Müll soll in Krefeld zunehmend unter der Erde verschwinden

Umwelt : Müll soll in Krefeld häufiger unter der Erde landen

Die Zahl der Unterflurcontainer in Krefeld wird steigen. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen jedoch, dass damit die Vermüllung der Standorte nicht zwangsläufig endet.

Bezirksvertretungen West, 2. Oktober, Tagesordnungspunkt 10: Die Verwaltung soll prüfen, ob der Containerstandort an der Blumenstraße zu einer Unterflurlösung umfunktioniert werden kann. Bezirksvertretung Oppum-Linn, 8. Oktober, Tagesordnungspunkt 9: Die Bezirksvertretung hat beschlossen, dass am Parkplatz Werkstättenstraße Unterflurcontainer eingerichtet werden. Bezirksvertretung Ost, 10. Oktober, Tagesordnungspunkt 6: Für fünf Standorte von Zoo bis Traar bringen die vier großen Fraktionen einen Antrag ein, der den Austausch von Über- durch Unterflurcontainer vorsieht. Die Liste ließe sich fortsetzen, aber der Eindruck ist auch so eindeutig: Die Frage, ob Unterflurcontainer geschaffen werden können, spielt in diesen Tagen in vielen Stadtbezirken eine wichtige Rolle.

Die aktuell schwer beliebten Auffangbehälter für Altglas und -papier haben ähnliche Dimensionen wie die Container, die bisher das Bild am Straßenrand prägen. Sie liegen aber weitgehend unter der Erde, lediglich die Luke, durch die man den Müll reinschiebt, und ein Stück Röhre zum Bauch des Containers sind noch sichtbar. Alles in allem ist der Container so nicht mal mehr einen Meter hoch - zumindest in der Wahrnehmung derer, die daran vorbeilaufen.

30 000 Euro pro Stadtbezirk sind bei der Verwaltung einkalkuliert

Im städtischen Haushalt stehen 270000 Euro für Unterflurcontainer bereit, das sind 30 000 Euro pro Stadtbezirk. Derzeit wird ausgelotet, wo genau die Container in der Erde verschwinden sollen. Eine Handvoll solcher Unterflur-Standorte gibt es bereits seit einigen Jahren in Krefeld, zum Beispiel am Bismarckplatz, wo sich Anwohner dafür eingesetzt hatten. Trotz der aktuellen Pläne werden die weithin sichtbaren Container wohl noch auf Jahre in der Überzahl bleiben. Denn allein für Glas gibt es im gesamten Stadtgebiet rund 220 Standorte mit insgesamt mehr als 680 Behältern.

Warum gerade in so vielen Bezirksvertretungen über Unterflurcontainer gesprochen wird, zeigt sich, wenn man die Begründungen der Tagesordnungspunkte liest. Die im Boden versenkten Behälter gelten als optisch sympathischere Variante im Vergleich mit ihren herkömmlichen, oberirdischen Verwandten. Zudem versprechen sich die Bezirkspolitiker weniger „wilden Müll“ im Umfeld und weniger Krach, wenn jemand seine alten Flaschen in die Röhre wirft.

Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass die Krefelder zum Teil berechtigt hoffen, der Erfolg zum Teil aber auch stark von ihren Mitmenschen abhängt. Tatsächlich dämpfen die Erde rund um den Container und die Platten darauf den Lärm zerspringenden Glases merklich. Der Einwerfer hört noch, dass seine Flaschen unten ankommen, die Anwohner aber werden dabei spürbar geschont.

Der mögliche optische Fortschritt ist in zwei Punkten zu betrachten. Das Straßenbild verändert sich grundsätzlich zu seinem Vorteil. Statt zwei Meter hoher „Beulen“, die zu viert, zu fünft oder zu sechst an einer Ecke stehen und mit der Zeit von der Witterung ordentlich mitgenommen werden, sind nur noch kleine Metallstutzen zu sehen.

Der Genuss dieses Anblicks schwindet oftmals aber, je länger der letzte Besuch des zuständigen Entsorgungsunternehmens zurückliegt. Denn ein voller Container bringt, egal ob er über oder unter der Erde liegt, einige Anwohner leider nicht dazu, ihr Altpapier wieder mit nach Hause zu nehmen. Und so werden die Unterflurcontainer-Standorte bisweilen wieder zu wilden Müllkippen, auf denen dann auch noch Sperrmüll und anderes abgelegt wird.

Und so könnte in naher Zukunft ein anderer Punkt die Tagesordnungen der Bezirksvertretungen bestimmen: Kampagnen, mit denen man den Anwohnern von Unterflurcontainern vermittelt, dass der Müll nur in, aber nicht neben die Behälter geworfen werden sollte.

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