Warum die VHS für Krefeld wichtig ist

100. Geburtstag : Warum die VHS für Krefeld wichtig ist

Oberbürgermeister Frank Meyer überreichte eine Tafel, auf der die Geschichte des Hauses nachzulesen ist. Dazu gab es beim Festakt viele gute Gedanken, warum die Einrichtung im 21. Jahrhundert wichtig bleibt.

Dr. Inge Röhnelt wählt ein schwieriges Wort, um zu beschreiben, wohin sich die Volkshochschule (VHS) entwickelt hat und was sie künftig relevant macht. Resilienz lautet dieses Lieblingswort der VHS-Direktorin. Es stammt aus der Psychologie und beschreibt die Fähigkeit, Krise zu meistern, indem man auf sein Wissen und seine Erfahrungen zurückgreift. In Zeiten der digitalen Revolution, des Populismus und des Klimawandels sei die Resilienz-Bildung die zentrale Aufgabe der VHS, sagte Röhnelt beim Festakt am Sonntag.

Während die Leiterin des Hauses nach vorne blickte, konzentrierte sich Oberbürgermeister Frank Meyer auf Geschichte und Gegenwart. Meyer überreichte Röhnelt eine Tafel, die an der Volkshochschule angebracht werden soll und auf der die Entwicklungen in den ersten 100 Jahren nachzulesen ist. Der Oberbürgermeister nannte in seiner Rede fünf Stärken, die den Erfolg der VHS ausmachen: Vielfalt im Angebot, die Vernetzung mit mehr als 30 Partnern in der Stadt, die Aktualität der Themen, die Hartnäckigkeit, mit der diese Themen verfolgt werden, und die Nähe zu den Menschen. So seien aus 20 Veranstaltungen, die es 1955 gab, rund 2000 pro Jahr geworden.

Meyer betonte zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, die zeigten, wie wichtig die VHS für die Stadtgesellschaft ist. Allein im vergangenen Jahr habe sie rund 17 500 Unterrichtsstunden in Deutsch- und Integrationskursen gegeben. Die VHS leiste einen wesentlichen Beitrag dazu, die zweite Herausforderung der Flüchtlingsbewegung von 2015 zu bewältigen: die Integration. Ähnliche Verdienste habe die Einrichtung, wenn es darum geht, Menschen wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen.

Der Oberbürgermeister hielt die Geburtstagsrede beim Festakt am Sonntagvormittag. Foto: Andreas Bischof

Mit dem Festakt hat die VHS auch eine Ausstellung über ihre 100 Jahre eröffnet. Sie zeigt, dass die Geschichte einen kurzen Anfang und eine lange Fortsetzung hat. In Uerdingen und Krefeld entstanden 1919 Volkshochschulen, um Bildung allen Schichten zugänglich zu machen. In Krefeld musste die VHS allerdings in der Hochphase der Inflation 1923 geschlossen werden, das gleiche Schicksal ereilte die Uerdinger Einrichtung in der Wirtschaftskrise 1931.

An die Anfänge knüpften Friedrich Schlüter und seine Mitstreiter 1946 im Erdgeschoss des Kaiser-Wilhelm-Museums an, als die „Volksbildung der Stadt Krefeld“ gegründet wurde. Name und Standort wechselten noch mehrfach: 1950 wurde aus der Volksbildung das Bildungswerk, 1975 daraus wieder die Volkshochschule. Vom Kaiser-Wilhelm-Museum ging es zum Theaterplatz und zum Ostwall. Seit 1988 ist die VHS in dem von Ludwig Thorissen entworfenen Gebäude am Von-der-Leyen-Platz beheimatet. Es steht für Offenheit und Transparenz, die auch das Programm kennzeichnen soll.

Heute sei die VHS „ein Ort der Bildung, Begegnung und der Reflektion“, sagte Direktorin Röhnelt. Deshalb liegt ein thematischer Schwerpunkt auf der Entwicklung Krefelds. Regelmäßig können die Bürger Vertreter aus dem Rathaus erleben, von ihnen zentrale Projekte erläutert bekommen und mit ihnen diskutieren. Und dass die VHS in den gesellschaftlichen Debatten der Stadt eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich auch darin, dass es zu Klimawandel und mit der Bewegung Fridays for future ein Angebot gibt. „Wir nehmen das Thema dauerhaft in unser Programm auf, das wird uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen“, sagte Röhnelt.

In der Volkshochschule am Von-der-Leyen-Platz ist nun eine Ausstellung über die vergangenen 100 Jahre zu sehen. Foto: Andreas Bischof

Zu den Schwerpunkten Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Pluralität in der Gesellschaft passt die Vision, die die VHS-Leiterin für das 2030 entwickelte. Sie stellt sich eine klimaneutrale VHS mit grünem Dach vor, die mit den Religionsgemeinschaften jedes Jahr einen Dialog der Kulturen organisiert, die aktuelle Roboter vorstellt und die Folgen für die Arbeitswelt diskutiert sowie eine erfolgreiche Kampagne für Frauen in der Wirtschaft gestaltet hat. „Und Schirmherrin ist die Oberbürgermeisterin“, sagte Röhnelt.

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