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Kempen: Ärger nach dem Abbau des Toilettenwagens am Buttermarkt

Ärger um den Toilettenwagen-Abbau

Fäkalien landeten vor dem Rathaus und in der Post des Bürgermeisters. Die Kosten für den Toilettenwagen seit März 2020 lagen laut Verwaltung insgesamt im mittleren fünfstelligen Bereich.

. Zum Ende des öffentlichen Sitzungsteils im Wirtschaftsausschuss am Dienstagabend wurde Bürgermeister Christoph Dellmans leicht emotional. Grund war eine „nette Begegnung“, die er am Morgen am Rathaus gehabt habe: Eine unbekannte Person hatte am Eingang zur Servicestelle einen „Haufen“ hinterlassen. Und auch persönlich habe Dellmans ein DinA4-Brief mit Fäkalien erreicht. „Herr Bürgermeister, wann wird der Toilettenwagen wieder auf dem Buttermarkt aufgestellt?“, habe darauf gestanden.

Der Hintergrund: Der Toilettenwagen der Tönisberger Firma Lemkens hatte seit März 2020 auf dem Markt gestanden, da die öffentlichen Toiletten im Rathaus coronabedingt nicht zugänglich sind. Vor wenigen Tagen hat die Stadt den Wagen jedoch aus Kostengründen abziehen lassen.

„Unverschämtheit“, empörte sich im Wirtschaftsausschuss die Vorsitzende Ute Straeten über die Fäkalien-Funde. „Sehr despektierlich gegenüber meinen Mitarbeitern!“, sagte der Bürgermeister und stellte fest: „Es hilft keinem, den Toilettenwagen dort wieder hinzustellen.“ Einstimmiger Beifall der Ausschussmitglieder.

Weniger zustimmend sind derweil die Reaktionen der Händler und aus der Bürgerschaft. Auf Facebook echauffierten sich zahlreiche Menschen über den plötzlichen Abbau des Toilettenwagens. „So vergrault man die letzten einkaufsfreudigen Bürger“, schrieb beispielsweise ein User. Leser Eckart Hampel (80) meldete sich telefonisch in der Redaktion. Für ihn sei der Abbau des Wagens völlig unverständlich: „Zahlreiche Besucher, insbesondere mit dem Rad angereiste Gäste der Stadt, nutzten regelmäßig den Toilettenwagen auf dem Buttermarkt.“ Ortsunkundigen sei die öffentliche Toilette hinter der Volksbank indes nicht bekannt. Gerade der offensichtliche und gut auffindbare Aufstellort des Wagens, so Hampel weiter, sei ein gut frequentierter Service der Stadt in dieser Zeit gewesen. „Statt ein bislang ungenutztes Baugerüst am Rathaus errichten zu lassen, hätte man den Toilettenwagen noch einige Zeit stehen lassen können.“

Christoph Dellmans: Das
Angebot wurde gut genutzt

Neben den Reaktionen im Netz wurde auch Toilettenwagenbetreiber Thomas Lemkens (52) nach dem Abbau seines Wagens bereits mehrfach von Bürgern angerufen, um nach dem Verbleib des Wagens am Buttermarkt zu fragen: „In der 16. Kalenderwoche wurde der Wagen von der Stadt zum Ende des Monats abbestellt“, erklärt Lemkens, „so dass wir den Wagen schließlich am 30. April, abends um 18 Uhr, abgebaut haben.“ Die anrufenden Bürger verwies Lemkens bei seiner Antwort stets auf die offizielle Pressemitteilung der Stadt.

Vor mehr als einem Jahr war der Toilettenwagen am Buttermarkt aufgestellt worden. „Aufgrund des eingeschränkten Zugangs zum Rathaus befindet sich bis auf Weiteres ein Toilettenwagen auf dem Buttermarkt, der für die Öffentlichkeit (...) geöffnet ist“, teilte Christoph Dellmans – damals noch als Stadtsprecher – die Beweggründe der Verwaltung mit. Die Toiletten am Rathaus sind nach wie vor nicht zugänglich. Was hat sich also geändert?

Im Prinzip nichts. „Der Toilettenwagen der hier stand, ist immer genutzt worden“, sagt Dellmans auf Nachfrage der Redaktion. „Er war eine gute Institution, aber die finanziellen Auswirkungen sind groß.“ Es habe Nachfragen aus der Politik gegeben, ob der Wagen noch notwendig sei und auch das Rechnungsprüfungsamt habe auf die Kosten hingewiesen. Wie hoch die genau sind, darüber dürfe man im Rathaus keine Auskunft geben, die Kosten für die gesamte bisherige Aufstellzeit beliefen sich aber auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. „Nach über einem Jahr ist es dann mal gut“, so Dellmans.

Händler des Wochenmarktes
klingeln nun beim Ordnungsamt

Die Verwaltung weist als Alternative auf die öffentliche Toilettenanlage hinter der Volksbank hin. Auf die wolle man nun was die Reinigung betrifft verstärkt achten, so Dellmans. Allerdings ist diese Toilette nicht kostenfrei zugänglich. Und sie liegt deutlich weniger zentral, ein gutes Stück vom Buttermarkt entfernt.

Für die Händler des Wochenmarktes, die den Toilettenwagen am Buttermarkt ebenfalls genutzt haben, ist die Toilette an der Volksbank keine Option. Dafür sei aber eine Lösung gefunden, sagt der Bürgermeister: Die Marktbeschicker dürfen die Toilette des Ordnungsamtes an der Neustraße nutzen. „Natürlich ist das für uns eine Alternative“, sagt Nina Nothofer (36), Sprecherin der Kempener Wochenmarktgemeinschaft, die selbst erst drei Tage vor Abbau des Wagens über die Schließung der Toilettenanlage informiert wurde.

Und dennoch: „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes ist das sicherlich nicht angenehm“, so Nothofer. Rund 30 bis 35 Mitarbeiter der Marktstände nutzten an den Marktagen – jeweils dienstags und freitags – die Toilette, rechnet die Sprecherin der Wochenmarktgemeinschaft vor.

Die allerdings müssten jedes Mal klingeln, um das Gebäude, und damit die Toilette betreten zu können – was wiederum zu einem Mehraufwand für die Mitarbeiter des Amtes führe. Insbesondere aber die Marktbesucher hätten vom Toilettenwagen profitiert, sagt Nothofer, die ihren Kunden nun den Abbau des Wagens erklären müsse. „Vielleicht hätte man eine andere Art der Übereinkunft finden können, statt den Wagen final abzubauen?“

Zudem scheinen die ersten Lockerungen der Corona-Maßnahmen angesichts sinkender Fallzahlen in greifbare Nähe zu rücken. Bald könnten Gastronomie und Rathaus möglicherweise wieder Toiletteneinrichtungen zur Verfügung stellen. Warum wurde dies nicht abgewartet? Das fragt sich auch Armin Horst, Vorsitzender des Werberings Kempen: „Wir vom Werbering sind traurig, dass der Toilettenwagen bereits in der Zeit, in der die Gastronomie noch nicht wieder geöffnet hat, entfernt wurde.“ Und auch wenn der ursprüngliche Aufstellort des Wagens aus Sicht des Werberings durchaus etwas weniger prominent, etwa in der Nähe des Restaurants „Et kemp‘sche huus“ hätte ausfallen dürfen: „Wir hätten uns gewünscht, dass das Ende der Pandemie abgewartet, und der Wagen erst im Anschluss daran abgebaut wird.“

Auch hier verweist Christoph Dellmans noch einmal auf die Kosten. Die hätten schlicht den Ausschlag gegeben, bereits zum jetzigen Zeitpunkt das Angebot einzustellen. Darüber könne man mit ihm auch gerne diskutieren, so der Bürgermeister: „Ich bin immer zu jedem Gespräch bereit, man kann mir auch Mails schreiben.“ Eine Post wie die vom Dienstag sei aber schlicht „ekelhaft und eine Zumutung“ – vor allem für seine Mitarbeiter. „Wir arbeiten hier für die Bürgerschaft und das hat keiner verdient im Rathaus.“

Einig sind sich Verwaltung, Händler und Bürger damit am Ende wohl zumindest in einem Punkt: Die Folgen des Abbaus der Toilettenanlage sind eine Sauerei.