Skulpturen und Zeichnungen : Konsequente Kunst im Kunstverein

Hans Joachim Albrecht und Doris Kaiser laden zur gemeinsamen Ausstellung ein.

Konsequent heißt die neue Ausstellung der beiden Künstler Hans Joachim Albrecht und Doris Kaiser. Konsequent sind auch die von ihnen präsentierten Zeichnungen und Skulpturen im Krefelder Kunstverein am Westwall 124. Albrecht orientiert seine Figuren an der menschlichen Form. Auch immer im Wissen um die jahrhundertealte Geschichte der Skulptur, der Abbildungen der Form im Raum. Die Ausstellung wird am Freitag, 5. Oktober, um 19 Uhr am eröffnet.

Albrecht vermittelte als Lehrender seine konsequente Betrachtungsweise an seine Schüler, immer jedoch darauf bedacht, ihnen Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen, ihnen eine Idee davon zu geben, was Skulptur abbilden kann und wie sie die „Sehweise“ des Betrachters, der Betrachterin beeinflusst und verändert, sie die Wahrnehmung dessen, was als Realität umgibt, schärft.

Albrecht prangert Geschichtsvergessenheit an

Albrecht verweist auf seine Arbeiten in Krefeld, seine Bedeutung auch für die Kunst im öffentlichen Raum. Bezogen auf die Entwicklung der künstlerischen Gestaltung von Form erläutert er, wie es auch in vielen seinen kunsttheoretischen Schriften deutlich wird, dass vieles von dem was eine „konsequente“ Entwicklung bedeuten sollte, nämlich das Wissen um das, was im Laufe der Zeit entstand, vergessen wurde. Albrecht prangert eine Geschichtsvergessenheit bei den jungen Studierenden an, die glauben, dass ein Stück Holz, spontan behauen, ihren besonderen Ausdruck repräsentiert. Sie beginnen bei „Null“, glauben gestalten zu können, müssen zwar noch lernen, sind aber der Überzeugung schon fertige Ergebnisse zu produzieren.

„Konsequent“ hinterfragt auch Doris Kaiser ihr künstlerische Arbeit. Sie fand, ausgehend vom Studium bei Hans Joachim Albrecht ihren eigenen Weg zu Gestaltung des Raumes durch die Skulptur. Ihr ist das eigene Tun wichtig, die Formung des Materials, das sich aus einer Begrenzung von außen durch die eigene Formung gestalten lässt.

Für Kaiser sind das die Materialien Ton und Gips. Ton befindet sich als Masse in einem Behälter, Gips muss in einen begrenzten Raum gegossen werden. Hier setzt die Gestaltung durch die Künstlerin an. Sie formt im Wissen und in der Voraussetzung des begrenzten. Ihr Weg führt immer weiter in die Abstraktion. „Die Schablone gibt die Strukturen vor, innerhalb derer ich mich bewegen kann“, erklärt Kaiser. Hier wird der Bezug zur Architektur erkennbar, gebaute Form, die nur in klaren Strukturen bestehen kann. Die Freiheit der Gestaltung wächst aus den intensiven eigenen Auseinandersetzungen mit der Wirklichkeit, der Weg führt in die Abstraktion. Es bleibt eine einzelne klare einsame Linie.

Aber wieweit ist eine weitere Zurücknahme, eine weitere Abstraktion möglich? Das Haiku im Katalog von Doris Kaiser weist auf einen Weg: „Feld und Hügel hat fortgenommen heut der Schnee – Nichts ist mehr zu sehen“. Hier findet die Abstraktion ihre Grenze. Letztlich bleibt es der Mensch, der wichtig ist, die Bewegungen seines Körpers als wichtigstes Element der künstlerischen Gestaltung.

Das Gespräch mit Hans Joachim Albrecht und Doris Kaiser ließe sich mühelos in einen Diskurs über die Kunst, die Zeichnung, die Skulptur der Gegenwart fließen lassen. Die Ausstellung im Kunstverein, die ein Spektrum beider Künstler zeigt, lädt eben unter dem Titel „Konsequent“ zu jenem Diskurs des Weges der Skulptur, ein, auch zu der Frage der Verantwortung des Künstlers in der Gesellschaft. In ihrer Begrüßung öffnete die Vorsitzende des Kunstvereins Elke Meyer-Michael die Gedankenwelt der Ausstellenden, suchte Gemeinsamkeit und Unterschiede zu formulieren. Gemeinsam ist der Raum, die Sehweise, das Licht, die Stille.

Zu betrachten sind die Werke bis zum 11. November.