Nur 40 von 300 Fahrern im Einsatz : Der sechste Streiktag: Krefeld im Zeichen des Notfahrplans

Keine Bahnen, nur wenige Busse: Der Nahverkehr in Krefeld liegt lahm.

Langsam kippt die Stimmung. „Dienstag ist schon der 6. Streiktag. Unsere Kunden sind zunehmend genervt“, berichtet Guido Stilling im WZ-Gespräch. Er ist Chef von SWK Mobil, der Verkehrssparte im Krefelder Stadtwerke-Konzern. „Früher ließen die Fahrgäste ihrem Ärger vor allem am Telefon freien Lauf, heute werden wir in den sozialen Netzwerken beschimpft“, erzählt Stilling.

Dabei hat der Manager durchaus Verständnis für den Unmut. „Die Kunden haben über ihr Abo eine Leistung eingekauft, und wir können nicht liefern. Sie stehen an der Haltestelle, aber Bahn oder Bus kommen nicht oder verspätet. Das ist schon sehr ärgerlich.“

K-Bahn nach Düsseldorf fährt auch Dienstag nicht

Am Montag konnten die Stadtwerke die Auswirkungen des Warnstreiks noch in Grenzen halten. Von 300 Fahrern waren immerhin 60 im Einsatz. Zwar hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum Streik aufgerufen, aber die Nahverkehrsgewerkschaft nicht. Die vier Krefelder Straßenbahnlinien konnten durch Busse, die weitgehend im 15-Minuten-Takt unterwegs waren, ersetzt werden.

Das wird am Dienstag nicht gelingen. Beide Gewerkschaften haben zum Streik aufgerufen. Mehr als 40 Busfahrer stehen nicht zur Verfügung. SWK Mobil hofft, mit einem Notfahrplan einen Teil des Fahrbetriebs aufrecht zu erhalten.

Die vier Straßenbahnlinien werden komplett durch Busse ersetzt, die wie sonntags im 30-Minuten-Takt fahren sollen. Die Haltestellen Glindholzstraße, Buddestraße und Sandberg der Linie 044 können von den Ersatzbussen nicht angefahren werden. Erhebliche Behinderungen sind im gesamten Stadtgebiet zu erwarten.

Die Buslinien 046, 047, 051, 052, 054, 055, 056, 057, 058, 059, 060, 061, 068, 069, 839 und 927 entfallen komplett. Die Ringbuslinien 045 und 049 in Hüls können wie gewohnt fahren, ebenso die Linien in den Kreis Viersen hinein (062, 064, 065, 066 und 074). Bestreikt wird Dienstag erneut auch die Düsseldorfer Rheinbahn. Das heißt: Die K-Bahn zwischen Krefeld und Düsseldorf fährt wie schon am Montag nicht.

Unterdessen wird der Ton in der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst immer rauer. Die Arbeitgeber bieten für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten insgesamt 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in drei Jahresstufen an. „Das ist eine echte Provokation“, lautet die Antwort von Gabriele Schmidt, Bezirksleiterin von Verdi in NRW. „Man könnte glauben, es handele sich um ein Fake: Die sechs Nullmonate bis März 2021, die dann folgenden niedrigen prozentualen Steigerungen (...) sind für uns nicht verhandelbar“, so Schmidt. Insbesondere für die Pflegeberufe bleibe das Angebot der Arbeitgeber meilenweit hinter dem zurück, was Politik und Öffentlichkeit noch zu Beginn der Pandemie gefordert hätten.

„Wir haben bereits befürchtet, dass auf das Klatschen nichts folgen wird. Dieses Angebot hat das jetzt untermauert. So gewinnt man keine Fachkräfte für Krankenhäuser und Pflege“, sagt Schmidt.

Trotz Corona halten SWK am Ticketverkauf beim Fahrer fest

Die vielen Streiktage treffen die Stadtwerke in einem Jahr, das durch die Corona-Krise sowieso extrem verläuft. Guido Stilling vermutet, dass die Zahl der Fahrgäste um etwa 20 Prozent zurückgeht. Die Verluste bei den Einnahmen lägen in einem „mittleren siebenstelligen Bereich“. Auf diesem Defizit werden die Stadtwerke aber nicht sitzen bleiben. Der Bund und das Land NRW bieten den Nahverkehrsunternehmen wegen Corona Ausgleichszahlungen an. In NRW stehen laut Stilling 700 Millionen Euro zur Verfügung. „Das ist eine starke Botschaft. Die Politik meint es ernst mit der Mobilitätswende“, urteilt der Chef von SWK Mobil.

Trotz der Pandemie und Zuwächsen beim digitalen Ticketverkauf will Stilling am Fahrkartenverkauf beim Fahrer festhalten. Nahezu alle Fahrer in Bussen und Bahnen seien inzwischen durch Hygienescheiben geschützt. Wie wichtig der Ticketverkauf durch die Fahrer ist, dokumentieren die Zahlen: Sechs Millionen Euro Umsatz im Jahr werden damit erzielt. Der digitale Ticketverkauf schafft etwa zehn Prozent davon.

Alle Busse und Bahnen der Stadtwerke, zusammen rund 120 Fahrzeuge, sind bereits seit August mit Desinfektionsspendern ausgestattet. Hinzu kommen Hygiene-Teams, die während der Fahrt Griffe und Haltestangen desinfizieren – zusätzlich zur täglichen Reinigung der Fahrzeuge. In den Straßenbahnen kommen Hochleistungsklimaanlagen zum Einsatz. Das soll sicherer sein als im Flugzeug. Die Fahrgäste werden demnach ausschließlich mit Luft von Außen versorgt, also nicht durch Umluft. Stündlich findet nach SWK-Angaben in jeder Straßenbahn ein Luftdurchsatz von bis zu 2,2 Millionen Liter statt.