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Bürgermeister Christoph Schultz (Erkrath): "Wirtschaftliche Folgen von Corona machen mir Sorge"

Erkrath : Schultz: „Notbetreuung wird gewährleistet“

Interview Wie sehr hat das Coronavirus die Stadt Erkrath ausgebremst? Diese Frage beantwortet Bürgermeister Christoph Schultz. Auch wenn Schulen und Kitas zu sind, bleibt für das Personal genug zu tun.

Was ruht derzeit ­zwangsweise, was geht ­hinter den (Verwaltungs-)Kulissen weiter?

Christoph Schultz: Von „ruhen“ kann man eigentlich nicht sprechen. Die Beschäftigten der Kitas und Schulen sind zwar aktuell nicht wie gewohnt im Dienst, kümmern sich aber gerade verstärkt um den administrativen Bereich. Zudem muss die Notbetreuung, die zuletzt deutlich ausgeweitet wurde, gewährleistet werden. In den anderen Abteilungen der Verwaltung kann zwar ein Teil der alltäglichen Aufgaben nicht ausgeführt werden, es bleibt jedoch immer genug zu tun. Fachbereiche wie etwa Einwohner/Ordnung, die gerade ein erhöhtes Arbeitsaufkommen haben, werden durch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen unterstützt.

Kann (zum Beispiel) die ­Auszeit von Schul- und ­Kita-Gebäuden irgendwie sinnvoll genutzt werden?

Schultz: Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildungsbereich beschäftigen sich gerade beispielsweise mit pädagogischer Konzeption oder der Jahresplanung. Manche Aufgaben wie die Inventur der Schulmöbel, die eigentlich für Oktober vorgesehen war, können wir jetzt auch vorziehen. Da auch Handwerker ihre Tätigkeit einschränken, können Bau- und Reparaturaufträge leider nicht vorgezogen ­werden.

Mit welchen Maßnahmen halten Sie Ihre Verwaltungsmannschaft – und sich selbst – arbeitsfähig?

Schultz: Wir haben so viele Personen wie möglich ins Homeoffice geschickt, um somit das Infektionsrisiko zu minimieren und die Kinderbetreuung zu erleichtern. Systemrelevante Teams wurden getrennt, um immer jemanden als Backup zu haben, falls sich eine der beiden Personen infiziert – zum Beispiel in der Feuerwehrverwaltung oder bei der IT. Auch die Schließung der Gebäude für die Öffentlichkeit trägt zum Infektionsschutz bei und die Hygienemaßnahmen sind überall präsent – als Aushang oder Information im Intranet.

Mit welchen Sorgen wenden sich Bürger derzeit an Sie?

Schultz: In unserer Telefonzentrale gehen vor allem Fragen für die Verwaltung ein, wie Anfragen zum Bürgerbüro. Allerdings gibt es ab und an Anregungen zu stärkeren Maßnahmen, es werden Hinweise zu Spielplatznutzungen und Parksünder beschweren sich, dass das Ordnungsamt noch Knöllchen schreibt. Zunehmend machen sich die Menschen Sorgen um die wirtschaftlichen Auswirkungen, es wird auch nach den Rettungspaketen und Wirtschaftshilfen gefragt.

Wie fühlt es sich an, Bürgermeister einer Stadt zu sein, die mehr und mehr zur Geisterstadt wird?

Schultz: Es spricht nichts dagegen, das schöne Wetter zum Spaziergang zu nutzen, aber bitte nur mit Menschen der eigenen häuslichen Gemeinschaft. Sorge bereiten mir die wirtschaftlichen Auswirkungen, ich hoffe sehr, dass Einzelhandel und Gastronomie diese Krise überstehen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal an alle appellieren: Bitte halten Sie sich an die Verordnungen, wir schützen damit viele Menschen – aber das schaffen wir nur gemeinsam und mit viel gegenseitigem Verständnis. Ich hoffe auf baldige Normalität.