walter. „Der Personenkreis und die zeitliche Dimension werden erweitert, das Personal in den Kitas höherer Infektionsgefahr ausgesetzt. Weder Schutzkleidung kann getragen werden, noch können die Erzieherinnen einen Abstand von 1,50 Meter zu den Kindern einhalten. Das Risiko einer Ausbreitung der Infektion besteht dort weiterhin.“ Walter sieht ein weiteres Problem: „Sobald jetzt ein Coronafall in einer Einrichtung auftaucht, muss diese geschlossen werden, eine Kinderbetreuung kann dann gar nicht mehr stattfinden.“

Die Behörden seien aufgefordert, den notwendigen Betrieb aufrechtzuerhalten, „arbeiten mit halber Belegschaft und müssen sich auf neue Anweisungen des Landes einstellen“, so der stellvertretende Amtsleiter. Eine nicht einfache Situation, die gemeinsam bewältigt werden müsse. „Hierbei bittet das Jugendamt um Verständnis, wenn nicht alles rund läuft. Alle ErzieherInnen und MitarbeiterInnen des Jugendamtes sind motiviert und stehen in der Krise zusammen – für die Kinder in Kempen.“

Beim genauen Blick auf die aktuellen Betreuungszahlen wird deutlich, dass die Kinder in den Notgruppen die Einrichtungen fast für sich haben. Die 24 Kita-Kinder verteilen sich derzeit wie folgt: Regenbogen fünf, Mullewapp sieben, Lupilus zwei, Tabaluga fünf, Unter den Weiden zwei und St. Antonius drei. In normalen Zeiten, die hoffentlich bald zurückkehren, werden in den Kempener Kitas 1159 Kinder betreut.

Kita Spatzennest soll am Freitag in den Not-Betrieb gehen

Bis auf drei Kindertagesstätten sind derzeit alle Einrichtungen für die Notbetreuung geöffnet. Geschlossen sind die Kitas Spatzennest und St. Peter Allee (beide Kempen) sowie St. Raphael (St. Hubert). Diese Kitas waren schon vor dem landesweiten Erlass geschlossen worden, weil Corona-Infizierte Kontakt zu Kindern aus den Einrichtungen hatten. Diese Sperrung gilt für zwei Wochen und endet am Freitag. Die Kita Spatzennest, mit 128 Plätzen Kempens größte Einrichtung, wird laut Stadt am Freitag wieder geöffnet sein. Das teilte die Stadt auf Anfrage mit. Die Kita am Eibenweg sei komplett desinfiziert worden – so wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Nun könnten dort auch wieder Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen versorgt werden. Geöffnet werden können auch die Kitas St. Peter Allee und St. Raphael. Das ist laut Stadt aber eine Entscheidung der Träger. In den beiden Fällen sind das die evangelische bzw. katholische Kirche.

Bereits vor dem NRW-Erlass gesperrt war auch die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) St. Hubert. Auch dort endet die Sperre am Ende dieser Woche. „Die GGS in St. Hubert wird gerade noch gereinigt bzw. desinfiziert“, teilte die Stadt am Dienstagvormittag mit. „Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, wird das Gesundheitsamt in Viersen informiert. Wir dürfen die Schule erst wieder freigeben, wenn das Gesundheitsamt sein Okay gegeben hat. Ob dies bis Freitag geschehen wird, kann ich momentan noch nicht sagen“, so Stadtsprecher Dellmans.

In den Schulen besteht nach Erlass des Landes eine Notbetreuung der Kinder in den Klassen eins bis sechs. In Kempen werden die Grundschulen derzeit wie folgt dafür genutzt: Regenbogenschule sechs Kinder, Astrid-Lindgren-Schule ein Kind; Bedarf gibt es auch bei Eltern eines Kindes der GGS St. Hubert. Das geht aber erst, wenn die Schule wieder geöffnet werden darf. Keine Notbetreuung nötig ist derzeit an der Grundschule Wiesenstraße und an der GGS Tönisberg.

In den weiterführenden Schulen gibt es derzeit vier Kinder, die „notbetreut“ werden: zwei am Thomaeum und zwei am Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD). An der Gesamtschule ist laut Stadt derzeit keine Notbetreuung nötig. Insgesamt sind es derzeit zwölf Kempener Schüler, deren Eltern die Notbetreuung bekommen. Ansonsten gibt es in Kempen in den Klassen eins bis sechs 1918 Schülerinnen und Schüler.