Mettmann: Georg Fischer will expandieren und braucht dafür Reserveflächen

Mettmann: Georg Fischer will expandieren und braucht dafür Reserveflächen

Deshalb verkauft GF sein Grundstück an der Flurstraße nicht an den Bauverein, der dort ein Studentenwohnheim bauen wollte.

Mettmann. Bei Mettmanns größtem Automobilhersteller Georg Fischer (GF) automotive wird seit Mittwoch vergangener Woche Kurzarbeit gefahren. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Autobauer und Zulieferer hatte sich schon vor Wochen angekündigt, die Auftragslage ist weiter rückläufig.

Doch trotz der angespannten Situation will GF in die Ausweitung des Produktionsstandorts Mettmann investieren. Dafür braucht das Unternehmen aber Platz. Deshalb wird GF anders als geplant nicht seine gesamte Freifläche (11700 Quadratmeter) an der Flurstraße gegenüber des Werks verkaufen.

Zwar kann der Kreis Mettmann wie geplant eine neue Sporthalle für das Berufskolleg Neandertal auf einer Fläche von rund 6000 Quadratmeter bauen. Aber der Mettmanner Bauverein (MBV) muss nach Alternativen suchen. Die Genossenschaft wollte dort ein Wohnheim mit Platz für 100 Studenten der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) errichten, die in Mettmann zum Wintersemester 2009 im Innovationspark Mettmann-West eine Dependance für künftig 600 Studenten schaffen will.

Die diese Flächen braucht GF als Reserveflächen. "Ob dort gebaut wird oder ein Parkplatz entsteht, weil wir auf dem vorhandenen Parkplatz neben dem Werk bauen, steht noch nicht fest", sagte gestern Geschäftsführer Andreas Güll.

Der neue Kopf von GF will künftig mehr Produkte montagefertig ausliefern. "Zurzeit sind bei uns etwa zehn Prozent aller produzierten Teile fertig oder vorgefertigt. Wir möchten die Zahl künftig verdoppeln." 90Prozent aller GF-Teile werden für die Endmontage (Korrosionsschutz, Gewinde einbringen, Flächen fräsen) von anderen Unternehmen noch bearbeitet.

Die strategische Neuausrichtung wurde getroffen, weil GF zwei Anfragen bekommen hat, Achsteile für einen asiatischen Automobil- und einem schwedischen Lkw-Hersteller zu bauen. Zwar werden sich die Verhandlungen noch Monate hinzuziehen, doch sollte GF den Zuschlag bekommen, muss investiert werden, "in einem zweistelligen Millionenbetrag". Deshalb müsse die Reservierungsvereinbarung mit dem Bauverein aufgehoben werden.

Für Volker Bauer, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins, ist das ärgerlich. "Wir nehmen das bedauernd zur Kenntnis. Wir haben alle Planungen mit dem Kreis, der dort die neue Sporthalle baut, abgestimmt, zusammen Bauanträge gestellt." Auf die Aussagen von GF habe sich die Führung der Genossenschaft verlassen. "Aber es hat sich gezeigt, dass wir mit einem nicht verlässlichen Partner verhandelt haben," sagt Bauer über seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Gleichwohl ist beim MBV von Katerstimmung nichts zu spüren. Bauer: "Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen und 100Studentenwohnplätze bis zum Beginn des Semesters im Herbst nächsten Jahres schaffen." Dafür werde der Bauverein in der Innenstadt in vorhandenen Bestand gehen und neu bauen.

Bürgermeister Bodo Nowodworski gab sich nach der GF-Nachricht gefasst: " Natürlich besteht jetzt Handlungsbedarf. Wie auch immer, es wird eine Lösung geben." Dass ein Studentenwohnheim neben der Fachhochschule entstehen könnte, glaubt der Bürgermeister nicht, da es sich beim Innovationspark- Mettmann-West an der der Südumgehung um ein Gewerbegebiet handelt.

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