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Dezernent Ferber weist Kritik an Kempens Rettungsdienst zurück

Dezernent Ferber weist Kritik an Kempens Rettungsdienst zurück

Die Pläne des Kreises Viersen, den Rettungsdienst neu zu ordnen, schlagen hohe Wellen — auch im Kempener Rathaus.

Kempen/Kreis Viersen. Das Gutachten zum Rettungsdienst und die Pläne des Kreises Viersen, diesen völlig neu zu ordnen, schlagen hohe Wellen. In den sozialen Netzwerken diskutieren Betroffene und Bürger eifrig. Und auch im Kempener Rathaus waren die Pläne am Donnerstag ein Thema. Ein wichtiges Detail im vorläufigen Entwurf des Kreises ist, dass die erst vor einem Jahr eröffnete Rettungswache in Anrath aufgegeben werden soll — zugunsten eines Neubaus in Vorst. Vor allem, um die vorgeschriebene Hilfsfrist von acht Minuten in St. Tönis einzuhalten. So steht es im Gutachten der Bonner Firma Forplan.

St. Tönis wird derzeit — wie Grefrath — von der Kempener Wache aus betreut. „Insofern hätte das Ganze natürlich Auswirkungen für uns“, sagte am Donnerstag Kempens Erster Beigeordneter Hans Ferber auf Anfrage der WZ. Dem Dezernenten war es besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Plänen um einen Vorentwurf handelt. Das habe der zuständige Kreis-Dezernent Thomas Heil am Mittwochnachmittag Vertretern der Städte und Gemeinden sowie am Abend dann der Kreispolitik mitgeteilt. In einem Pressegespräch — vor den erwähnten Sitzungen — machte Heil jedoch auch deutlich, dass die Nicht-Einhaltung von Hilfsfristen nicht mehr akzeptiert werden könne. Vor allem mit Blick auf die städtischen Bereiche Dülken und St. Tönis bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

„Sollte es denn so kommen, dass Tönisvorst eine eigene Wache bekommt, wäre das die einzige Auswirkung für uns in Kempen“, so Ferber. Die Mitarbeiter der Kempener Wache würden sich dann auf das „eigene“ Stadtgebiet und Grefrath konzentrieren. Aus Sicht der Stadt Kempen wäre das zu verkraften. Allerdings seien mit der Umsetzung einige weitere Fragen verbunden. „Zum Beispiel ist seit Jahrzehnten ein Notarztfahrzeug am St. Töniser Krankenhaus stationiert“, so Ferber. „Und im aktuellen Rettungsdienstbedarfsplan ist die Anschaffung eines vierten Rettungswagens für den Bereich Kempen vorgesehen.“ Was aus diesen Plänen werde, müsse sich nun zeigen. „Viel kann ich dazu aber noch nicht sagen. In etwa drei Wochen soll uns der endgültige Entwurf des Kreises vorliegen“, sagt Hans Ferber.

Überhaupt nicht einverstanden ist der Kempener Beigeordnete mit der Darstellung des Kreises in Bezug auf Ausfallstunden von Rettungs- und Krankentransportwagen (RTW und KTW) sowie Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF). Wie am Donnerstag berichtet, sind laut Gutachten im vergangenen Jahr 74 Fälle mit 757 Stunden aufgetreten, in denen Fahrzeuge von den Wachen abgemeldet wurden. 18 Prozent dieser Fälle entfielen auf Kempen. 47 Prozent auf Willich und 33 Prozent auf Nettetal. Sollte dies wegen personeller Engpässe geschehen sein, sei dies ein „No-Go“, wie es Kreis-Dezernent Heil und Gutachter Holger Behrendt formuliert haben.

„So eine Kritik ist fernab der Praxis und bar jeglicher Realität“, reagierte Ferber am Donnerstag mit deutlichen Worten. Für Kempen könne er die Hand dafür ins Feuer legen, dass bei Engpässen ausschließlich ein KTW abgemeldet werde. Transportfahrten müssten dann eben warten. Im Rettungsbereich sei man in Kempen stets gut aufgestellt.

Zu Engpässen komme es in erster Linie aus technischen und nicht aus personellen Gründen. „Wenn wir zum Beispiel einen RTW mit neuer technischer Ausrüstung ausstatten lassen, kann es schon mal sein, dass der Wagen eine Woche nicht einsatzbereit ist“, erklärt Ferber. In so einem Fall werde ausnahmsweise ein „ausgedienter KTW“ eingesetzt. Gleiches gelte für die Fälle, wenn Defekte an Fahrzeugen auftreten.

Aber auch personelle Engpässe könnten stundenweise immer entstehen. „Wenn ein Sanitäter um 7 Uhr seinen Dienst antreten soll. Dann aber um 6.50 Uhr wegen Magen-Darm-Problemen absagen muss, bekommt man das nicht binnen Minuten anders geregelt. So ist das nun mal in der Praxis“, sagt Ferber.

Auch die Kritik des Gutachtens an der Kempener Trennung zwischen den Standorten von Notarzt und Notarztfahrer bzw. -wagen will Ferber noch ausführlich diskutieren. In Kempen ist die Situation so, dass das NEF samt Fahrer an der Wache, Heinrich-Horten-Straße, stationiert ist. Der Arzt jedoch verrichtet seinen Dienst am Hospital, Von-Broichhausen-Allee. Das führt laut Gutachten dazu, dass der Arzt immer zunächst abgeholt werden muss, bevor es zum eigentliche Einsatzort geht.

„Ich bin seit 1997 für den Rettungsdienst in Kempen verantwortlich — und seitdem kenne ich die Diskussion darüber“, sagt Ferber. Diese Regelung habe ihren Sinn — in erster Linie aus finanzieller Sicht. Laut Ferber besteht seit mehr als 30 Jahren ein Vertrag mit dem Hospital zum Heiligen Geist. Sinngemäß steht dort drin, dass der diensthabende Notarzt im Krankenhaus arbeitet, solange er nicht im Notfalleinsatz ist. „Und natürlich trägt das Hospital deshalb einen Großteil der Kosten“, so Ferber. Sollte der Arzt künftig an der Wache „sitzen müssen“, würde er eben weite Teile des Tages dort „sitzen“. „Diese Lösung kommt daher aus meiner Sicht nicht in Betracht“, sagt Hans Ferber.

Andersherum gebe es eventuell die Möglichkeit, dass Fahrer und Wagen am Hospital stationiert werden. In diesem Fall müssten im Krankenhaus entsprechende Räumlichkeiten geschaffen werden. „Und der Kreis Viersen sollte sich in diesem Fall auch bewusst sein, dass der jeweilige Fahrer weite Teile des Tages nicht viel zu tun haben wird“, so Ferber. Derzeit sei es „logischerweise“ so, dass der diensthabende Fahrer des NEF die anderen Kollegen der Wache unterstützen kann.