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Hildener Torwart lernt beim FC Bayern

Fußball : Torhüter macht Praktikum beim FC Bayern

Bastian Sube, Schlussmann des VfB Hilden, erhielt in München die Gelegenheit, in die Abteilung Sponsoren-Akquise und Marketing hineinzuschnuppern. Für ihn war es eine Erfahrung fürs Leben.

Das Oberliga-Derby zwischen dem VfB Hilden und den Sportfreunden Baumberg war trotz frostiger Temperaturen eine sehenswerte Angelegenheit. Die Hildener hatten letztlich das bessere Ende für sich. Nach dem 5:1-Sieg im Hinspiel gewannen sie jetzt das Rückrunden-Duell mit 3:1 – ein Erfolgserlebnis, das gut fürs Selbstbewusstsein ist. Die Freude bekam allerdings einen Dämpfer durch die Verletzung von Bastian Sube. Gut 20 Minuten vor dem regulären Ende der Begegnung kam der Torhüter im Luftkampf vor dem eigenen Gehäuse aus dem Gleichgewicht und kam falsch auf dem Boden auf. Mehrfach wälzte sich der 28-Jährige auf dem Kunstrasen hin und her – zu groß waren offenbar die Schmerzen und der damit einhergehende Schreck. Gestützt von Mitspielern humpelte der 1,87-Meter-Mann vom Feld und machte Platz für Nick Perkuhn, den dritten Schlussmann im Hildener Oberliga-Kader. Marvin Oberhoff musste im Nachholspiel wegen einer Mandelentzündung passen.

Einen Tag und einen Arztbesuch später hatte sich der erste Schreck gelegt. „Ich hatte noch nie etwas am Knie und hoffe, dass es nicht ganz so schlimm ist, da ich schon wieder humpeln kann“, berichtet Sube am Donnerstag. Gewissheit sollte eine MRT-Untersuchung am Freitag bringen. „Vielleicht ist es nur eine Stauchung oder Überdehnung“, hofft der Keeper, der erstmals seit dem 27. September wieder zwischen den Pfosten des VfB stand – es war erst sein dritter Einsatz in der laufenden Meisterschaftsrunde. Wie sehr ärgert ihn das abrupte Ende? „Das kann man nicht beeinflussen. Es war ja schon unvorhergesehen, dass ich wieder spiele, und dann verletze ich mich auch noch“, stellt er fest.

Obgleich in Hilden geboren und aufgewachsen, fand Bastian Sube erst 2015 den Weg zum VfB. Seine fußballerischen Anfänge erlebte er auf der Anlage am Weidenweg bei der SpVg. Hilden 05/06. In den E-Junioren hütete er erstmals das Süder Gehäuse. „Unser Torwart hatte keine Lust, da bin ich mal reingegangen“, erzählt er. Als C-Jugendlicher wechselte er mit der kompletten 05/06-Mannschaft zum Ortsrivalen SV Hilden-Nord. Später spielte er in Jugendteams von Fortuna Düsseldorfer und Wuppertaler SV. Mit der U 17 und U 19 des WSV schaffte er den Sprung in die Jugend-Bundesliga. Acht Jahre lief Sube für die Zoostädter auf, absolvierte unter anderem etliche Partien im Regionalliga-Team. Seine intensivsten Jahre im Seniorenbereich des WSV erlebte er von 2012 bis 2015 in der Oberliga.

Seinerzeit studierte Bastian Sube in Köln Sportmanagement und Kommunikation. Einer seiner Kommilitonen war Dennis Lichtenwimmer, der ihm einen Wechsel zum VfB schmackhaft machte. „Damals habe ich ein Praktikum bei Adidas gemacht, wollte deshalb im Fußball kürzer treten und nicht mehr so viel pendeln“, erzählt Sube. In seiner ersten Saison beim VfB machte er für den Sportbekleidungshersteller aus Herzogenaurach ein halbjähriges Praktikum in Nürnberg, hielt sich unter der Woche bei einem dort ansässigen Oberligisten fit und kam nur an den Wochenenden nach Hilden. Auch in 2018 musste er fußballerisch kürzer treten, denn der Torhüter ergatterte ein viermonatiges Praktikum beim Bundesliga-Primus FC Bayern München im Bereich Sponsoren-Akquise und Marketing. „Wenn man so eine Chance bekommt, muss man sie nutzen.“ Derweil verpflichtete der VfB Marvin Oberhoff als Schlussmann. Sube hatte Verständnis: „Der Verein musste sich auch umorientieren. Irgendwie muss man sich da arrangieren.“ Für Sube lohnte sich der Ausflug nach Bayern. „Das war eine sehr gute und lehrreiche Erfahrung, Abläufe und Dimensionen bei einem so großen Verein kennenzulernen. Der FC Bayern hat natürlich ganz andere Sponsoren als der VfB, man kann sich aber Konzepte abschauen.“

Wovon mancher nur träumt: Bastian Sube hatte auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße ein Büro mit direktem Blick auf den Hauptplatz und das Training der Profis. „Ich konnte live beobachten, wie Toni Tapalovic mit Manuel Neuer trainiert hat“, plaudert der Hildener aus dem Nähkästchen und gesteht: „Die eine oder andere Übung habe ich mir abgeschaut und nutze sie auch für unsere B-Jugend, dort bin ich ja jetzt Torwart-Trainer.“ Ein Büro weiter hatte Hansi Pflügler, Weltmeister von 1990, sein Reich. „Er hat mich herumgeführt, unter anderem gezeigt, wo Jupp Heynckes seinen Platz hatte oder wo die Spieler in der Kabine saßen. Das ist schon etwas anderes, wenn man hinter die Kulissen blicken darf.“

Was macht das Torhüter-Dasein aus? Subes Antwort kommt prompt: „Man muss Leidenschaft mitbringen und wissen, dass man oftmals der Held sein kann, dass man aber mit einer kleinen Unachtsamkeit die Mannschaft enttäuscht und in der Öffentlichkeit der Depp ist. Man muss dafür geboren und etwas eigen sein, ein dickes Fell mitbringen.“ Und auch Verletzungen wegstecken, denn am Sonntag kann Sube dadurch wieder nur zuschauen. „Leide klappt das nicht, denn es wäre schön gewesen. Wenn wir gegen Nettetal einen Sieg holen, dann haben wir schon 33 Punkte und einen noch größeren Abstand auf den SC Velbert. Nach unten wäre die Saison so gut wie entschieden.“ (Das Ergebnis der Partie zwischen Hilden und Nettetal stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.)

Der Vertrag des Torhüters läuft im kommenden Sommer aus. „Im Frühjahr setzen wir uns zusammen“, ist der 28-Jährige aber einer Verlängerung nicht abgeneigt. Und für diese Saison hat Sube, der seit kurzem einen Vollzeit-Job im Puma-Marketing hat, auch noch einen Wunsch: „Es wäre schon schön, wenn ich noch ein paar Spiele machen könnte.“