Wülfrath : Die große Hilfe von „Kinder in Not“

Die von Wolfgang Peetz im Jahr 2005 ins Leben gerufene Initiative unter dem Dach des DRK ist längst eine Institution.

Ein Bericht über Armut in Wülfrath im Jugendhilfeausschuss im Jahr 2005 war der Auslöser einer Erfolgsgeschichte, deren Ende zum Glück nicht absehbar ist: Die von Wolfgang Peetz unter dem Dach des DRK-Ortsvereins Wülfrath gegründete Initiative „Kinder in Not“ hatte damals ihren Ursprung. „Meine Frau Dagmar, die Schuldnerberaterin ist, hat damals zu mir gesagt, dass etwas dagegen passieren muss“, erinnert sich der Initiator. In der Folge wurde ein parteiübergreifender Arbeitskreis zusammen mit Vertretern des mittlerweile aufgelösten Seniorenrates und des Bürgervereins Wülfrath gebildet. Das Fazit: Um zu helfen, müssen zwei Aufgaben angegangen werden. Spendengelder sammeln und immer wieder die Menschen sensibilisieren, dass es im beschaulichen Wülfrath Kinderarmut gibt.

Das tägliche Mittagessen wird für insgesamt 120 Kinder finanziert

Aktuell finanziert die Initiative für rund 120 Kinder das tägliche Mittagessen. Auch die Anschaffung von Winterbekleidung, die Übernahme der Kosten für Klassenfahrten, Schwimmunterricht und den Leseausweis für Kinder unter sieben Jahren übernimmt sie. „Bildung ist der einzige Schlüssel zur Schicksalskorrektur“, sagt Wolfgang Peetz aus tiefster Überzeugung. Nachsatz: „Ich habe den Anspruch, Kinderarmut zu bekämpfen, nicht zu begleiten.“ Das ist bisweilen ein Kampf gegen Windmühlen, rund 500 Kinder gelten in Wülfrath als arm, die Zahl stagniert seit Jahren. Aber: „Kein Kind in Wülfrath muss hungern oder frieren, das ist in anderen Städten anders“, weiß Wolfgang Peetz.

Ihn beeindruckt die ungebrochene Spendenbereitschaft der Wülfrather Bürger. Egal ob Geburtstag, Jubiläum Hochzeit oder Familienfeste – oft wird dabei zugunsten der Initiative auf Geschenke verzichtet. Auch Unternehmen und Geschäftsleute verbinden ihre Aktivitäten gerne mit der Hilfe für Kinder in Armut. „Dabei ist wichtig, dass das Geld in Wülfrath bleibt und zu 100 Prozent bei den Kindern ankommt, weil das DRK alle Verwaltungsarbeiten übernimmt“, erklärt Wolfgang Peetz. Außerdem gehöre es mittlerweile zum guten Ton in Wülfrath, für „Kinder in Not“ zu spenden. „Das zeigt die Gemeinschaft in Wülfrath“, sagt er dankbar.

In den vergangenen Wochen war Wolfgang Peetz als Weihnachtsmann unterwegs. Es galt, 100 Wunschzettel abzuarbeiten. Jeweils 50 finanzierten Lhoist Germany und die Kreissparkasse Düsseldorf, als Verteiler fungierte Wolfgang Peetz. „Ich kenne jede Barbie mit dem Vornamen“, so sein Fazit als aktiver Weihnachtsmann. Und: „Eine schöne Sache in der Weihnachtszeit.“ Knapp zwei Wochen vor dem Fest brachte er die Geschenke zu den Einrichtungen, Kindergärten und Schulen. Die Kinder wissen oftmals gar nicht, wer hinter der guten Tat steht. Dank gibt es in erster Linie von Eltern und Erziehern.

Das gilt auch für die täglich geförderten Kinder. „Ein herausragender Fall ist der eines Jungen, den wir die gesamte Schulzeit begleitet haben. Er hat bei seiner Feier zum Schulabschluss die Rede gehalten. Das war schon der Hammer“, sagt Wolfgang Peetz und hat Tränen der Rührung in den Augen. Von dem nun jungen Mann hat er nichts mehr gehört, wahrscheinlich wusste dieser gar nichts von der Unterstützung der Initiative. Anonymität ist ein wichtiger Bestandteil von „Kinder in Not“. Es gibt zum Beispiel Bürger, die Patenschaften für ein bestimmtes Kind übernehmen, ohne zu wissen, wer es ist. Sie wissen nur, dass ihre gesamten Spenden für ein Kind verwendet werden. „Das setzt Vertrauen voraus“, sagt Wolfgang Peetz. Der dank der Eltern ist manchmal tatkräftig. So hatte ein arbeitsloser Vater angeboten, in einem Kindergarten die Gartenarbeit zu übernehmen. Auch das beeindruckt Wolfgang Peetz.

„Es hat sich in all den Jahren aber auch etwas zum Guten gewendet“, lobt er. Durch das Bildungs- und Teilhabepaket werden mittlerweile 30 Euro von den 50 Euro für das Mittagessen beigesteuert, „Kinder in Not“ zahlt noch 20 Euro, quasi den verbleibenden Elternbeitrag. „Selbst diese 20 Euro sind für diese Familien viel Geld. Ich möchte verhindern, dass es an dieser Summe scheitert“, sagt Wolfgang Peetz. Die Teilnahme beim Mittagessen bedeute zugleich, dass die Kinder in Ganztagsbetreuung untergebracht sind. Da ist man wieder beim Kernwort Bildung, auf die der Initiator so großen Wert legt. Es gebe auch „Überlegungen in Berlin“, im Rahmen von „Gute Kita“ dafür zu sorgen, dass das Essen kostenfrei angeboten wird. „Geld ist genug da, es wird nur falsch ausgegeben“, kritisiert Wolfgang Peetz und spricht damit die Verwaltungskosten dafür an. Ohne diese seien kostenfreie Mahlzeiten für alle armen Kinder kein Thema.

„Es geht mir nicht um Gleichheit, sondern um Chancengleichheit“, erklärt Wolfgang Peetz. „Ich würde mir wünschen, dass es der Gesetzgeber schafft, Bildungsstätten – dazu gehören natürlich auch Kitas – beitragsfrei zu machen. Das gilt auch für das Essen. Das wäre ein großer Schritt.“ Viele kleine und große Schritte waren in den vergangenen 13 Jahren von Nöten, um „Kinder in Not“ zu dem zu machen, was es heute ist. Eine Institution in Wülfrath, die dafür sorgt, dass es Kinder aus armen Familien etwas besser geht und ihre Chancen auf den Ausstieg aus der Armut deutlich verbessert. Nicht nur zur Weihnachtszeit.