Ganz klar: Borussia landet weit vorne

Die Fußballfans sind heiß darauf, dass es am Freitag endlich losgeht. Viele hoffen auf Ausrutscher von Dauermeister Bayern.

Kempen. Es geht wieder rund, oder ums mit einem alten Radio-Slogan zu sagen: Tore, Punkte, Meisterschaft. Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga mit der Partie Bayern gegen Hamburg in ihre 53. Saison. „Berührt Sie das“, fragte die WZ die Menschen am Buttermarkt. Klare Antwort: und wie?

„Mich interessiert nur die Raute“, sagt Peter Nieskamp aus Kempen, Fan von Borussia Mönchengladbach. Er sieht sehr optimistisch in die Saison. „Unter den Top 5 werden sie landen“ — da ist er sehr sicher. Morgen Abend spielt sein Verein gegen die Namens-Kusine aus Dortmund. „Ein Unentschieden“, schätzt Nieskamp, „1:1 oder so.“ Gegen drei Punkte würde er sich aber auch nicht wehren.

Frank Fritzsche freut sich vor allem auf die Radio-Übertragungen. „Da geht nichts drüber am Samstagnachmittag.“ Er hält den früheren WDR-Moderator Manni Breukmann für den Allergrößten. Sein Herz schlägt für den 1. FC Köln. „Auf jeden Fall steigt er nicht ab, nächstes Jahr spielt er dann in der Champions-League.“ Das sieht Sohn Justus Fritzsche (5) anders: „Bayern wird Erster, Köln Nullter.“

„Da gibt’s ja wohl nur einen Verein“, sagt Gabriele Bially aus Herongen. „Und das ist Borussia.“ Ihr würde es reichen, wenn die Favre-Truppe oben mitspielt und am Ende auf dem dritten Platz landet. „Das wäre super.“ Morgen Abend tippt sie ein 3:1. Sie wird’s live im Fernsehen verfolgen. „Bei uns sind sechs Personen im Haus, nur Vater ist Bayern-Fan.“

Ihre Mutter, Maria Peters, hat hingegen ein distanziertes Verhältnis zum Fußball. Ich habe alle Kinder zwar dahin gebracht, aber wenn mein Mann das im Fernsehen sieht, guck ich was anderes.“

„Ich bin sportlich durch die Fernsehgebühr“, lacht Heinz-Werner Pinant aus Willich. Auch sein Herz schlägt für die Fohlenelf. Er glaubt, dass sie auf dem dritten oder vierten Platz landet. Wer wird Meister? Pinant gähnt kurz: „Bayern“.

„Fußball interessiert mich weniger, Hauptsache die Bayern verlieren“, betont Thomas Ranker aus Kempen. Er sei zwei Kilometer vom legendären Bökelberg-Stadion in Mönchengladbach groß geworden. „Da kommt man natürlich am VfL nicht vorbei.“ Er sei oft mit seinem Vater und später mit Freunden bei Spielen gewesen.

Peter Zandt stammt zwar aus dem Emsland, hat aber auch schon in Krefeld und Tönisvorst gewohnt. Seit 25 Jahren ist er in den Niederlanden heimisch. Dort teilen viele Leute seine Vorliebe. „Die Bayern sollen verlieren“, hofft er.

„Ich interessiere mich eher für die Zweite Bundesliga“, betont Thomas Stahlmann aus Düsseldorf. Glaubt er, dass sein Team aufsteigt? „Die Hoffnung ist da. Vielleicht aber auch erst nächstes Jahr.“

„Ja klar freue ich mich, dass es losgeht“, sagt Roland Geister aus Lobberich. Er ist mit Sky am Ball, fährt bisweilen aber auch nach Mönchengladbach ins Stadion. Das Spiel in St. Pauli hat ihn überzeugt, die Elf vom Niederrhein wird „um den fünften Platz herum“ landen.

„Die Schalker habe eine tolle junge Mannschaft. Da werden wir hoffentlich attraktiven Fußball sehen und vielleicht auch die ein oder andere Überraschung erleben“, sagt Willi Mots aus Kempen. Nur mit Mühe ist er davon abzuhalten, das Schalker Vereinslied abzusingen.

Roman Tanel hofft nach dem Abstiegskampf in der vergangenen Saison auf eine ruhigere Spielzeit für seine Hannoveraner: „Mit allem zwischen Platz neun und 13 wäre ich zufrieden.“ Der Halbitaliener Tanel verfolgt auch Italiens erste Spielklasse, die Serie A. Um seine zweite große Liebe, Serienmeister Juventus Turin, macht er sich weniger Sorgen.

FC-Fan Uwe Reinert versprüht den klassisch, kölschen Optimismus: „Irgendwas zwischen Platz eins und zehn ist realistisch.“ Beim Kampf um die Meisterschaft ist er zuversichtlich, dass neben den Domstädtern auch Wolfsburg und Leverkusen den Bayern endlich ein Bein stellen können.

Für München-Fan Jeremy (6) gibt es keinen Zweifel: „Die Bayern gewinnen.“

Wolfgang Hermann verfolgt vornehmlich die Spiele der Stuttgarter Vereine: „Der VfB sollte zumindest im Mittelfeld landen.“ Skeptischer ist der Kempener beim Drittligisten Stuttgarter Kickers, für den in den 60´ern selbst gespielt hat: „Die werden wohl nichts mit dem Kampf um den Aufstieg zu zu tun haben.“ Bei aller Vorfreude stören Herrmanns die wachsenden Spielergehälter und Transfersummen. Investitionen der öffentlichen Hand für Polizeieinsätze an Spieltagen nerven ihn ebenfalls.

Andre Molderings freut sich besonders auf seine Borussia: „Die Gladbacher sollten wieder in die Champions League kommen.“ Auf Grund einer „Privatfehde“ mit einem Freund gibt es für ihn eine weitere Priorität: „Der HSV muss endlich absteigen. Die letzte Relegation, in der sich die Hamburger gerettet haben, war ja eine Katastrophe.“

„Endlich ist die schreckliche Zeit vorbei“, sagt Paddy Hütter. Er hat bescheidene Erwartungen an seine Fohlen-Elf: „Einen einstelligen Tabellenplatz sollten sie hinbekommen.“ Besonders freut er sich auf Gladbachs Auftritte in der Champions League. Ein Weiterkommen hält er für möglich, wenn Schwergewichte des europäischen Fußballs wie Real Madrid oder Barcelona nicht als Gruppengegner zugelost werden.