Made in KR: Ploenes - Die Krawatten sind hier Familiensache

Made in KR: Ploenes - Die Krawatten sind hier Familiensache

Ein eingespieltes Quartett kümmert sich um den Traditionsbetrieb. Klagen hilft nicht, ist die Devise – die Firma setzt auf Service.

Krefeld. Es ist weltweit nicht so bekannt wie Boss oder Joop, aber es hat in Branchen-Kreisen und bei vielen Käufern einen guten Klang: das Label "J. Ploenes - Made in Germany".

Wäre Krefeld eine international bekannte Großstadt, stände hier "Made in Krefeld", denn die unter dieser Marke vertriebenen Produkte werden ausschließlich in der Seidenstadt hergestellt. Seit zwei Jahren geschieht dies zwar nicht mehr in den Räumen des Unternehmens an der Robert-Wirich-Straße, aber im Lohnauftrag bei zwei Krefelder Nähereien.

Wer einen solchen Bereinigungsprozess in der Textilwirtschaft nicht mitgemacht hat, hat nicht überlebt. Vor 50 Jahren gab es in Krefeld noch mehr als 70 Krawattenfirmen. Von der einst stolzen Branche ist gerade einmal eine Hand voll übrig geblieben, darunter nur zwei Produzenten.

"Wir klagen nicht, sondern nutzen unsere Chance und entwickeln immer wieder bedarfsgerechte Dienstleistungen", sagt Hajo Ploenes, der den Familienbetrieb gemeinsam mit Tochter Claudia, Bruder Rainer und dessen Sohn Christoph leitet.

Ein eingespieltes Quartett, das in den Geschäftsräumen zwischen diversen Terminen hin und her eilt. Großkunden, Lieferanten und Versandexperten geben sich ständig die Tür in die Hand.

Rund 600000 Krawatten aus dem Hause Ploenes gehen im Jahr über die Ladentische des europäischen Handels. "Davon etwa 50 Prozent mit unserem Label", so Hajo Ploenes.

Der Rest wird von Billiganbietern aus China zugekauft, allerdings nach hier erstellten Entwürfen und Mustern. "Dagegen können wir uns nicht wehren", muss er sich dem Preisdiktat unterordnen.

Die asiatische Ware sei qualitativ durchaus in Ordnung, im Griff aber glatter und etwas seifig. "Für unsere eigenen Produkte nutzen wir unseren technischen Vorsprung in Form moderner Veredelungsverfahren und bieten eine sogenannte trockene Ware an", erläutert er den Unterschied.

Was an Produkten mit eigenem Label angesagt ist, findet sich im Präsentationsraum an den Wänden und auf einem Gabentisch wieder, der bereits die Weihnachtskollektion zeigt.

Hier gibt es außer Krawatten auch Schals, Tücher, Schleifen, andere Accessoires und vor allem passend zusammengestellte Kreationen aus Krawatte mit Einstecktuch, jugendlicher Slim-Krawatte mit modischem Armband, Schal mit Mütze und sogar Pyjama-Hose mit T-Shirt. Kommentar: "Junge Mode muss sexy sein, mit Opas Schlafanzug geht heute niemand mehr ins Bett."

Allerdings seien junge Leute gar nicht die Problemgruppe, sondern eher die 55- bis 65-jährigen Männer, die irrtümlich glaubten, ohne Krawatte jugendlich zu wirken. Entscheidend für den anhaltenden Erfolg sei vor allem der Service.

"Unsere Kunden kommen wieder, weil wir stets Top-Kollektionen zusammenstellen, und die Waren kurzfristig in den Verkaufsregalen auffüllen."

Die Kollektionen werden von allen vier Familienmitgliedern gemeinsam entwickelt - ein Vorteil, weil der Geschmack von zwei Generationen einfließt.

Um zeitgemäß zu bleiben und sich auch an neuen Märkten zu etablieren, kurbelt das Unternehmen jetzt den Online-Verkauf an. "Es ist immer eine Gratwanderung, weil wir so dem Einzelhandel Konkurrenz machen. Aber mittlerweile hat doch fast jedes Bekleidungslabel einen eigenen Online-Shop, was auch zur Stärkung der Marke beiträgt", stellt Christoph Ploenes die eigens dafür kreierte Homepage vor.

"Auch in zehn Jahren gibt es noch Spezialitäten aus unserem Haus", sind die Familienmitglieder einer Meinung.

Mehr von Westdeutsche Zeitung