Neviges : Für Nevigeser Friseure wird es haarig

Die Innung fordert sofort Hilfe – viele Betriebe wissen nicht, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen.

„Wir sind das einzige Handwerk, das nicht arbeiten darf“, stellt Markus Droste klar. Der Nevigeser Friseur hatte, wie viele seiner Kollegen, in der Nacht zum gestrigen Montag das Licht in seinem Salon an der Lohbachstraße angelassen. Die bundesweit 86 000 Friseurbetriebe, von denen fast 40 Prozent Ein-Mann oder Ein-Frau-Betriebe sind, kämpfen um ihre Existenz.

„Beim ersten Lockdown gab es Soforthilfe. Das hatte etwas Beruhigendes. Das war ein Zeichen, dass die Politik sich Mühe gab, Hilfen zu finden“, so die Erfahrung des Meisters. „Das waren ja auch ,nur’ sechs Wochen, jetzt geht es in die siebte Woche. Kleinstunternehmen können Grundsicherung beantragen, aber wer möchte gerne vom Job-Center leben“, fragt sich Markus Droste. Er verweist darauf, dass die Hilfen vom Frühjahr auch ihre Tücken haben. „Wer nach dem ersten Lockdown von morgens bis abends gearbeitet hat und ordentliche Umsätze erzielte, der durfte die damaligen Soforthilfen zurückzahlen.“

Miete, Beiträge, das laufe alles weiter. Gerade der Januar sei ein Monat mit hohen Ausgaben: „Da fallen alle Versicherungen an. Und das Kurzarbeitergeld wird vom Firmeninhaber vorgestreckt.“ Da kommt bei der Droste GmbH mit 31 Angestellten in Elberfeld, Dönberg und dem Nevigeser Stammhaus ordentlich was zusammen.

Nachwuchspflege wird
nicht vernachlässigt

Trotz aller finanzieller Sorgen kümmern sich die Meister um den Nachwuchs. „Wir bilden jede Woche weiter aus. Statt am lebenden Model geht das nur mit Trainingsköpfen, alles selbstverständlich mit Abstand und Masken. Neben Färben, Strähnen, Schneiden und Föhnen gehört das Wickeln von Dauerwellen dazu, das macht die Hände geschmeidig“, weiß Markus Droste im Hinblick auf die im Mai angesetzten Gesellenprüfungen. „Eine schwierige Zeit, hoffentlich finden alle danach eine Anstellung“, fügt er hinzu.

„Wir stehen als Friseure hinter den Coronaschutzmaßnahmen: Wenn eine Gefahr da ist, dann sollen unsere Läden zu bleiben“, macht Roberto Paciello die Überzeugung seines Berufsstandes deutlich. Der stellvertretende Obermeister der Friseurinnung der Kreishandwerkerschaft Mettmann beklagt aber, dass man keine Möglichkeit hat, an das Überbrückungsgeld III zu kommen, weil die Betriebe erst im Dezember geschlossen wurden.

„Hinzu kommt viel zu viel Bürokratie, die Situation ist gruselig“, kritisiert Paciello. Im Gegensatz zum Handel sei die Alternative des Onlineverkaufs bei Friseuren nicht gegebenen. „Von den Haarpflegemitteln und Shampoos, die übers Internet oder an der Ladentür verkauft werden, kann keiner leben.“

Gleichzeitig vermutet der Lehrlingswart der Innung, dass im Verborgenen viel Schwarzarbeit stattfindet. „Für alleinstehende Friseurinnen kann es schon knapp werden, wenn sie nur von 67 Prozent des Kurzarbeitergeldes leben müssen. Außerdem ist das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus groß, wenn drei bis vier Kunden am Tag bedient werden.“

Roberto Paciello verweist auf Umsetzung der Hygieneschutzmaßnahmen in seinem Gewerk: „Teilweise haben wir die Blaupausen für andere Branchen geliefert. Außerdem sollte jeder bedenken, der sagt: ,Kannst Du mir mal eben die Haare schneiden’, den Friseurgeschäften die Basis nimmt.“

Inzwischen wird die Situation bei vielen Friseuren haarig: „Die Lage spitzt sich zu. Viele Unternehmer wissen inzwischen nicht mehr, wie sie ihre privaten Rechnungen zahlen sollen“, so der Vize-Obermeister und schließt mit einem dringenden Appell in Richtung der Politik: „Wir brauchen sofort Hilfe – selbst schnell ist schon zu spät.“