Wie eine Krefelderin für mehr Gleichberechtigung kämpft

Karriere : Krefelderin kämpft für mehr Gleichberechtigung

Bettina Pöhler setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen ein. Dafür hat sie sich selbstständig gemacht.

Eine Bilderbuchkarriere — Bettina Pöhler hat sie geschafft: Die ehemalige Gymnasiallehrerin und WZ-Volontärin  war Pressesprecherin bei Yello Strom, bevor sie 2011 in gleicher Funktion zu Currenta kam und dort zunächst für den Chemiepark in Uerdingen zuständig war. Dann wechselte sie im Stab Energiepolitik in die politische Kommunikation des Unternehmens, um vor drei Jahren Leiterin der externen Kommunikation des Konzerns mit Sitz in Leverkusen zu werden. „Den Job wollte ich immer haben“, blickt die 37-Jährige heute zurück – kurz bevor sie den besagten Job freiwillig an den Nagel hängt.

„Ich bin noch bis Ende September bei Currenta, habe meine Funktion zum 1. Juli aber schon abgegeben“, berichtet die Krefelderin, die mit Mann und Tochter (3) in Verberg lebt. Die Geburt ihrer Tochter und die anschließende Elternzeit waren es wohl auch, die bei ihr erstmals die Frage aufkommen ließ: Möchtest Du diesen Beruf auf Dauer weiter machen? Denn trotz ihres Erfolges, trotz eines guten Drahts zu den Kollegen fühlte sie sich oft wie ein Fremdkörper in dem großen Unternehmen mit seinen festgelegten Strukturen und langen Abstimmungsprozessen.

„Ich fliege gerne ein bisschen freier“, sagt Bettina Pöhler – und hebt deshalb ab in Richtung Selbstständigkeit. „Dabei kam das früher für mich nie infrage, ich habe immer gedacht, dass ich dafür nicht der Typ bin.“ Sicherheit habe stets an erster Stelle gestanden – heute geht sie nach eigenem Bekunden ohne jede Angst und ohne Zweifel den Weg, ihr eigenes Ding zu machen.

Als Coach will sie weitergeben, was sie gelernt hat

Erste Überlegungen dazu, was genau das sein könnte, stellte die Krefelderin schon vor rund einem Jahr an. „Ich begann, mir meinen Job zu malen“, sagt sie auf ihrer Homepage: wendig, mit immer neuen Impulsen, selbstbestimmt und mit vielen interessanten Menschen. Und vor allem mit  ihrem „Herzensthema“ Gleichberechtigung.

Damit kennt Bettina Pöhler sich auch persönlich sehr gut aus. Hat sie sich doch selbst in der männerdominierten Chemie-Branche ein bisschen wie ein Exot gefühlt. Jetzt würde sie gerne als Coach und Change Managerin an andere Frauen weitergeben, was sie dabei gelernt hat: „Frauen sollten sich auch groß trauen.“

Männer, so ihre Erfahrung, haben damit kein Problem. Sie bewerben sich ohne Selbstzweifel auf ein Jobangebot, dessen Anforderungen sie zu 70 Prozent erfüllen, behaupten aber, es seien 100 Prozent. „Frauen wollen 120 Prozent erfüllen, sagen dann aber, es seien nur 90“, hebt Pöhler den Denk-Unterschied hervor.

Die Wirtschaft könne es sich nicht länger erlauben, auf Frauen in Führungspositionen zu verzichten. Weibliche Fähigkeiten seien gerade in den Zeiten der Digitalisierung gefragt. Denn alte Hierarchien und Systeme, an denen sich Männer immer rational orientiert hätten, lösten sich derzeit auf. Das komme den Frauen entgegen, für die immer soziale Bindungen viel wichtiger gewesen seien als Rangordnungen.

„Wer die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Businesskontext geschickt zu ergänzen weiß, erspielt sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.“ Das ist die Überzeugung, mit der Bettina Pöhler antritt. Die Frauen will sie mit ihrem Coaching dabei unterstützen, Top-Ergebnisse zu erzielen, ohne sich dabei zu verbiegen. Männern will sie Angst vor Karrierefrauen nehmen. Unternehmenschefs dabei unterstützen, mehr Frauen in Führung zu bringen.

Wie soll das ganz praktisch funktionieren? Das individuelle Coaching läuft über Videokonferenzen, drei Monate lang, zweimal in der Woche. Außerdem bietet Bettina Pöhler ein Inhouse-Training für gemischte Teams in Firmen an. Nicht zuletzt hält sie Impuls-Vorträge – wobei das Coaching von Frauen der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist.

Die Krefelderin hat eine Vision. Dass nämlich ihre eigene Tochter im Erwachsenenalter ganz selbstverständlich gleichberechtigt in der Geschäftswelt ist. Dann wäre die Arbeit von Bettina Pöhler überflüssig. Womit sie aber kein Problem hätte: „Das ist sogar mein Ziel. Ich finde dann etwas Neues für mich. Ideen dazu habe ich schon.“

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