Corona-Folgen Kempen: Friseur Höninger richtet sich auf eine Reparatur-Phase ein

Kempen · Formulare statt Frisuren: Corona setzt Salons zurzeit matt. Die Planung für die Zeit nach der Schließung läuft aber intensiv.

 Es soll tatsächlich so sein, dass Menschen derzeit beim Haare schneiden selbst Hand anlegen.

Es soll tatsächlich so sein, dass Menschen derzeit beim Haare schneiden selbst Hand anlegen.

Foto: dpa/Thomas Frey

Die Zeit der Entblondung schreitet voran. Der Ansatz schiebt sich schonungslos ins länger werdende Haar. Die tönende und färbende Damen- und Herrenwelt ergraut oder offenbart den Ursprungshaarton. Für Betroffene ist auch das gerade keine Zeit des Wohlbefindens.

In normalen Zeiten vereinbart man bei Unzufriedenheit nach Blick in den Spiegel augenblicklich einen Termin beim Friseur. In Zeiten von Corona ist das unmöglich. Die Salon-Türen sind geschlossen. Und der Coiffeur damit beschäftigt, den Laden und seine Mitarbeiter möglichst unbeschadet durch die finanzielle Krise zu führen. Er kümmert sich um Formulare statt um Frisuren.

Am 22. März wurde die Schließung der Salons angeordnet

Bundesregierung und Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten am 22. März als eine Erweiterung der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie die Schließung aller Friseurgeschäfte in Deutschland angeordnet. Mindestens bis zum 19. April hat sie Bestand.

Auch für Friseurmeister Hartmut Höninger. Bereits in den Tagen nach Schließung des Geschäfts an der Orsaystraße bekam er Anfragen, „ob wir zum Haare machen nach Hause kommen“. Der Kempener lehnt das kategorisch ab. „Es ist nicht erlaubt. Die Übertragungsgefahr ist zu hoch. Das wird auch strafrechtlich verfolgt und kann hohe Strafen nach sich ziehen.“

Auf der Facebook-Seite des Salons hat er Außer-Haus-Besuche mit Kamm und Schere als unsolidarisch abgekanzelt, stattdessen Solidarität eingefordert. Von Kollegen und Kunden. Wichtig sei es, jedes Infektionsrisiko zu minimieren.

Kunden melden sich
telefonisch oder per E-Mail

„Wir warten jetzt darauf, dass es weitergeht“, sagt Höninger. Im Blick hat er zurzeit den 21. April. Unter Vorbehalt. So heißt es auch, wenn vorläufige Terminabsprachen für die Zeit ab Kalenderwoche 17 vorgenommen werden. Das Team ist für Kunden dafür donnerstags von 10 bis 12 Uhr telefonisch zu erreichen. Terminanfragen können über Whatsapp oder per  E-Mail getätigt werden. Und das werde auch rege genutzt.

„Wir werden versuchen, jeden Kunden so schnell wie möglich unter zu bekommen“, sagt Höninger. Er rechnet mit Auflagen, wenn die Läden wieder öffnen: „Möglicherweise dürfen sich nur noch soundsoviel Menschen auf einer gewissen Quadratmeterzahl aufhalten.“ Man habe sich schon darauf verständigt, dann in Schichten zu arbeiten und die täglichen Öffnungszeiten nach vorne und hinten auszudehnen, um die „aufgelaufenen Wochen möglichst schnell abzuarbeiten“ und zugleich vorgegebene Abstände zu wahren.

Das habe man schon zu Beginn der Corona-Krise so gehandhabt. Kein Handschlag zur Begrüßung. Kunden wurden zum Händewaschen begleitet, bevor sie zu ihrem Platz am Spiegel geführt wurden. Und von den zwölf zur Verfügung stehenden Plätzen waren auch nur noch die Hälfte besetzt worden, um die Abstände von Kunde zu Kunde einzuhalten. „Das kam sehr gut an“, sagt Höninger, der mit seiner Frau seit 36 Jahren den Salon in der Kempener Altstadt führt.

In Österreich sollen die Friseure zum 1. Mai wieder ihre Kunden im Geschäft bedienen können. „Am Dienstag nach Ostern werden wir sicher in Deutschland mehr erfahren“, sagt Höninger, der die aktuelle Situation auch im Hinblick auf die Forschung interessiert verfolgt.

„Wir sehen, was passiert“, übt sich der Friseurmeister in Geduld. Wissend, dass viel Arbeit aufs Team zukommt: „Colorations-Leistungen und Reparaturen. Denn viele werden selber an ihren Haaren gebastelt haben.“

„Drückliste“ wird nach
der Corona-Zeit abgearbeitet

Eine weitere abgemachte Sache, die Zuwendung und Zeit erfordern wird, ist eine wunderbare Verabredung mit der Kundschaft: Die hatte sich in eine bei Höninger ausgelegte und umarmende „Drückliste“ eingetragen – für die Nach-Corona-Zeit. Hartmut Höninger: „Man muss die Zeit auch mit Lockerheit und Humor angehen, sonst ist es gar nicht auszuhalten.“