Geteiltes Leid ist halbes Leid

Impulse Gedanken zur Corona-Krise – heute von Gabi Terhorst vom Katholikenrat.

Unser Leben hat sich innerhalb von Wochen komplett verändert. Vor sechs Wochen feierten wir noch Karneval und unser „Ärgernis“ galt einem Sturmtief, weswegen sogar die Karnevalszüge zum Teil abgesagt wurden. Heute reden wir über systemrelevante Berufe, Triage und Lock Down. Vor Wochen wussten wir noch nicht einmal, was das ist.

Was kommt noch auf uns zu in dieser Coronazeit? Immer wieder „erwische“ ich mich dabei, von einer Nachrichtensendung zur nächsten zu schalten, um den vermeintlichen Experten mein Gehör zu schenken. In dieser Woche begehen die Christen die Karwoche, an deren Ende das Osterfest steht. Gemeinsam feiern können und wollen wir es nicht, weil wir die gesellschaftlichen Spielregeln überzeugt mittragen. Verlieren Karfreitag und Ostern dadurch an Bedeutung oder fällt es gar aus? Die Kirchen geben sich alle Mühe, den Christen in irgendeiner Form Teilhabe zu gewährleisten: durch Fernseh- oder You-Tube-Gottesdienste, Podcast usw.

Viel wichtiger finde ich, dass wir gemeinsam hören, aufeinander und auf Gotteswort.

Die Karwoche ist eine Einladung an uns Christen, in das Leid hineinzugehen, ihm zu begegnen, Leid anzunehmen und es durchzustehen. Der Volksmund sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Viele von uns nutzen die neugewonnene Zeit, um aufzuräumen oder auszumisten. Manche gestalten ihren Garten neu oder renovieren im Haus. Alles, um das Leid wegzudrücken und um an die Zeit danach zu denken. Manche nehmen das Leid an und versuchen Anderen durch unermüdlichen Einsatz zu helfen. Sie schauen hin, sie engagieren sich, obwohl sie das sonst nie gemacht haben. Die einen in ihren Berufen, die anderen durch Einkäufe, Blumengrüße, Nähen von Mund-Nasen-Masken. Beiden gemeinsam ist, dass sie zum Ausdruck bringen, dass sie wissen, dass es Freude ohne Leid nicht gibt. So wie es Ostern nicht ohne Karfreitag gibt.

Ähnlich wie in der Karwoche – intensive Vorbereitung auf das kommende Osterfest. Wir glauben an das Ende der Pandemie und daran, dass wir mit Freunden und Familie wieder feiern und zusammen sein können. Wir Christen glauben an die Auferstehung, dass wir wieder vereint sein werden auch nach dem Tod. Auferstehung gibt es nicht ohne das Kreuz.

Lassen Sie uns jetzt schon gemeinsam freuen auf das, was „danach“ sein wird. Es wird anders sein und für manche leider auch sehr schmerzhaft, aber versuchen wir unserer Umwelt jetzt schon „freuderelevant“ zu begegnen. Passen Sie auf sich auf und bleiben gesund!

Gabi Terhorst,

Mitglied des Regionalteams und Vorsitzende des Katholikenrats der Region Kempen-Viersen