Wülfrath : Verbraucher geben Marschroute vor

Die Biologische Station Haus Bürgel in Monheim am Rhein betreut Naturschutzflächen im Großraum Düsseldorf und dem Kreis Mettmann. Immer wieder können sich ehrenamtliche Helfer in den Reihen des eingetragenen Vereins ausbilden lassen und die Vielfalt des Naturschutzes kennenlernen.

Diese einjährige Kursausbildung, die an vier Wochenenden stattfindet, wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert. Kooperationspartner lassen sich im weitläufigen Einsatzgebiet finden.

Auch der Wülfrather Landwirt Bernd Kneer liefert im Zuge der Ausbildungseinheiten Einblicke in seinen Betrieb. „Ich biete mittlerweile zum zweiten Mal die Möglichkeit an, Einblicke in einen konventionellen Landwirtschaftsbetrieb zu erlangen“, so Kneer, dem durchaus bewusst ist, dass angehende Naturschützer an seinen Lippen hängen, während er den Jahresablauf seines Betriebes beschreibt.

„Für mich ist es wichtig, das Verständnis für beide Seiten zu verdeutlichen“, so Kneer. Und so lässt die Frage, warum der Wülfrather Landwirt nicht auf Bio-Betrieb umstellt, nicht lange auf sich warten. Letztlich sind es jedoch die Verbraucher, die den Marsch für die Landwirte vorgeben. „Und Bio, das ist nur ein deutscher Trend. Wirtschaftlicher ist für uns die konventionelle Betriebsführung“, so Kneer, der gleich noch eine andere Frage beantwortet. Denn was verdient ein Landwirt eigentlich an seinen Flächen? „Nur die EU-Förderung. Das ist unser Lohn. Mehr nicht“, verrät Bernd Kneer, der in verdutzte Gesichter schaut. Da geht die Aussage, dass auch auf den Ackerflächen des Wülfrather Landwirts zu zehn Prozent das Pflanzengift Glyphosat zum Einsatz kommt, beinahe unter. Die Alternative zum Gift: das Umpflügen samt Dieselmotorantrieb. „Da stellt sich mir die Frage, welchen Tod wir sterben müssen“, so Kneer, für den auch die Diesellösung nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Referenten wollen Verständnis für beide Seiten schaffen

Elke Löpke und Michael Schoch, beides Referenten der Biologischen Station, kennen die Vorurteile der Naturschützer gegenüber klassischen Landwirtschaftsbetrieben. „Und deshalb sind wir auch sehr dankbar, dass wir hier gemeinsam mit Herrn Kneer in eine Diskussion treten dürfen und das Verständnis für beide Seiten schaffen“, sagt Elke Löpke.

Kursteilnehmer Felix Schuchmann hat gleich mehrere Intentionen, sich im Naturschutz einzubringen. Da wäre zunächst seine Tochter, für die er ein Vorbild sein will. „Hier bekomme ich aber auch ein breites Netzwerk aufgezeigt und kann mir überlegen, in welche Richtung ich mich orientieren werde“, so Schuchmann. Aus der Diskussion mit dem Wülfrather Landwirt geht er mit zahlreichen neuen Erkenntnissen heraus. „Das Umdenken muss bei uns Verbrauchern beginnen, damit sich die Umstellung auch für die Landwirte lohnt“, lautet sein Resümee.

Und was warten noch für lehrreiche Projekte auf die Teilnehmer, die für den einjährigen Kurs einen Eigenanteil von 200 Euro zahlen mussten? „Wegen der Verbindlichkeit“, wie Elke Löpke erklärt. Dafür gibt es spannende Aktionen, wie etwa der Besuch im Naturschutzzentrum Bruchhausen in Erkrath-Hochdahl. „Dort lernen wir an eineinhalb Tagen die Pflege von Obstwiesen kennen, erfahren einiges über Wildbienen und können uns den Betrieb genauer angucken“, erläutert Elke Löpke.