Krefeld: Neue Diskussionen über Verlängerung der Straßenbahnlinie 044

Nahverkehr : Diskussionen über Verlängerung der Straßenbahnlinie 044 in Krefeld

Die Grünen in Krefeld und Hans Butzen von der SPD sprechen vom Ausbau der Straßenbahn bis zum Bahnhof Hüls. Die CDU und die SPD hatten das Projekt 2012 beerdigt.

Die Grünen kündigen an, sich für eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 044 bis zum Bahnhof Hüls „und damit für eine bedeutende Verbesserung des Nahverkehrsangebotes“ einsetzen zu wollen. Auch der Hülser Bezirksvorsteher Hans Butzen (SPD) hatte ein solches Ziel kürzlich im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung genannt. Der Hülser Ratsherr Timo Kühn (CDU) hat solchen Plänen dagegen wenig Chancen auf eine Realisierung eingeräumt: Die Finanzierung sei nicht gesichert, weshalb CDU und SPD sich ja 2012 von dem Projekt „Kleine Ringlösung“ verabschiedet hätten.

Mehr als eine Million Euro waren schon in die Planung geflossen

Tatsächlich wurden solche Pläne seitdem nicht weiter verfolgt, „obwohl bereits über eine Million Euro in die Konzeption geflossen waren“, so jetzt die Grünen in einer Presseerklärung. Dabei sprächen viele Gründe dafür. Jörg Thiele, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen: „Eine Verlängerung der Linie würde die Zahl der Nutzer und damit die Effizienz der Linie erhöhen. Am Bahnhof könnte mit einem Umsteigepunkt für die Buslinien, die sich momentan alle durch Hüls bewegen, eine attraktive Alternative geschaffen werden, die den Anwohnern bessere Luft beschert. Die Anbindung wäre um ein Vielfaches besser, was auch der Handel positiv zu spüren bekommen würde.“

Aus Sicht der Grünen waren die Konsequenzen aus dem damaligen Stopp der Pläne „fatal“: Hüls sei in Sachen ÖPNV ein Stadtteil zweiter Klasse geblieben. „Doch die Zeichen für eine Wende standen nie so gut wie jetzt,“ so Thorsten Hansen, grüner Ratsherr aus Hüls. „Der Ausbau der Straßenbahnen wird stark gefördert und bekommt in den Diskussionen um das Mobilitätskonzept, das die Straßenbahnen als echte Stärke des Krefelder Verkehrsnetzes begreift, neuen Schwung. Wir sollten diese Chance nicht verspielen.“ Man sei es Hüls schuldig, die Busse im Zentrum durch leistungsfähigere Bahnen zu ersetzen.

Aber wie realistisch sind solche Forderungen? Nach Auskunft von Guido Stilling, Geschäftsführer der SWK-Mobil, hat sich die Ausgangslage seit 2012 nicht geändert: Bauprojekte würden nur auf eigenen Gleistrassen gefördert, für Neubauten gebe es kein Geld. Das würde aber auf Hüls zutreffen.

Die möglichen Kosten einer solchen Verlängerung wären hoch: Laut Stilling lagen die Schätzungen schon 2012 bei rund 20 Millionen Euro – angesichts der Preissteigerung dürfte das nicht mehr reichen. Und bei dieser Summe handelt es sich auch nur um die Investition in Schienen und Haltestellen. Hinzu kämen die Kosten für neue Straßenbahnen. Denn nachdem man sich 2012 von der Ringlösung verabschiedet hatte, hatten die Stadtwerke bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen weniger bestellt, so Stilling. Mit der Konsequenz, dass jetzt neue Wagen geordert werden müssten, um einen 10-Minuten-Takt hinzubekommen. Pro Stück kostet eine der derzeit vorhandenen Straßenbahnen 2,5 Millionen Euro – angesichts der kleinen Stückzahl, die man im Fall der Fälle für die „neue“ Linie 044 benötige, werde die Summe „exorbitant“ höher sein, sagt Stilling.

Sinnvoll sei die Verlängerung durchaus, da die Linie derzeit ja am Ortsrand endet. Das Thema sei in den zurückliegenden Jahrzehnten aber schon in allen Varianten durchgespielt worden, so der SWK-Mobil-Geschäftsführer. Sollte die Politik jetzt eine neue Planung anstoßen, müsse klar sein: „Wir werden keine Vorfinanzierung mehr tätigen.“ Die SWK habe hier schon genug Geld „versenkt“.

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