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Krefelder Sprecherin von „Fridays for Future“ ist unermüdliche Mahnerin

Krefelder des Jahres 2019: Juni : Björna Althoff – die Klima-Mahnerin

Juni: Die Sprecherin von „Fridays for Future“ fordert die Kommunalpolitiker immer wieder auf, schnell konkrete Maßnahmen zu verabreden.

Spätestens als Björna Althoff im Juni 2019 im Umweltausschuss das Wort ergreifen darf, wird sie für die meisten Krefelder ein Begriff: Die Sprecherin von „Fridays for Future“ in der Stadt fordert die Kommunalpolitiker in eindringlichen Worten dazu auf, sich beim Klimaschutz nicht zu verzetteln, sondern den Klimanotstand auszurufen und sofort konkrete Maßnahmen zu verabreden. „Wir sind ungeduldig, weil seit Jahrzehnten nichts passiert“, ruft Althoff den Fraktionen zu und zitiert Moliére: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, wir sind auch verantwortlich für das, was wir nicht tun.“

Zweifache Mutter sorgt sich
um die Zukunft ihrer Kinder

Im März war die 29-Jährige erstmals als Organisatorin der ersten Fridays-for-Future-Demo in Krefeld aufgefallen. Einige Hundert folgen dem Aufruf zur Teilnahme – im September beim „Klima-Streik“ sind es nach Angaben der Veranstalter bis zu 6000 geworden. „Das ist die größte Demo in der Geschichte der Stadt“, jubelt  die zierliche junge Frau bei der Abschlusskundgebung auf den Stufen vor dem Rathaus. Zu diesem Zeitpunkt ist sie längst zum Gesicht der Bewegung in Krefeld geworden.

Die angehende Ärztin ist Mutter von zwei Kindern. „Ich habe eine konkrete Angst um ihre Zukunft“, bekannte sie in einem Interview. Ihr Engagement reicht von der Organisation der Demos über „Singing for Future“ beim Alternativen Weihnachtsmarkt auf dem Platz an der Alten Kirche bis hin zu einem Aufräum-Tag mit der „Fridays-for-Future“-Bewegung auf der Schlufftrasse. Und auch als Dozentin bei einem VHS-Info-Nachmittag unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit für Krefeld“ ist sie zu finden.

Während dieses vielfältige Engagement vielfach freundlich zur Kenntnis genommen wird, weht der Aktivistin der Wind ins Gesicht, als im November bekannt wird, dass sie als parteilose Kandidatin auf der Liste der Grünen bei der Kommunalwahl 2020 antritt. „Sie lässt sich von den Grünen instrumentalisieren“, mäkelt die FDP daran herum, während die CDU hervorhebt, der an sich überparteiliche „Fridays“-Protest beziehe hier nun eine eindeutige politische Position. Und selbst Oberbürgermeister Frank Meyer meint auf Facebook: „Sie wird schauen müssen, wie sie Grüne und Fridays getrennt kriegt, wo es nötig ist.“ Althoff und ihre Mitstreiter hatten Meyer schon im Mai ein 18-seitiges Forderungspapier vorgelegt, in dem Visionen und konkrete Maßnahmen für Krefeld aufgeführt wurden.

Althoffs Mitstreiter David Adelmann, der ebenfalls für die Grünen kandidiert, trifft die Kritik am politischen Engagement nicht ganz so vehement. Beide Aktivisten lassen sich davon aber auch nicht beeindrucken. Man wolle als parteilose Bürger „unsere Stimme im Stadtrat“ einbringen und Überzeugungen der Klima-Bewegung eine parlamentarische Stimme geben, erklären sie. Und betonen: „Wir gehen für und nicht als Fridays for Future dieses Vorhaben an, denn wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, nicht nur auf der Straße zu protestieren, sondern auch aktiv politisch Forderungen zu formulieren und an deren Umsetzung konstruktiv mitzuarbeiten.“ In den Grünen sehe man einen guten Partner, „mit dem wir nicht nur in der Frage des Klimanotfalls für Krefeld sehr gut zusammengearbeitet haben“.