Langenfeld : Kassenautomat mit „Polenböller“ gesprengt

Ein Kassenautomat am Parkhaus Turnerstraße in Langenfeld ist in der Nacht zu Montag von vier bislang unbekannten Tätern aufgesprengt worden. Der Schaden beläuft sich auf insgesamt 10 000 Euro.

In der Nacht zu Montag haben unbekannte Täter einen Kassenautomaten eines Parkhauses an der Turnerstraße in der Langenfelder Innenstadt aufgesprengt. Gegen 2.55 Uhr riss ein lauter Knall einen Anwohner der Turnerstraße aus dem Schlaf. Als der Mann aus seinem Fenster blickte, konnte er vier dunkel ge-
kleidete Personen erkennen, die von dem zerstörten Kassenenautomaten davonrannten. Das Quartett sei über eine angrenzende Baustelle in Richtung „Auf dem Sändchen“ geflüchtet. Der Zeuge reagierte vorbildlich und alarmierte sofort die Polizei. Dennoch konnten die Täter bei der sofort eingeleiteten Fahndung nicht dingfest gemacht werden.

Am Vormittag ruft das Bild, das der zerstörte Kassenautomat bietet, bei Passanten Empörung und Entsetzen hervor. „Mein Gott, das kann nur mutwillig geschehen sein“, urteilt eine Frau. „Man glaubt es manchmal nicht, was hier so passiert“, sagt sie hilflos. Viele der Autofahrer wundern sich zunächst, dass sie bei geöffneten Schranken in das Parkhaus einfahren können. Erst beim Verlassen des Gebäudes werden sie mit der Ursache konfrontiert. Sowohl der Dachdeckel als auch die Bedienfront des Kassenautomaten sind völlig verbogen, zum Teil abgerissen und geben den Blick ins Innere frei, wo keines der Einbauelemente mehr an seinem Ort zu sein scheint. Lose Kabel und leere Quittungskarten hängen heraus.

Durch die Wucht der Detonation wurde eine Glasscheibe zerstört

Der ganze Apparat scheint nur durch das eng umwickelte Band mit dem Aufdruck „Polizeiabsperrung“ zusammengehalten zu werden. Auch die dahinter liegende Glasscheibe des Parkhauses wurde durch die Detonation zerstört. Nach ersten polizeilichen Erkenntnissen nutzte das Quartett zur Sprengung augenscheinlich einen in Deutschland nicht zugelassenen „Polenböller“, den man nur auf dem Schwarzmarkt oder im Ausland erwerben kann.

Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf 10 000 Euro. Trotz der massiven Zerstörung ist es den Tätern aber nicht gelungen, Beute zu machen. Wegen weiterer Türsicherungen an der Bedienfront kamen sie nicht an das Münzfach des Automaten. Die Polizei vermutet, dass die Automatenknacker daher von der weiteren Ausführung der Tat Abstand nahmen. Gestern Morgen bargen Mitarbeiter der Betreibergesellschaft die Geldkassetten. Zu den vier Tätern liegen der Polizei keine weiteren Beschreibungen vor, außer dass diese dunkel gekleidet waren und Wollmützen auf hatten. Eine Videoüberwachung gibt es an dieser Stelle nicht.

Ab dem heutigen Dienstag werden sich die Bürger aber wohl wieder auf Parkgebühren einstellen müssen. „Wir sind in Kontakt mit dem Hersteller, ob wir kurzfristig einen gebrauchten Ersatzautomaten bekommen können, denn die Schäden dürften nicht reparabel sein“, berichtet Ulrich Beul, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft, der das Parkhaus Turnerstraße gehört. Ein neuer Automat, der mit etwa 15 000 Euro zu Buche schlage, hätte zu lange Lieferzeiten.

Kunden können ihre Tickets an anderen Automaten bezahlen

Sobald der Versicherungsschaden aufgenommen sei, werde die Betreibergesellschaft wieder zur Bewirtschaftung des Parkhauses übergehen. Übergangsweise müssten die Kunden dann ihre an der Einfahrt gezogenen Tickets an den Parkautomaten der anderen Parkhäuser, im Marktkarree, in der Stadtgalerie oder auf dem Rathaus-Parkplatz zahlen, so Beul. „Die liegen beim Stadtbummel ja auf dem Weg.“

Nicht das erste Mal sei die Stadtentwicklungsgesellschaft als Betreiberin des Langenfelder Parkraumbewirtschaftungskonzeptes Opfer von Automatenknackern. In den Jahren 2017/18 waren die Parkautomaten in der Tiefgarage Stadtgalerie mehrfach aufgebrochen worden. Daraufhin wurde einer der beiden Automaten in der Einkaufspassage aufgestellt, wo auch die soziale Kontrolle größer ist.

Rückblick: Zum Jahreswechsel 2017/18 ereignete sich in Langenfeld eine kleine Reihe von Sprengungen, Ziel waren dabei immer Zigarettenautomaten. Im Januar 2018 beispielsweise sprengten vier junge Männer einen Zigarettenautomaten an der Langforter Straße in Langenfeld. Auch sie trugen Mützen beziehungsweise Sturmhauben bei der Tat, um nicht erkannt zu werden.

Im Juli 2018 setzten ebenfalls unbekannte Täter auf Sprengkraft, um auf dem Rewe-Parkplatz einen Geldautomaten zu knacken. Der inwendige Tresor wurde durch die Tat nur leicht beschädigt. Die Täter flüchteten auch in diesem Fall ohne Beute.

(elm)