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Vereine nutzen das Stadtbad Krefeld nicht

Schwimmen : Vereine nutzen das Stadtbad nicht

Die Schwimmzeiten sind verkürzt, damit trainiert werden kann – es kommt aber keiner.

Das Stadtbad Uerdingen ist für viele Krefelder eine Oase der Ruhe. 1907 eröffnet, ist der denkmalgeschützte Bau aus der wilhelminischen Zeit nicht nur ein architektonisches Kleinod. Für viele Besucher, die dort entspannt ihre kurzen Bahnen ziehen, ist das nur 16,66 an 8,50 Meter große Bad eine Erholungsstätte mit intimer Atmosphäre. 1992 wurde die gesamte Bädertechnik erneuert, 2009 die Beckenumgänge. Doch die Stadt macht es ihren Badegästen mit immer kürzeren Öffnungszeiten schwer. Durch die Sanierung des Badezentrums Bockum hat sich die Situation verschärft.

Unter der Woche hat das Bad nur von 6 bis 7.30 Uhr geöffnet

Vereine und Schulen müssen auf alle städtischen Bäder – also das Bad am Stadtpark Fischeln, das Uerdinger Bad, das Lehrbad Danziger Platz und das Lehrbad Stettiner Straße – verteilt werden. In Uerdingen können Badefreunde unter der Woche nur noch frühmorgens von 6 bis 7.30 Uhr schwimmen, samstags nur noch von 6 bis 11 Uhr, vorher bis 13 Uhr. Für alle, die gehofft hatten, dass der samstägliche Warmbadebetrieb irgendwann auf den Samstagnachmittag oder sogar den Sonntag ausgedehnt würde, eine Enttäuschung. Gerade im Winter drängen sich an dem einzigen Warmbadetag in Krefeld Rheumatiker, Bahnenschwimmer und Familien mit planschenden Kindern auf engem Terrain. Nur: Wer samstags um 11 Uhr das Schwimmbad verlässt, wundert sich –  kein nachfolgender Verein nirgends. Das Wasser bleibt leer, die Pforten geschlossen.

„Jugendkraft und Jugendlust wird sich recht im Bad bewusst“, steht hinten auf dem Schild (1928) im Stadtbad Uerdingen. Foto: NEIN/NN

Die Badegäste sind verärgert: „Da habe ich mich heute Vormittag so beeilt, dabei steht das Bad ab 11 Uhr leer“, so eine Schwimmerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Eine andere nickt: „Es macht auch gar keinen Spaß, unter solchem Zeitdruck herzukommen und dann in dem Gedränge zu schwimmen.“ Einige Besucher orientieren sich bereits Richtung Meerbusch oder Neukirchen Vluyn.

Ist es das, was die Stadt insgeheim erreichen will? Pressesprecher Dirk Senger wehrt vehement ab: Das Gerücht, dass die Stadt das Bad schließen wolle, entbehre jeder Grundlage. Schon deshalb: „Das Stadtbad Uerdingen hatte in 2017 etwa 20 000 Schülerbesuche und etwa 15 000 Vereinssportler zu verzeichnen“, so Senger. Es sei zwar, wie alle anderen Bäder, ein Zuschussbetrieb. Die Einnahmen in dem Stadtteil seien aber aufgrund der konstanten Besucherzahlen auf gleichbleibendem Niveau. So zogen 2017 4391 Badegäste, also 400 Besucher pro Monat, in Uerdingen ihre Bahnen.

Die Stadt räumt ein, dass das Angebot an die Vereine nicht wie vorgesehen genutzt werde. Das Bad sei samstags derzeit nur bis 11 Uhr öffnet, weil der Belegungsplan Trainingszeiten für die von der Schließung des Badezentrums Bockum betroffenen Schwimmvereine vorsah – die aber nicht kämen. Deshalb zieht man jetzt im Rathaus schnell Konsequenzen. Senger: „Mit Beginn der Herbstferien wird die Samstagszeit den Badegästen wieder wie gewohnt zur Verfügung gestellt.“

Wie berichtet, wird der Fachbereich Zentrales Gebäudemanagement in den Herbstferien im Badezentrum Bockum Spezialgerüste aufstellen lassen, um die Standfestigkeit der Wände abzusichern. Die Gerüste ermöglichen gleichzeitig die nötigen Baumaßnahmen am Mauerwerk. Die Stadt hofft, den Badebetrieb in Bockum nach den Ferien wieder aufnehmen zu können – allerdings wohl noch in eingeschränktem Umfang.

In Uerdingen gibt es nach den Ferien deshalb wieder nur das reine Frühschwimmangebot. Allerdings, so Dirk Senger: „Es wird darüber nachgedacht, zumindest eine Mittagsschwimmzeit wieder anzubieten.“