Der heiße Sommer 2018 setzt den Tieren in den Naturschutzgebieten zu

Umwelt : Trocken, trockener, Flöthbach

Der heiße Sommer 2018 hat im Inrather Naturschutzgebiet seine Spuren hinterlassen. Bevor sich Theo Malschützky vom Fachbereich Umwelt in seinen Ruhestand verabschiedet, erklärt er, was die Folgen sind.

. Theo Malschützky steht auf einer Holzbrücke am Fuße des Kapuzinerberges. Unter ihm sollte eigentlich der Flöthbach fließen. Doch es rauscht und plätschert nichts. Das Bett ist ausgetrocknet. Statt Wasser sieht man Laub, Äste und Gras. „Der trockene Sommer 2018 ist immer noch zu spüren“, sagt der 62-Jährige, der in diesen Tagen seinen Dienst bei der Stadt im Fachbereich Umwelt quittiert, um sich allmählich in den Ruhestand zu verabschieden.

Noch einmal führt er durch das Naturschutzgebiet zwischen Kapuzinerberg und Inrather Berg. „Die Niederschläge im Winter haben nicht ausgereicht, um das Defizit auszugleichen“, sagt der Diplom-Agraringenieur und frühere Lehrer für Landwirtschaft.

Etwa 760 Millimeter Niederschlag fallen in Krefeld im Mittel pro Jahr. In 2018 waren es jedoch etwa 260 Millimeter weniger, wie Malschützky vorrechnet. Ein gutes Drittel fehlt. Das macht es für die Tiere in diesem Gebiet schwer, vor allem für die Wasserlebewesen.

Eisvögel und Stichlinge
sind früher noch gesichtet worden

Seit 2004 ist der Flöthbach eine sogenannte Umlenkungsgerinne. Sie wurde angelegt, um die Wasserrichtlinien der EU zu erfüllen. Früher führte Malschützky Schulklassen nach Inrath. Da saß auch schon mal ein Eisvogel am Bach, Stichlinge schwammen im Wasser. Doch in diesen Monaten ist nichts von dem geblieben.

Es herrscht Trockenheit im Naturschutzgebiet, das durch Wege wie den Langen Dyk durchkreuzt wird, der Hüls mit Krefeld verbindet. Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier in der Gegend Wassergräben erschaffen, auf den Hügeln dazwischen große Bäume angepflanzt. Man kann es noch gut erkennen. Wenige Meter weiter in einer Senke rund um den Flöthbach entstand ein Sumpfgebiet. Grasfrösche leben hier. Auch Wasservögel siedelten sich hier an. Reiher schritten den Bachverlauf ab, daneben sah man Waldwasserläufer oder sogar Kiebitze. Auch sie müssen umziehen, wenn das Wasser fern bleibt in diesen Monaten und keine Fische zu finden sind. Dafür hat die Stadt Flutmulden angelegt, um dauerhaft Grundwasser zu erschließen. „So können Wasserlebewesen in Nebengewässer ausweichen, um die Trockenphasen zu überleben“, sagt Malschützky. Es gibt Rückhaltebecken. Zudem kann der Flöthbach auch in Nachbarräume eindringen. Solche Feuchtgebiete seien wichtig für einen gesunden Wald und die Tierwelt. Doch es muss mehr regnen.

Der oft zitierte Klimawandel, der hier und dort auf Landschaft, Mensch und Tier durchschlägt, sei nicht in einem Jahr für das Phänomen verantwortlich. Der 62-Jährige hat den Niederschlag über Jahrzehnte studiert: „Es gibt mehrere nasse Jahre am Stück und trockene Jahre“, erklärt er. Ein ewiges hin und her, so der Fachmann. Kein Grund zur Beunruhigung. „Vielleicht gibt es jetzt ein paar Jahre lang mal eine Durststrecke, dann gibt es danach wieder viel Wasser. Dann werden sich die Leute auch wieder aufregen“, sagt der Landespfleger und schmunzelt.

Seine Arbeit ist getan. 27 Jahre war Malschützky für die Stadt tätig. Nun ist Schluss. Die Zeit will der Vater nun mit der Familie verbringen, den Enkelkindern, mehr reisen und auch sein Pferd ausreiten. Vielleicht wird er demnächst auch wieder Interessierte durch die Naturschutzgebiete führen. Vielleicht wird man dann wieder das Leben im Wasser und am Ufer bewundern können.

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