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Die Sinfoniker spielten zum Tag der Deutschen Einheit

Klassische Musik : Mit Beethoven zur Demokratie

Zum Einheitstag spielten die Niederrheinischen Sinfoniker auch Musik aus Lettland.

Die Niederrheinischen Sinfoniker unter Generalmusikdirektor Mihkel Kütson spielten zum Tag der Deutschen Einheit erneut unter einem Ländermotto: Zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit der baltischen Staaten hatte Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer Lettland ausgewählt.

„Wir leben in einer Zeit, in der wir statt Einheit, Solidarität und Gemeinschaft immer häufiger Spaltung, Isolation und Diskriminierung erleben“, sagte der Oberbürgermeister zur Einleitung. Die daraus resultierende Gefährdung der Demokratie dürfe man nicht hinnehmen.

Meyer: „Demokratie
ist nicht verhandelbar“

Auch fast 30 Jahre nach dem Mauerfall müsse man darauf drängen, dass „Demokratie nicht verhandelbar“ sei. Mit Blick auf Krefeld formulierte er, dass es eine grundsätzliche Verständigung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen gebe. Doch Krefeld sei auch eine Stadt, die Widersprüche aushalten könne: „Sie kann Tradition und progressives Denken verbinden, sie kann spießig und fortschrittlich sein, analog und digital, zurückhaltend und frech, grau und bunt.“

Nach dem leidenschaftlichen Appell, der im Saal mit langem Applaus bedacht wurde, hatte die Musik das Wort. Wie gut sie in der Lage ist, Gegensätzliches zu thematisieren und dann zu überwinden, zeigte sich an den beiden gut ausgewählten Stücken. Mit dem Violinkonzert „Tālā gaisma“ (fernes Licht) des lettischen Komponisten Pēteris Vasks wurde dem Gastland die Referenz erwiesen.

Überraschungen in Beethovens zweiter Sinfonie in D-Dur

Das 1997 uraufgeführte Werk entfaltet einen atmosphärisch dichten Klangteppich, in dem sich melancholische Passagen und  tänzerisch-volkstümliche Elemente entfalten. Zwischen Solovioline und Orchester entwickeln sich ebenso zarte wie hoch emotionale Dialoge, in drei ausgedehnten Kadenzen brilliert sie alleine. Emir Imerov, erster Stimmführer der zweiten Violinen der Sinfoniker, lotete in seinem Spiel genau die feine Balance zwischen zarter Emotion und virtuoser Expression aus. Die innere Zerrissenheit und die Sehnsucht nach Ausgleich, die hier spürbar wurden, fanden sich auch in dem zweiten Stück des Abends wieder. Zu diesem Feiertag passt ein Komponist wie Beethoven perfekt.

Doch seine zweite Sinfonie in D-Dur von 1802 bietet manche Überraschung. Was für seine Zeitgenossen noch schwierig zu hören war, wirkt heute durch den wechselhaften Charakter sehr spritzig. Vom prächtigen Adagio molto über ein zauberhaft träumerisches Larghetto, quirliges Scherzo und schließlich einem großartig virtuosem Allegro molto spannt sich der Bogen. Mit hohem Tempo und fein herausgearbeiteten Details brachten in die Sinfoniker unter Kütson diese Musik zum Strahlen. Neben den souverän agierenden Streichern zeichneten sich auch die Bläser durch ihr großartiges Spiel aus.

Mit der deutschen Nationalhymne ging der vom Publikum begeistert gefeierte Abend traditionell zu Ende.