Neviges : Allrounderin im Weihnachtstrubel

Cornelia Otten arbeitet seit drei Jahren im Kaufhaus für Gebrauchtwaren des „Sozial Orientierten Service“, kurz S.O.S.

„Das Weihnachtszimmer muss perfekt sein“. Aber in den vergangenen Tagen sind viele Artikel verkauft worden. Cornelia Otten sortiert die Weihnachtskugeln, Lichterketten und Girlanden im Gebrauchtwarenhaus des S.O.S-Teams neu. Die 56-Jährige arbeitet gerne dort. „Ich möchte nicht mehr woanders anfangen müssen. Ich habe hier tolle Erfahrungen gemacht. Hier wird Arbeit anerkannt, man bekommt Lob, man fühlt sich wohl“, schwärmt die siebenfache Mutter.

Das war nicht immer so: Sie erlebte zuvor viele Enttäuschungen. „Nachdem 2003 meine jüngste Tochter geboren wurde und sie im Kindergarten war, wollte ich wieder in Vollzeit arbeiten. Immer wieder hörte ich, dass ich zu alt sei. Sie versuchte, sich im Reinigungsgewerbe selbstständig zu machen – ohne großen Erfolg. Immer und immer wieder verschickte sie Bewerbungen – vergeblich. „Ich hatte die Schnauze voll. Dann erzählte man mir von dem S.O.S-Team in Neviges. Nach einem Gespräch mit Herrn Adler konnte ich im August anfangen und bekam zum 1. Januar 2016 einen Festvertrag.“

Die meisten Frauen beginnen
mit dem Bügeln von Wäsche

Wie alle Frauen begann die Langenbergin mit dem Bügeln von Wäsche. „Dann wird geschaut, wofür man am besten geeignet ist.“ Cornelia Otten hat dabei viele Talente offenbart. „Angestellt bin ich als Verkäuferin, aber ich bin eine Allround-Kraft. Da wo ich gebraucht werde, da bin ich“, sagt sie und lacht. Während ihrer Tätigkeit im S.O.S-Team hat sie sich um 180 Grad gedreht, wie sie von sich selbst behauptet. „Ich bin inzwischen so ruhig geworden, dass mich mein Mann kaum wiedererkennt.“ Sie führt das auf die Atmosphäre in dem Gebrauchtwarenhaus an der Bernsaustraße zurück. „Man fühlt sich wie in einer Familie, ich habe noch nie so viel Herzlichkeit empfangen wie hier, man fühlt sich geborgen. Egal, welche Nationalität, der Mensch zählt, auf jeden einzelnen und seinen Handicaps wird mit Engelsgeduld eingegangen. So bin ich von Jahr zu Jahr ruhiger geworden.“ Überhaupt hat sie in den vergangenen Jahren eine Menge gelernt, was sie sich nie zugetraut hätte: „Früher hatte ich mit dem Computer nix zu tun“, stellt sie fest, während sie mal eben neue Etiketten am Bildschirm gestaltet und gleich ausdruckt. „Hier kann man eine Menge lernen – wenn man will.“

Cornelia Otten, die als junge Frau eine Friseurlehre begonnen, aber nach zwei Jahren abgebrochen hat, kommt gern auch außerhalb der üblichen Arbeitszeiten, wenn es nötig ist. Das ist zum Beispiel bei den Aktionswochenenden der Fall. „Die machen richtig Spaß. Ich habe dann die Küche unter mir, Herr und Frau Adler lassen mir viel freie Hand.“

Michael Adler, zweiter Vorsitzender des Trägervereins S.O.S-Team, und seine Frau Juana bereiten im Gebrauchtwarenhaus Teilnehmer aus dem Jobcenter auf den ersten Arbeitsmarkt vor. Meist sind 30 bis 35 Personen tätig, darunter solche, die Sozialstunden ableisten müssen sowie ehrenamtliche Kräfte.