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Kreis Viersen.: AOK: Etwas mehr Kranke im Kreis

Kreis Viersen. : AOK: Etwas mehr Kranke im Kreis

2018 ist die Zahl der Krankmeldungen am Arbeitsplatz leicht gestiegen. Besonders psychische Gründe sorgen für Fehltage. Prävention ist ein wichtiges Thema.

Im Kreis Viersen sind die Arbeitnehmer häufiger krank als im restlichen Rheinland. Das trifft besonders auf die langfristigen Krankheiten mit mehr als 42 Krankentagen zu. Das geht aus den Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK hervor. Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), eine Tochtergesellschaft der AOK, hat die Daten der versicherungspflichtig Beschäftigten ausgewertet. Im Vergleich zu 2017 ist der Krankenstand bei den knapp 34.000 AOK-Versicherten im Kreis Viersen moderat gestiegen.

Branchen mit den meisten Kranken: Entsorgung und Pflege

Dass die AOK-Versicherten im Kreis Viersen etwas häufiger krank sind, kann mit zwei Faktoren zusammenhängen, schilderte Gregor Mertens vom BGF bei der Vorstellung der Zahlen. Im Kreis liegt der Altersdurchschnitt leicht über dem Schnitt für das Rheinland. Zudem sind die Krankenstände in den Branchen sehr unterschiedlich. In den größeren Städten des Rheinlandes seien mehr junge Menschen in den Dienstleistungen-Branche, Versicherungen, Banken oder IT zum Beispiel, tätig.

Die Bereiche Ver- und Entsorgung, Pflege sowie allgemeine öffentliche Verwaltung (oft Lehrer und Erzieher) waren 2018 die Branchen-Spitzenreiter mit Blick auf die Krankenstände bei mehr als 42 Tagen. Ein Anstieg der Atemwegserkrankungen sei durch eine Erkältungs- und Grippe-Welle zu erklären, so Mertens. Auch Krankheiten im Bereich Muskeln/Skelett, häufig handelt es sich um Rückenschmerzen, sind eine häufige Ursache für Fehltage. Auch die Psyche sorgt für Arbeitsunfähigkeit. Bei der durchschnittlichen Falldauer sind die psychischen Erkrankungen Spitzenreiter mit im Schnitt 31 Kalendertagen im Kreis Viersen. So genannten depressive Episoden und Belastungsstörungen waren im vergangenen Jahr für Fehltage deutlich mehr verantwortlich. Gründe sind neben privaten Ursachen durchaus auch Probleme am Arbeitsplatz. Im digitalisierten Zeitalter mit ständiger Erreichbarkeit entwickle sich ein erhöhter Druck und eine allgemeine Überbelastung aufgrund von körperlich und psychisch belastenden Tätigkeiten, so Mertens.

Die gute Nachricht ist aber, dass sich immer mehr Betriebe mit dem Thema Gesundheit am Arbeitsplatz auseinandersetzen. Dabei spiele nicht nur die betriebswirtschaftliche Sicht eine Rolle. „Die Unternehmen entdecken auch, dass es bei der Suche nach Personal positiv sein kann, das Thema Gesundheit als Marke für das Unternehmen zu nutzen.“ Zudem könne man die Mitarbeiterzufriedenheit damit erhöhen. Die Maßnahmen können ganz unterschiedlich sein und von Aktionstagen über einen Zuschuss fürs Fitnessstudio bis zur Raucherentwöhnung reichen. Die Unternehmen seien aber auch gut beraten, so Gregor Mertens, wenn sie darauf achten, dass die internen Arbeitsbedingungen stimmen. Neben den richtigen Hilfsmitteln und Arbeitsmaterialien sollten auch die Organisation und die Führung stimmen. Die AOK biete in diesem Bereich ein umfangreiches Portfolio zur betrieblichen Gesundheitsförderung und erfreulicherweise steige die Zahl der Anfragen an.

Prävention in der Pflege zunehmend im Blick

Denn man stelle durchaus Unterschiede bei den Unternehmen fest. Besonders im Pflegebereich lasse sich auch mit dem Blick auf den Fachkräftemangel mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement viel erreichen. Gerade das Thema Pflege werde aufgrund des demografischen Wandels auch für die Krankenkassen immer wichtiger. In diesem Bereich habe bereits ein Umdenken stattgefunden, stellt AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn erfreut fest. Man nehme die Pflege verstärkt in den Blick und schaue, was verbessert werden könnte. So sieht das Pflegestärkungsgesetz höhere Investitionen in die Prävention vor. Nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Bewohner von Senioreneinrichtungen.