1. NRW
  2. Krefeld

Santander Bank in Krefeld: Nur mit viel Mühe ans eigene Geld

Erfahrungen in Krefeld : Geld auszahlen lassen in Corona-Zeiten? Nicht immer einfach

Ein gebrauchtes Auto musste her. Aber bei der eigenen Bank das nötige Geld abholen? In Krefeld ist das für einen Kunden zur Geduldsprobe geworden.

Ein gebrauchtes Auto musste her. Armin Meyer (Name von der Redaktion geändert) war vor zwei Wochen froh, dass der Lockdown in NRW bereits Mitte Mai wieder aufgehoben wurde und er nun an sein erspartes Geld problemlos ran kommen würde. Die notwendigen 20 000 Euro hatte er per Online-Überweisung schon von zu Hause aus auf sein Girokonto bei der Santander Bank überwiesen. „Ich wollte die Summe für den Kauf in bar in meiner Filiale abholen, weil es mit dem Autohändler so vereinbart war“, erzählt Meyer. Doch während andere Bankinstitute in der Stadt längst wieder ihren regulären Betrieb aufgenommen haben, prangt an der Tür der Filiale an der Rheinstraße 92-94 ein Schild „Kasse geschlossen“ — bis heute. Ein nervenaufreibender Wettlauf begann.

Größere Bargeldauszahlung nur in Mönchengladbach möglich

Immerhin war der Geldautomat im Vorraum der Filiale zugänglich und Meyer hob die Höchstsumme von 1000 Euro für den Tag von seinem Konto ab. „In der Woche darauf ging ich wieder hin — mit dem gleichen Ergebnis „Kasse geschlossen, doch diesmal bin ich rein gegangen und habe einen Mitarbeiter darauf angesprochen“, so Meyer. Das sei eine Entscheidung der Hauptverwaltung in Mönchengladbach, bekam er zu hören und er solle für das Geldabheben die Filialen in Neuss oder Mönchengladbach aufsuchen.

Der Krefelder bat seine Frau, am selben Tag noch nach Mönchengladbach zu fahren, weil er seine Arbeitsstelle nicht so lange verlassen könne. „Statt des gesamten Betrages bekam sie jedoch nur 5000 Euro dort an der Kasse ausgezahlt, eine größere Summe hätte ein paar Tage früher angemeldet werden müssen“, berichtet Meyer. Das hatte ihm der Mitarbeiter in Krefeld aber nicht gesagt. Zweimal sei er noch in den nächsten zwei Tagen zum Automaten an der Rheinstraße gelaufen, um jeweils 1000 Euro abzuholen. „Ich hatte schon überlegt, jeden Tag diesen Betrag abzuholen, aber das hätte zu lange gedauert.“

Inzwischen überlegt er, die Bank zu wechseln. Unter der Telefonnummer, die ihm der Krefelder Bankangestellte für seine Nachfrage zur Wiedereröffnung der Kasse aufgeschrieben hatte, hat er auch nach einer zweiminütigen Corona-Ansage und neunminütiger Wartezeit niemanden an die Strippe gekriegt. „Santander — die Bank, die für Sie das ist - in allen Lebenslagen“, damit wirbt die spanische Bank, die in Deutschland 4,3 Millionen Kunden zählt.

Dass größere Beträge an der Kasse nur nach Anmeldung ausgezahlt werden, ist im Bankenwesen nicht ungewöhnlich. „Zum einen aus Sicherheitsgründen für die Filialen, die nur eine begrenzte Menge Geld vorrätig haben, zum anderen wegen der gewünschten Stückelung“, sagt Harald Schulze von der Sparkasse Krefeld auf Nachfrage. Wer wolle schon beispielsweise 20 000 Euro in 20 Euro-Scheinen erhalten. Zwei Tage Vorlauf bräuchte die Sparkasse, dann könne der Kunde den gewünschten Betrag in seiner Filiale in Empfang nehmen.

Die Santander Bank hat Dienstagabend noch zu dem Vorfall Stellung genommen. Wegen des Corona-Virus habe sich die Bank zum Schutz ihrer Mitarbeiter und der Kunden entschlossen, in rund der Hälfte ihrer Filialen den Kundenzutritt stark zu reduzieren und auch den Kassenbetrieb vorübergehend einzustellen. So auch in der Filiale an der Rheinstraße. „Zum jetzigen Zeitpunkt wurde noch keine Entscheidung getroffen, wann der Kassenbetrieb in der Filiale in Krefeld wieder aufgenommen wird“, sagt René Hartmann, Kommissarischer Leiter Kommunikation.

Eine Übersicht mit den Filialen, in denen die Kassentätigkeit derzeit nicht eingestellt ist, finden Kunden auf der Internetseite der Bank. Größere Summen Bargeld seien aus Sicherheitsgründen nicht unmittelbar an der Kasse verfügbar. Üblicherweise informiere die verantwortliche Filiale den Kunden persönlich über die notwendigen Schritte für die Abhebung größerer Bargeldbeträge. „Sofern dies hier im konkreten Fall nicht erfolgt ist, tut uns dies leid“, sagt Hartmann. Meyer hat sein Geld und holt in dieser Woche noch sein neues Auto ab.