Wülfrath : Trotz Corona: Junge Politiker motiviert

Die Pandemie legt Wirtschaft und gesellschaftliches Leben lahm, auch von der Lokalpolitik bekommt man wenig mit – dabei sind die Fraktionen aktiv.

. Die Wülfrather Lokalpolitik hat seit vergangenem September zahlreiche junge Politiker in ihren Reihen. Doch wie sieht der politische Alltag in Zeiten von Corona aus? Schmälert die Pandemie das Engagement?

Niels Sperling (21) sitzt seit der vergangenen Kommunalwahl für die SPD im Stadtrat, die letzte Ratssitzung fand allerdings schon nicht mehr statt. „Aktuell befasse ich mich mit dem Haushalt und halte diesbezüglich immer wieder telefonisch Rücksprache mit Genossinnen und Genossen.“ Das Telefon ist derzeit das wichtigste Kommunikationsgerät der SPD, der digitale Austausch künftig aber ebenso angedacht. „Noch haben wir keine Online-Fraktionssitzungen gemacht, das soll sich aber demnächst ändern. Dann wäre perspektivisch auch eine Mischung von Präsenz- und Distanztreffen sinnvoll. Am meisten freue ich mich aber darauf, wenn wir uns persönlich wieder zusammensetzen können“, so Niels Sperling, der dann auch mit seinen Begehungen in seinem Wahlkreis (Rohdenhaus) starten möchte. „Auch wenn ich diesen Wahlkreis nicht gewonnen habe, möchte ich mich trotzdem mit den Menschen vor Ort austauschen. Ebenso fallen derzeit unsere Informationsstände aus, die ich für sehr wichtig erachte.“ Für Anfragen und Anregungen ist die SPD und auch Niels Sperling allerdings jederzeit erreichbar. „Bei mir geht das ganz einfach über die Sozialen Medien, aber auch über die Kontaktdaten der SPD erreicht man mich gut. Auch wenn man uns aktuell nicht sieht, sind wir trotzdem für die Bürger da.“

Für Christoph Nasgowitz (28) von den Grünen steht das politische Leben auch in der Corona-Zeit nicht still. „Wir treffen uns jede Woche zu einer festen Zeit online“, gibt er wieder. Ein Vorteil der Online-Veranstaltungen: „Man kann auch mal überziehen, wir sind ja alle schon zuhause“, lacht der junge Politiker, der als sachkundiger Bürger im Schulausschuss sowie im Ausschuss für Wirtschaft- und Stadtentwicklung sitzt. Einen Wunsch richtet Nasgowitz an die NRW-Landesregierung, die eine digitale oder hybride Ratsarbeit ermöglichen soll. „Das schafft auch Transparenz bei den Bürgern, wenn diese Möglichkeit der Live-Übertragung bestehen würde. Andere Bundesländer schaffen es bereits.“

Auch die Grünen befassen sich derzeit sehr intensiv mit dem Haushaltsplanentwurf. „Ein persönliches Treffen, bei dem man sich auch mal mit einzelnen Personen unterhalten kann, wäre sicher hilfreich, ist aktuell aber nicht möglich“, gibt der junge Grünen-Politiker zu bedenken. „Rumnörgeln“, dass die anhaltende Pandemie den Direktkontakt zu der Bürgerschaft verhindert, will Christoph Nasgowitz aber nicht. „Die Pandemie betrifft sämtliche Bereiche, nicht nur die Politik. Und wir müssen da jetzt alle zusammen durch.“ Neben der Haushaltsberatung und der ohnehin vollen Agenda der Grünen sind es aber auch immer wieder die Tagesthemen, die in der Fraktion für politisches Engagement sorgen. „Zum Beispiel befassen wir uns gerade sehr intensiv mit dem Thema Haselnussweg und den Anliegen der Anwohner. Wir waren auch schon vor Ort, um uns die Situation anzugucken. Solche Themen bleiben auch in der Corona-Zeit nicht liegen“, versichert Christoph Nasgowitz.

Haushaltsplanberatungen gestalten sich schwierig

Isabel Effert (29) ist neues Ratsmitglied der CDU. Ausschussvorbesprechungen, aber auch Fraktionssitzungen finden bei den Christdemokraten ebenfalls online statt. „Nur ein Treffen zum Thema Digitalisierung hat in der kürzeren Vergangenheit persönlich stattgefunden. Da haben wir uns mit Bürgermeister Rainer Ritsche und Vertretern der Grünen mit fünf Personen im großen Ratssaal getroffen“, gibt Isabel Effert auf Nachfrage der WZ wieder. Dass die Fraktionssitzungen per Online-Meeting gut funktionieren, dessen ist sich die junge Politikerin sicher.

„Bei den Haushaltsplanberatungen stoßen wir vielleicht an Grenzen, weil wir tief in die Themen einsteigen müssen. Da wäre ein persönlicher Austausch schon hilfreicher“, schätzt die junge CDU-Politikerin. Der klassische Sitzungsweg mit den Vorberatungen durch die Ausschüsse fehlt derzeit. Dafür hat in der Vergangenheit der Hauptausschuss wichtige Entscheidungsaufgaben übernommen. „Es fehlt ein bisschen die persönliche Komponente“, so Isabel Effert, die aber auch durchaus Vorteile an der aktuellen Situation ausmacht. „Die Digitalisierung in der Kommunalpolitik kann eine Chance sein, auch zukünftig an Sitzungen teilzunehmen, wenn man mal beruflich nicht vor Ort ist. Dann wählt man sich einfach dazu. Auch für die Bürger wäre das ein guter Weg, künftig vielleicht an Ratssitzungen teilzunehmen und nur die Tagesordnungspunkte anzugucken, die sie wirklich interessieren. Dieser Weg kann Hemmschwellen abbauen.“

Ein ganz persönliches Herzensprojekt, das sich Isabel Effert für ihren Wahlkreis Schlupkothen vorgenommen hat, muss auf Grund der Pandemie aber in die Warteschleife gestellt werden. „In Schlupkothen sind viele Kleinstgewerbetreibende ansässig, die sich eine Art Künstlermarkt wünschen. Dieses Versprechen hätte ich gerne zeitnah umgesetzt, hoffe aber, dass ich in meinen fünf Jahren Amtszeit noch die Gelegenheit dazu bekomme.“