Haan: „Schüler wollen coole Jobs“

Haan: „Schüler wollen coole Jobs“

Jugendliche informieren sich über Berufe – und schrauben hohe Erwartungen zurück.

Haan. Bäcker, Industriekaufmann oder Fachverkäuferin? Wie soll es nach der Schule weitergehen? Das waren gestern beim Berufsparcours im Schulzentrum Walder Straße die entscheidenden Fragen. Schließlich legt man sich mit der Berufswahl so ziemlich fest.

"Das muss dann schon passen. Ich finde es auf jeden Fall wichtig, sich viel anzuschauen", sagt Lara (16). Die Schülerin der Emil-Barth-Realschule fragte sehr genau nach, was sie als Floristin tun muss. Dass im Blumenladen nicht einfach nur Blumensträuße verkauft werden, sondern harte Arbeit auf sie wartet, stört die Neuntklässlerin nicht: "Wenn man Spaß daran hat, nimmt man das in Kauf", glaubt sie.

Dass Lara wirklich Interesse an dem Beruf hat, ist auch Floristin Nadine Kleier aufgefallen. "Wenn man so interessiert nachfragt, ist das schon ein gutes Zeichen", sagt die Mitarbeiterin im Haaner Blumengeschäft Petit Fleur. "Künstliche Fingernägel kann man allerdings vergessen. Der Job ist sehr kreativ, aber so wie gestern zum Totensonntag stehen wir eben auch schon mal Tag und Nacht im Laden."

Dass viele Schüler keine oder falsche Vorstellungen vom Berufsleben haben, glaubt auch Frank Rüttweger. Der Inhaber der Firma Rüttweger Haustechnik hat sich vor vier Jahren selbständig gemacht. Zwei Auszubildende hat er seither eingestellt, beide musste er in der Probezeit entlassen. "Die meisten wollen einen coolen Job und schon in der Lehre 1000 Euro verdienen."

Bei dem Hauptschüler, der im kommenden Sommer bei ihm seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Klima und Heizungstechnik beginnen wird, hat er es anders gemacht. "Wir hatten hier beim Berufsparcours im letzten Jahr ein gutes Gespräch. Man hat direkt gemerkt, dass der Schüler großes Interesse hat. Dann tritt für mich der Schulabschluss in den Hintergrund", sagt Frank Rüttweger.

Das sieht Schnicks-Ausbildungsleiter David Martena ähnlich. Im vergangenen Jahr hat er einen Einstellungstest eingeführt, um das Allgemeinwissen der zukünftigen Auszubildenden abzufragen. "Daran hapert es bei den meisten", sagt er. Etwa 30 Bewerbungen kommen jährlich auf jeden der 25 Ausbildungsplätze bei Schnicks. Entscheidend sei letztlich der persönliche Eindruck beim Bewerbungsgespräch.

Dabei konnte Patrick Hirt vor zwei Jahren punkten. Der ehemalige Hauptschüler lässt sich bei Schnicks zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ausbilden. Gestern saß er mit seinem Ausbildungsleiter gemeinsam am Infostand des Unternehmens. "Ich habe mich damals vom Heizungsinstallateur bis zum Schreiner überall in Haan beworben und nur Absagen bekommen. Bei Schnicks hat es dann endlich geklappt", erinnert er sich an den schwierigen Start ins Berufsleben.

Dass ein Praktikum sinnvoll ist, bekamen die Jugendlichen an den meisten Ständen zu hören. Jonas und Simon (beide 16) haben damit jedenfalls schon gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Jonas wollte als Rennradfahrer sein Hobby zum Beruf machen und hat im Fahrradladen gearbeitet.

"Das war aber nichts für mich. Technischer Zeichner ist auch ein guter Beruf, ich will da gleich mal nachfragen", hatte der Waldorfschüler ziemlich konkrete Pläne. Klassenkamerad Simon hat sein Praktikum im Restaurant gemacht. "Ich koche gern. Und das könnte ich mir auch als Beruf gut vorstellen."

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