Angehörige gedenken Absturzopfern

15 Briten und Australier kamen nach Neviges, um der Besatzung eines abgeschossenen Halifx-Bombers zu erinnern.

Neviges. Es waren emotionale Momente: Angehörige der Besatzung des britisch-australischen Halifax-Bombers LV-936, der am 4. November 1944 nach Flakbeschuss über dem Windrather Tal explodiert war, gedachten am Samstag am Ort des Absturzes und in einem zweisprachigen Gottesdienst in der Stadtkirche der getöteten Flieger wie auch der 1700 Opfer, die bei dem vorangegangenen Bombenangriff auf Bochum ihr Leben ließen.

Der Brite Paul Knott, Großneffe von Bord-Ingenieurs Harry Knott, und vier ehrenamtliche Angehörige der Denkmalbehörde hatten die Geschichte von Flugzeug und Crew recherchiert. Glück hatte Pilot Joe Herman, der ohne Fallschirm aus der Maschine geschleudert wird und auf dem Sturz in die Tiefe mit Bordschütze John Vivash kollidiert. Sie landen mit dessen Fallschirm, können trotz Verletzungen fliehen und überleben den Krieg als Gefangene.

Auch Knott, einziger Brite unter den Australiern, überlebt, wird aber gefangen. Einen vierten Überlebenden findet Siegfried Kuhlendahl, der als 15-Jähriger den Absturz beobachtete: „Der Mann bat um Wasser“, berichtet er von jener Nacht. Der Verletzte wird zum Krankenhaus gebracht, das er nicht lebend erreicht — erschossen, sehr wahrscheinlich von einem NS-Funktionär, sagt Hobbyarchäologe Helmut Grau. Auch die übrigen drei Australier überleben den Absprung nicht.

Siebzig Jahre später haben sich 15 Angehörige an der Absturzstelle versammelt. Sie installieren eine Gedenktafel; Daryl Martin, Neffe von Heckschütze Michael Wilson, Bill Nicholson, Neffe des Navigators William Nicholson, und Paul Knott sprechen einige Worte der Erinnerung und des Gedenkens. „Meine Mutter hat sich immer gefragt, was mit ihrem Bruder passiert ist“, sagt Martin später. Im Einsatz getötet, begraben auf einem britischen Soldatenfriedhof, das war bisher die einzige Information. „Es ist schrecklich, sich vorzustellen, wie Michael hier zu Tode gestürzt ist. Er war doch nur 20 Jahre alt“, sagt Martins Ehefrau Denise, die das Logbuch Wilsons in den Händen hält. Das Paar ist froh, den Weg nach Neviges gemacht zu haben: „Es ist ein Abschluss“, sagt Denise Martin.