Wülfrath : Verbale Attacken gehören zum Job

Der Kommunale Ordnungsdienst ist in Zeiten von Corona besonders gefordert – die WZ hat zwei Mitarbeiterinnen begleitet.

. Vier Grad, Wind, immer wieder Nieselregen. Es gibt angenehmere Jahreszeiten für die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), ihrem Beruf nachzugehen. An diesem Abend sind Bianca Goedki und Demet Mert im Spätdienst im Einsatz. Sie inspizieren die „Hotspots“ Innenstadt, Bushaltestellen Am Diek und an der Goethestraße, Stadtpark und vieles mehr. „An der Wasserwelt ist jetzt weniger los“, sagt Bianca Goedki. Es dauert keine Minute nach ihrer Ankunft in der Innenstadt, bis sie eingreifen müssen.

Der Aushilfsfahrer eines Imbisses parkt in der Fußgängerzone. Darauf angesprochen erklärt der Mann, Kollegen von Bianca Goedki und Demet Mert hätten ihm dies kürzlich erlaubt. Das Auto gehöre ihm nicht, Fahrzeugpapiere habe er nicht dabei und ausweisen könne er sich zunächst auch nicht. Die beiden KOD-Mitarbeiterinnen müssen schon darauf hinweisen, dass die Identität des Mannes auch von der Polizei festgestellt werden kann. Auf einmal holt er seinen Ausweis, akzeptiert die Strafe nach längerer Debatte. „Sie nehmen ihren Job zu ernst“, attestiert er den Frauen. „Wir können nicht immer ein Auge zudrücken“, sagt Demet Mert.

Das geht auch im zweiten Fall nicht. Ein jugendlicher Fahrradfahrer ist mit recht hohem Tempo in der Fußgängerzone unterwegs, eine Maske trägt er nicht. Demet Mert stellt sich in den Weg, der Fahrradfahrer muss scharf bremsen. „Wir haben sie gleich wegen zwei Ordnungswidrigkeiten gestoppt“, erklärt die KOD-Mitarbeiterin. Der Jugendliche sieht sein Fehlverhalten allerdings schnell ein und schiebt sein Rad.

In der Fußgängerzone tragen viele Menschen keine Maske. Auch in der Nähe eines Glühweinausschanks. Dort stehen gleich mehrere ältere Bürger zusammen und genießen ihr Getränk. „Die haben die Maskenpflicht irgendwie nicht mitbekommen“, meint Demet Mert. Sie weisen die Bürger darauf hin, belassen es aber bei der Ermahnung. Wer sofort eine Maske aufsetzt, bekommt keine Probleme. Wohl aber eine ältere Frau, die ohne Maske und mit nicht angeleintem Hund unterwegs ist. Sie diskutiert über die Größe ihres (kleinen) Hundes und gibt an, in Essen gewohnt zu haben, wo sie niemals Probleme dieser Art gehabt habe. Ein Mann, der ohne Maske vorbeikommt, wird gebeten diese aufzusetzen. Er weigert sich, und kündigt an, außen herum zu gehen. Nicht aber ohne zuvor darüber zu diskutieren, dass die Maskenpflicht für die Geschäftszeiten gelte. 18.30 Uhr ist zu diesem Zeitpunkt längst vorbei. „So kann man nicht leben, das ist zum Kotzen“, ruft er den beiden KOD-Mitarbeiterinnen nach. Die ältere Hundehalterin sagt, es sei „armselig, in einem solchen Fall kein Auge zuzudrücken“.

Dass die KOD-Mitarbeiterinnen nicht selten verbal angegangen werden, „ist nicht von der Jahreszeit abhängig“, wie Demet Mert mit einem Augenzwinkern erklärt. Diese Ruppigkeiten müssen die KOD-Mitarbeiter aushalten, sich aber nicht unbedingt gefallen lassen. Ab einem gewissen Punkt haben auch die verbalen Attacken Konsequenzen. Dennoch wünscht sie sich vor allem Respekt von den Bürgern bei der Ausübung ihres Berufes. Handgreiflichkeiten hat sie noch nicht erlebt, musste aber in der Vergangenheit immer wieder die Polizei zu Hilfe holen. Wer sich nicht ausweisen möchte, Anordnungen nicht umsetzt oder sich sonst unkooperativ zeigt, bekommt es mit der Polizei zu tun. Natürlich auch jene, die sich in der Öffentlichkeit prügeln. „Die Polizisten kommen aus Velbert, das kann dann schon mal zehn bis 15 Minuten dauern, bis sie hier sind“, sagt Demet Mert. Manchmal in den Abendstunden ist ihr schon mulmiger zumute, wenn sie es zum Beispiel mit betrunkenen Jugendlichen zu tun hat. „Da muss man schon aufpassen.“

Bianco Goedki hat andere Erfahrungen als ihre Kollegin gemacht. Sie ist erst in der vergangenen Woche von einem Betrunkenen in der Nähe des Kiosks Am Diek „geschubst“ worden. „Das war ein Fremder.“ Die Personen, die dort normalerweise als „Stammpublikum“ anzutreffen sind, seien nicht aggressiv. Im Falle des Übergriffs hat Bianca Goedki selbstverständlich die Polizei zu Hilfe gerufen. Wie das ausgegangen ist, weiß sie nicht.

„Der Job macht trotzdem Spaß, sonst wären wir ja nicht hier“, beschreibt Bianca Goedki ihre Motivation. Das liege auch am Team. „Wir verstehen uns sehr gut, jeder kann mit jedem zusammenarbeiten.“ Ordnungsamtsleiter Sebastian Schorn habe immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter. „Er ist verantwortlich, dass wir so ein starkes Team sind. Er stärkt uns den Rücken“, so ihr Lob an den Vorgesetzten.

Der Knall eines Böllers im Stadtpark ändert die Route

Auch in dieser Nacht müssen Bianca Goedki und Demet Mert dunkle Ecken kontrollieren. So zum Beispiel einen tiefgelegenen Eingang zum „WIR“-Gebäude, in dem sich vergangene Woche Jugendliche aufgehalten hatten. Die Tür sei damals nicht verschlossen gewesen, diesmal aber schon, so Demet Mert. Man könne durch diese Tür aber nur in den Keller gelangen. Auch im Generationenpark ist es recht düster, aber diesmal menschenleer.

Der Knall eines Böllers, der wohl im Stadtpark gezündet wurde, ändert die Route der beiden KOD-Mitarbeiterinnen. „Obwohl der Verkauf momentan verboten ist, kommen immer wieder Menschen an Böller“, weiß Demet Mert. Im Stadtpark angelangt, ist nicht mehr festzustellen, wer für den Krach gesorgt hat. Auch dort ist es menschenleer.

„Es gibt schon auch lustige Geschichten“, sagt Demet Mert. So gibt es einen Rentner, der immer zur selben Zeit einkaufen geht. Wenn er die KOD-Mitarbeiterinnen sieht, fordert er sie immer auf, anzuhalten, um den Witz des Tages zu hören. Das machen die beiden gerne mit, „weil der Mann so freundlich ist“. Die beiden KOD-Mitarbeiterinnen freuen sich auch über den guten Kontakt zu den Einzelhändlern, die „sehr nett zu ihnen sind“.