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Kempen: Corona - Existenzgründer in der Krise

Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein (TZN) in Kempen : Corona: Existenzgründer trifft Krise hart

Im Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein (TZN) im Kempener Gewerbegebiet haben mehr als 60 Firmen ihren Sitz. Deren Chefs wagen hier den Schritt in die Selbstständigkeit. Viele Start-ups traf die Corona-Krise hart.

(jka/rei) Gerade Existenzgründer trifft die Corona-Krise hart. Vielen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, sind Aufträge weggebrochen. Das Technologie- und Gründerzentrum Niederrhein (TZN) in Kempen beherbergt eine Vielzahl von jungen Start-up-Unternehmen. Für viele Firmenchefs gilt: Man muss flexibel sein und sich den geänderten Marktverhältnissen anpassen.

Stephan Sachse betreibt mit Holger Aretz in Kempen eine Medienagentur. Foto: Jürgen Karsten

Holger Aretz und Stephan Sachse sind zwar beide noch jung, aber keine jungen Gründer mehr. Sie haben den Sitz ihrer Medienagentur „P3 Creation Group“ bereits seit Jahren im TZN. Seitdem haben sich beide mit ihrem Team junger kreativer Köpfe im Bereich der Webentwicklung auf die Erstellung individueller Internetlösungen spezialisiert. Sie sorgen in der Videoproduktion für innovative Konzepte, eine professionelle Technik und termingerechte Fertigstellung. Auch im Veranstaltungsgeschäft sind sie tätig – auf Messen vertreten.

Kongresse und Veranstaltungen sind jetzt wieder möglich

Und gerade hier legte das Coronavirus bekanntlich alles lahm. Davon betroffen waren auch Aretz und Sachse mit ihrer erfolgreichen Firma. Seit Mitte Juni tut sich aber wieder etwas. Vertriebskongresse und Veranstaltungen mit kleinerer Teilnehmerzahl sind ja wieder möglich. „Wir haben uns in der Phase des Lockdowns gemeinsam mit unseren Kunden Gedanken gemacht, wie wir andere und neue Wege gehen können“, sagt Sachse. „Man muss auch eine so schwierige Zeit nutzen, um mit den Kunden noch erfolgreicher zu werden.“

Christian Leetz liefert Informationen für die Profis der Tourismusbranche. Foto: Jürgen Karsten

Im Bereich der Web-Produktion gab es keine Einbrüche. Der Vorteil der Agentur ist, dass sie in ihrem Angebot sehr breit aufgestellt ist. Dazu kam, dass gerade digitale Lösungen sehr gefragt waren. Ein abschließendes Fazit möchte Stephan Sachse nicht ziehen: Das könne man erst am Ende des Geschäftsjahres tun. Aber die „P3 Creation Group“ scheint insgesamt noch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen zu sein.

Umsätze brachen im
März regelrecht ein

Kadir Köksal traf es mit seinem Konstruktionsbüro sehr hart. Foto: Kadir Köksal

Härter traf es Christian Leetz, der mit seinem „CL-Verlag“ 2016 den Schritt in die Unabhängigkeit wagte und seit 2019 im TZN in Kempen seinen Sitz hat: Die Umsätze brachen im März regelrecht ein, sie gingen nach eigenen Angaben um rund 80 Prozent zurück. Der „CL-Verlag“ ist ein Mediendienst für Touristik. Dreimal wöchentlich gibt Leetz den Touristik-Newsletter „TN-Deutschland“ heraus, einen unabhängigen Informationsdienst, der über Trends im Deutschland-Tourismus und relevante Ereignisse im Fremdenverkehrsgeschehen des Landes berichtet. Er hat sich bereits einen großen und festen Kundenstamm erarbeitet. Zielgruppe des Info-Dienstes sind die Profis der Tourismusbranche.

In Corona-Zeiten hat Leetz wie viele andere auch im Home-Office gearbeitet. Seine Mitarbeiter – der Verlag beschäftigt ein festes Dreier-Team, dazu kommen noch freie Mitarbeiter – hat er nicht in Kurzarbeit geschickt: Es gab genug aufzuarbeiten. Da waren Listen zu sortieren, Datenbanken zu durchforsten und Verträge mit Dienstleistungen zu prüfen. Indes: Umsätze blieben auch im April (minus 70 Prozent) und im Mai (minus 20 Prozent) aus. Jetzt stellt Leetz wieder einen deutlichen Aufwärtstrend fest. Positiv für Leetz: Der Newsletter erreichte ungeahnte Reichweiten. „Wir hatten noch nie so viele Leser wie jetzt“, sagt er.

Besonders hart getroffen hat es in der Zeit des Corona-Lockdowns den Existenzgründer Kadir Köksal, der ein Konstruktionsbüro für den Maschinenbau eröffnet hatte. Der 33 Jahre alte Moerser gründete sein Unternehmen, die „Smart-inno-Tech GmbH“, erst im vergangenen Jahr und hat seitdem mit seiner Firma seinen Sitz im TZN, das er von seiner Arbeit in Kempen schon kannte.

Für ihn ein idealer Standort für ein junges Unternehmen, weil es eine geeignete Infrastruktur bietet und das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt. Nicht so ideal aber war es in der ohnehin schweren Anfangsphase für das Unternehmen, das sich erst einmal einen Namen machen muss, wenn dann noch jegliche wirtschaftliche Tätigkeit eingestellt wird. Bis heute merkt Köksal, dass viele Betriebe sich mit Investitionen oder Aufträgen zurückhalten, weil keiner so genau weiß, wie es denn in Zukunft weitergehen wird. Für Kadir Köksal kam die Krise also zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Er ist noch Einzelkämpfer, was in diesem Fall seiner Ansicht nach während der Corona-Krise auch besser war, weil er keine Löhne zahlen muss. Es gelang Köksal wenigstens in den ersten Monaten seiner Selbstständigkeit, zwei große Kunden aus der Region zu gewinnen, für die er arbeiten konnte. Sie kommen aus der Bauindustrie.