Trainer und Teamchef bringen KFC Uerdingen zurück in ruhige Fahrwasser

Krefelder des Jahres 2019: Dezember : Daniel Steuernagel und Stefan Reisinger – die Krisen-Bewältiger

Dezember: Trainer und Teamchef bringen den Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen zurück in ruhige Fahrwasser.

Als Stefan Reisinger Ende September mit dem Training der Fußballer von Drittligist KFC Uerdingen beauftragt wurde, da herrschten sportlich stürmische Zeiten rund um die Grotenburg. Die Krefelder hatten soeben gegen Waldhof Mannheim ein 0:3-Debakel erlebt. Das Ergebnis malte die eigentliche Leistung des Teams noch schön. Der KFC rutschte auf Tabellenrang 17 ab. Ein Abstiegsplatz. Krisenstimmung. Fußballdeutschland runzelte die Stirn, einige munkelten wohl schon, das Großprojekt KFC Uerdingen mit seinem finanzstarken Präsidenten Mikhail Ponomarev sei am Ende. Trainer Heiko Vogel wurde entlassen. Diesmal jedoch verzichtete der KFC-Lenker darauf, einen großen Namen als Cheftrainer zu installieren, wie es zuvor mehrere Male seine Art gewesen war. Er stellte Daniel Steuernagel als Trainer ein, beförderte Reisinger zum Teamchef und stellte ihnen das Vertrauen aus, die Mannschaft zu leiten.

Steuernagel kam von außen und musste sich schnell einleben in einen Verein und ein Umfeld, die mit den sportlichen Erfolgen der letzten Jahre nicht mitgewachsen waren. Reisinger hatte seit seiner Ankunft im Sommer 2017 schon ereignisreiche Monate mit allerlei Höhen und Tiefen erlebt unter fünf verschiedenen Chefs: Michael Wiesinger, Stefan Krämer, Norbert Meier, Frank Heinemann und Vogel. Er kannte die Besonderheiten, die Spieler, das Gefüge der Mannschaft. Das Duo war offenbar eine gute Wahl. Es leitete den langersehnten Aufschwung ein.

Reisinger und Steuernagel – die Krisen-Bewältiger haben nach den verkorksten ersten zehn Monaten des Jahres die Wende zum Guten eingeleitet und damit dem Profifußball-Standort Krefeld ungemütliche Weihnachtstage erspart. Das Jahr endet versöhnlich auf Platz acht, sogar mit Aussichten auf den Relegationsrang drei. Im Klub ist Ruhe eingekehrt. Überwacht und begleitet wird die sportliche Entwicklung seit Oktober außerdem von Stefan Effenberg, dem früheren Mentalitätsspieler und Champions-League-Gewinner. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt Reisinger: „Es ist harmonisch. Es herrscht eine gute Atmosphäre. Wir sind untereinander immer im Austausch. Das macht Lust auf mehr. Ich bin ehrgeizig.“

Mit Reisinger und Steuernagel zog Pragmatismus ein auf dem Fußballfeld. Sie drückten den „Reset“-Knopf, wie es so schön heißt. Alles auf Anfang. In der Krise tut man bekanntlich gut daran, sich auf seine Stärken zu besinnen und sich daran aufzurichten. Erst die Abwehr standhaft gestalten, dann den Angriff forcieren. So das Credo. Steuernagel betonte einmal sogar den emotionalen Wert knapper Erfolge in engen Spielen: Dreckige 1:0-Siege seien eben immer noch die schönsten.

Wer weniger Tore kassiert, hat größere Chancen zu punkten. Dieses Umdenken, weg vom Ballbesitz-Ansatz des Vorgängers Vogel, führte zu Erfolgen.

Aus den vergangenen elf Partien seit dessen Aus holte der KFC sechs Siege und drei Remis, nur zweimal setzte es Niederlagen. Elf Gegentore nur, das ist ein guter Wert in diesem Zeitraum.

Das Hauptaugenmerk auf die defensivere Grundordnung war jedoch auch dem Fitness-Defizit einiger Spieler geschuldet, das Reisinger kurz nach seiner Amtsübernahme diagnostizierte. Zudem betonten er und Steuernagel: Jeder hat eine Chance. Jeder wird gebraucht, auch auf für ihn ungewohnten Positionen. Immer im Sinne des Teamerfolgs.

Als Krisen-Manager war Reisinger als Teamchef überdies auch abseits des Platzes gefordert. Immer wieder mussten die Uerdinger neue Trainingsplätze im Umland suchen. Oft war der Rasen in der Grotenburg nicht gut genug für die eigenen Ansprüche.