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Schatz der Archäologen

Archäologie : Die Römer bauten ein Sieges-Denkmal

Krefelder Archäologen präsentierten ihre Funde einem Fachpublikum.

Museumsleiterin Jennifer Morscheiser und Stadtarchäologe  Hans Peter Schletter haben am 24. Internationalen Limes-Kongress im Archäologischen Park Viminacium in Serbien teilgenommen. Auf der mehrtägigen Tagung tauschten sich 350 Wissenschaftler und Archäologen über den aktuellen Forschungsstand und die zukünftige Arbeit am römischen Limes aus.

„Wir haben zum ersten Mal auf einem internationalen Limes-Kongress über Krefeld als Teil des Niedergermanischen Limes und aktuelle Grabungsergebnisse berichtet“, erklärt Morscheiser. „Der Vortrag von Hans Peter Schletter über die Trophaea in Gelduba sowie neue Befunde zur Bataverschlacht fanden besonders große Beachtung“, sagt die Museumsleiterin.

Unter den Römerstätten in Nordrhein-Westfalen nimmt das römische Kastell von Gellep eine Schlüsselposition ein. Es soll in den Jahren 2021/2022 mit anderen römischen Fundstellen am Niedergermanischen Limes als Welterbe eingetragen werden.

Die Entdeckung von zwei Sieges-Denkmälern (Trophaea) auf dem Schlachtfeld hat Schletter auf dem internationalen Unesco-Limes-Kongress nun erstmals einem Fachpublikum präsentiert: Bei Gelduba lagerten im Herbst 69 rund 12 000 römische Legionäre und Hilfstruppen, um den Bataveraufstand niederzuschlagen. Völlig überraschend überfielen die Bataver an einem Novembertag dort die Römer. Erst im letzten Augenblick wendete sich das Schlachtgeschehen zu Gunsten der Römer. In Krefeld hat Schletter entscheidende Indizien für zwei Sieges-Denkmäler gefunden – zwei kultische beigesetzte Helme. Der eine wurde bereits 1988, ein weiterer im vergangenen Jahr während der Grabung um das nördliche Lagerdorf des römischen Kastells gefunden. „Solche Siegesmale sind literarisch und ikonographisch seit dem 5. Jahrhundert vor Christus gut bezeugt, jedoch wären die Gelleper Funde der erste archäologische Nachweis auf einem antiken Schlachtfeld“, so Schletter.

Die Römer bauten ein Trophaeum (Plural: Trophaea) an der Stelle auf, an der sich eine Schlacht wendete und die Feinde flüchteten. Es drückte die Freude über den Sieg aus und sollte gleichzeitig die Gegner abschrecken. Meist weihten die Soldaten dieses Denkmal auf Zeit einer Gottheit. Das Trophaeum bestand aus einem Baumstamm oder Holzpfahl, an dessen Spitze ein Helm aufgesetzt. Waffen, Panzer und Rüstung der Unterlegenen wurden am Pfahl befestigt und abgelegt.

Dass die beiden Helme nicht zufällig im Schlachtgetümmel verloren gingen, dafür spricht die besondere und für Archäologen so wichtige und in diesem Fall fast identische Fundsituation: Sehr ordentlich wurden beide Helme mit ihrem Oberteil nach unten in den Boden eingelassen. Ihre Wangenteile – wie die Helme aus Stahl – wurden abmontiert, säuberlich gefaltet und in den Helmen abgelegt. Schletter geht davon aus, das die Trophaea mit dem Abzug der Truppen Ende 69 nach Neuss abgetragen, die Helme an ihren Standorten vergraben und damit den Götter endgültig übergeben wurden. „Die Fundsituation spricht für eine kultische Deponierung“, sagt der Archäologe.

Das Welterbe-Projekt „Die Grenzen des Römischen Reiches“ umfasst die Grenzlinie und Militäreinrichtungen zur Zeit der Blüte des Römischen Reiches, etwa in der Zeit von 100 bis 200 nach Christus. Der Niedergermanische Limes-Abschnitt bestand von 15 vor Christus bis etwa 450 nach Christus. Red