Debatte um Erschließung des neuen Baugebietes im Kempener Westen

Stadtplanung : Kempen-West: Planer favorisieren eine „Umgehungsstraße light“

Im Fachausschuss am Montag werden die neuesten Erkenntnisse des beauftragten Gutachterbüros vorgestellt.

Der Kempener Westen – das neue Baugebiet, von dem sich Politik und Verwaltung so viel versprechen steht am Montag, 29. April, gleich dreimal auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Zweimal geht es um Anträge von Fraktionen. Zum einen wollen die Grünen über die Bauleitplanung sprechen, zum anderen auch die CDU. Doch bevor ein Häuslebauer überhaupt ans Bauen denken kann, muss es logischerweise um die verkehrliche Erschließung des Gebietes mit möglicherweise – irgendwann mal – 1000 Wohneinheiten gehen. Den Anwohnern von Oedter Straße, Berliner Allee, Birkenallee und weiteren Nebenstraßen ist die Verkehrssituation schon jetzt ein Dorn im Auge (die WZ berichtete mehrfach). Da müssen Politik und Verwaltung bei der Zukunftsplanung besonders behutsam vorgehen.

Der Traum aller ist die Erweiterung des Kempener Außenrings, eine Westumgehung als Ringschluss, eine große Lösung also. Diese hatte das beauftragte Gutachterbüro schon im vergangenen Jahr als unrealistisch betrachtet. Zu teuer sei diese Lösung und die Umsetzung werde zu lange dauern. Bei diesem Ergebnis bleiben die von der Stadt beauftragten Experten eines Dortmunder Planerbüros auch bei einer erneuten Betrachtung, die am kommen Montag ausführlich vorgestellt werden soll. „Der Ringschluss im Kempener Westen mit einer anbaufreien Umgehungsstraße habe gegenüber einer gut ausgebauten und gut ans Netz angebundenen innerstädtischen Hauptverkehrsstraße keine Vorteile, allerdings erhebliche Nachteile“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für die Sitzung.

Aus Sicht der Gutachter sollten die Planungen auf die Errichtung einer innerstädtischen Nord-Süd-Achse hinauslaufen. Diese soll am Außenring/Straelener Straße ihren Anfang nehmen und dann parallel zum neuen Baugebiet in Richtung Süden verlaufen. Gekreuzt würde die neue Straße dann von der Ziegelheider und der Mülhauser Straße. Je nach Bedarf könne die Straße an einer dieser beiden Achsen enden. Deutlich mehr Entlastung würde aber eine abschließende Anbindung an den Kempener Außenring im Süden bringen. Die Gutachter sehen also keine große Lösung als Umgehungsstraße, aber eine innerstädtische Entlastungsstraße – eine Art „Umgehungsstraße light“.

Während der ersten Bauphase zusätzliche Belastung erwartet

Nur durch die beschriebene Anbindung an den Außenring im Süden ist nach Angaben des Gutachters eine „durchgreifende Entlastung“ des Straßenzuges Birken-/Berliner Allee zu erreichen. Sollte es zu dieser Lösung kommen, müssten die Anwohner wohl einen langen Atem haben. Ein solcher Netzschluss sei nur langfristig möglich. „Vor allem mit der Realisierung des ersten Bauabschnitts wird es noch keine neue Anbindung an das neue Hauptstraßennetz geben“, so die Vorlage. Daher würde sich die Verkehrsmenge während des ersten Bauabschnitts zu etwa gleichen Anteilen auf nördliche und südliche Richtung der Berliner Allee verteilen. Die Gutachter rechnen mit rund 500 Kraftfahrzeugen mehr pro Tag. Eine Summe, die vertretbar sei.

Das dürfte eine jüngst gegründete Bürgerinitiative, die derzeit Unterschriften sammelt, völlig anders sehen. Aus Sicht der Anwohner sind die Straßen Berliner Allee, Birkenallee und Dämkesweg schon jetzt völlig überlastet. Auch dadurch, dass immer mehr Lkw die Straßen nutzen würden. Vor allem für Radfahrer sei es im Umfeld von Schwimmbad und Luise-von-Duesberg-Gymnasium gefährlich.

Das Dortmunder Büro Planersocietät wird am Montag, 29. April, ausführlich im Planungausschuss berichten. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus am Buttermarkt. Ferner soll die Öffentlichkeit im Rahmen einer Bürgerversammlung informiert werden. Ein Termin steht noch nicht fest. Weitere Infos zur Sitzung am Montag:

kempen.de

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