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Das Bürgerhaus Langenberg erzählt Geschichten

Velbert : Das Bürgerhaus erzählt Geschichten

Bei einem Rundgang um die Kulturstätte können jetzt an sechs Stationen digital Erinnerungen von Besuchern abgerufen werden.

Das Historische Bürgerhaus ist ein fasznierendes Gebäude. Errichtet nach den Plänen von Arno Eugen Fritsche an einem steil abfallenden Hang neben der Hauptstraße gleicht es mehr einer Burg als einer Stadthalle. Und dennoch ist es seit 1917 der Fest- und Versammlungsraum, die Kulturstätte Langenbergs, diente aber auch als Turnhalle und im Zweiten Weltkrieg zeitweilig als Lazarett. Jetzt ist der Identifikationspunkt um noch eine Attraktion reicher: Am Montag eröffnete Bürgermeister Dirk Lukrafka mit den Velberter Kulturloewen das digitale Projekt „Bürgerhausgeschichten“. Bei einem Spaziergang um das Haus können sich Besucher an sechs Stationen mit ihrem Smartphone und Kopfhörer auf Zeitreisen begeben und dabei sehr persönliche Erinnerungen von anderen Gästen an das Bürgerhaus kennenlernen.

„Das ist eine besondere Veranstaltung unter besonderen Umständen. Ich freue mich sehr, dass wir ein absolut Corona-taugliches Angebot vorstellen können in Zeiten, wo sonst wenig geht“, sagte Lukrafka. Das Bürgerhaus habe in mehr als 100 Jahren viel gesehen. „Fast jeder in Velbert verbindet etwas mit ihm. Ich persönlich zum Beispiel die glanzvolle Wiedereröffnung 2016, nachdem es seit 2004 eine Baustelle war“, so der Verwaltungschef.

Linda Frenzel, die Leiterin des Velberter Kulturbetriebs, berichtete, wer den Anstoß zum Projekt gegeben hat: „Unsere Besucher haben immer wieder geschwärmt: ,Oh, damals, das war schön’. Und wir haben uns gefragt, warum sehnen sich so viele nach dem Vergangenen und genießen nicht unbedingt die Gegenwart?“ Im September riefen die Kulturloewen dazu auf: „Erzählt uns eure Geschichten zum Bürgerhaus.“ Danach habe es gleich sehr viele Anrufe gegeben, auch von Menschen, die schon länger nicht mehr in Velbert leben, sagte Anja Franzel, die mit Tanja Meurers die Projektleitung bildet. Aus der Vielzahl der Anekdoten und aus dem reichhaltigen Foto-Fundus musste eine Auswahl getroffen werden. „Wir haben die Künstlerin Dorle Trachternach mit ins Boot geholt, die unterstützt vom Sounddesigner Christian Kreymberg mit ihren Audio-Aufnahmen und passenden Musik-Einspielungen ein künstlerisches Produkt komponiert hat“, so Linda Franzel.

Die Autorin und Dramaturgin Trachternach führte zwölf Interviews und verfasste dazu Texte. „Die hatten alle so viel Wärme und ein Herz“, zitierte Linda Franzel Dorle Trachternach, die ebenso wie die Erzähler mit Blick auf den Infektionsschutz der Eröffnung nicht beiwohnen konnten. Im zweiten Schritt wurde mit den Geschichtenerzählern professionell aufgezeichnet. So entstanden sechs Hörstationen, an denen es um den Vorplatz, kleinen Saal, großen Saal, das Lazarett und Kino und um die Turnhalle geht. Die Bürgerhausgeschichten sind jederzeit über QR-Codes abrufbar, die rot beleuchtet am Haus leicht zu finden sind.

So erzählt etwa der ehemalige CDU-Ratsherr Herrmann-Josef Schmitz, dass er Anfang der 1960er im kleinen Saal bei der Tanzschule Rosenkranz eher widerwillig das Tanzen gelernt hat und dabei auch noch auf die um ein Jahr ältere Schwester aufpassen sollte. Viel lieber sei er mit einem Freund durch das Bürgerhaus gestromert. „Und eines Tages haben kamen wir in einen Raum mit einem besonders großen Schalter. Den haben wir dann mal umgelegt und das Haus, das Kino und die Gastrnomie waren ohne Strom. Der Wirt hat aber nur meinen Kumpel erwischt. Ich bin im Dunkeln zurück in den kleinen Saal“, so Schmitz.

So setzte es für den Lausbubenstreich nur eine Ohrfeige vom Gastwirt. Und Hermann-Josef Schmitz tanzte „bis zum bitteren Ende“ mit, obwohl seine Partnerin Greta immer führen wollte.