Neviges : Die kleine Flamme der Hoffnung

Das Friedenslicht aus Bethlehem kam in diesem Jahr mit einer Woche Verspätung nach Neviges.

Traditionell versammeln sich am dritten Advent einige tausend Pfadfinder aus dem gesamten Erzbistum zur Aussendungsfeier in Köln, um das im Heiligen Land entzündete Friedenslicht in ihre Heimatstädte zu tragen: „Dann ist der Dom brechend voll“, berichtet Alexander Schad, „ein Höhepunkt im Pfadfinderjahr.“ Auch die Nevigeser Pfarrkirche war immer bis auf den letzten Platz besetzt, wenn die Pfadfinder das Licht anschließend im Rahmen einer Andacht an ihre Gemeinde weitergaben.

Dieses Jahr hat Corona jedoch einen anderen Ablauf diktiert: „Die Bezirksvorstände erhielten feste Termine, zu dem das Licht in Köln abzuholen war“, berichtet Schad, dem Bezirksobere die Flamme aus Bethlehem vor einigen Tagen nach Hause brachten.

Die Übergabe fand daher am vierten Adventssonntag und in der Wallfahrtskirche statt, um unter Corona-Bedingungen wie bei Gottesdiensten möglichst vielen Gläubigen den Besuch zu ermöglichen. Entsprechend hatten die Pfadfinder den Mariendom mit farbigen Strahlern und Dutzenden von Kerzen auf Balustraden, Mauervorsprüngen und Emporen geschmückt, eine Lichterspur führte vom Eingang zum Altar, wo das Licht in einer Laterne auf den Stufen stand. Dabei freuten sich die Pfadfinder über die Unterstützung des neuen Pfarrers: „Abbé Thomas ist selber Pfadfinder, ihm ist diese Aktion eine Herzensangelegenheit“, sagt Schad.

Die Friedenslichtandacht zu gestalten ist auf Aufgabe des Kuraten, in diesem Jahr Kuratin Ann-Christin Daldrup. Sie greift das diesjährige Motto „Frieden überwindet Grenzen“ auf: „Gerade in diesem Jahr spüren wir, wie es ist, wenn sich Grenzen bilden, wenn Grenzen sogar geschlossen und wir in unserer Freiheit eingegrenzt werden.“ Singen darf die Gemeinde natürlich nicht, aber Elisabeth Tilling sorgt mit einer kleinen Instrumentalgruppe, die Corona-konform über die gesamte ehemalige Orgelempore verteilt ist, für die musikalische Begleitung.

Zu den Klängen von „Im Advent“ wird die Flamme von den Pfadfindern an die Besucher weitergegeben. Die haben Kerzen mitgebracht, Teelichter, Lampions und Laternen, um das Licht aus Jesu Geburtsort heim zu tragen.

„Dieses Licht führt
Menschen zusammen“

Mit dem Schlusssegen verbindet Pfarrer Abbé Thomas einen herzlichen Dank an die Pfadfinder, die in schwieriger Zeit mit Mut, Fleiß und Freude den wunderschönen Abend vorbereitet hatten. Anschließend kommen noch einige Gläubige zur Krippe und entzünden am nun dort postierten Friedenslicht eine Kerze zum Mitnehmen. „Das Licht ist das größte Friedenszeichen, das es gibt“, sagt Elisabeth Tilling. Sie trägt die Flamme auch als Zeichen der Hoffnung in einer kunstvollen kleinen Metall-Laterne zu Mutter und Schwägerin, die nicht an der Zeremonie teilnehmen konnten. „Dieses Licht führt Menschen zusammen“, findet Benjamin Johann. Der ehemalige Pfadfinder wohnt schon lange nicht mehr in Neviges, kehrt aber immer wieder gern zum Empfang des Friedenslichtes zurück. „Wenn das Licht in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet und in der ganzen Welt verteilt wird, erzeugt es ein ganz besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit“, ergänzt Andreas Daldrup.

Eine Laterne mit dem Friedenslicht steht nun sowohl im Mariendom wie auch in der Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis jeweils an der Krippe. Wer eine Kerze daran entzünden möchte, um das Friedenslicht nach Hause zu tragen, kann dies während der Öffnungszeiten der Kirchen tun. Für den Fall, dass die Flamme Zugluft abbekommt und verlischt, hat Alexander Schad Vorsorge getroffen: „Ich habe das Licht auf fünf Laternen an verschiedenen Orten verteilt, so dass wir es ohne Unterbrechung wiederherstellen können.“