Der Krefelder Wald: „Stört ihr sie nicht, passiert nichts“

Umwelt und Bildung : „Stört ihr sie nicht, passiert nichts“

Grundschulkinder haben bei den Waldjugendspielen gelernt, wie sie mit wildlebenden Tieren umgehen sollen.

Wildschwein, Rehbock und ein Dachs stehen friedlich nebeneinander auf der Rennbahn-Wiese. Die Kinder nähern sich vorsichtig, auch wenn sie wissen, dass die Vierbeiner ausgestopft sind. Etwas weiter ertönt lautes Klopfen: Nistkästen werden gebaut. An anderer Stelle geht es darum, Eichen-, Birken- und Buchenblätter und die Rinden der entsprechenden Bäume zu erkennen, was gar nicht so einfach ist.

Knapp 750 Schüler der dritten und vierten Klassen aus neun Grundschulen bevölkerten gestern Rennbahn und umliegendes Gelände. Sie nahmen an den 10. Waldjugendspielen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald teil. „Vor einem Wildschwein muss kein Kind Angst haben. Wenn sie Euch sehen, hauen sie ab“, erklärt Jürgen Jenkes von der Kreisjägerschaft. Bange Frage von Henry: „Werden sie wirklich nicht gefährlich?“ Antwort: „Nein, es sei denn, die Bache, das weibliche Schwein, sieht ihre Jungen in Gefahr oder ist angeschossen. Dann kommt sie mit ihren 90 Kilo und mit 20 Stundenkilometern Geschwindigkeit angerannt. Stört ihr sie nicht, passiert nichts.“

„Wie erkennt ihr, wenn der Bock das Geweih abgestoßen hat, ob es ein Bock oder eine Ricke ist?“, fragt der Fachmann. „Die Ricke hat weißes Fell, den Spiegel, am hinteren Teil in Herzform, beim Bock ist es nierenförmig.“ Alexander (10) findet den Unterricht an der frischen Luft richtig gut. „Ich gehe nicht so oft in den Wald. Jetzt weiß ich aber, dass Dachse ganz fest zubeißen können.“ Anschließend dürfen alle die Tiere vorsichtig streicheln und das Fell spüren.

An elf Stationen lernen die Kinder ihren Wald besser kennen

Die Kinder bewegen sich in Gruppen an elf Stationen vorbei, an denen sie Wissenswertes über den Wald erfahren. Für Karl Weckes, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft, ist das eine wichtige jährliche Aktion, gerade jetzt: „Wir haben mit Waldschäden durch Trockenheit und Schädlingen wie den Borkenkäfer zu kämpfen“, berichtet er den Mädchen und Jungen, die die Rennbahn-Tribüne bevölkern. „Auf insgesamt 180 000 Hektar müssen in Deutschland neue Bäume gepflanzt werden. Das sind 400 000 Fußballfelder.“ Die Kinder staunen.

Weckes hält es für wichtig, dass die Kinder ihr Wissen über Flora und Fauna im Wald erwerben und bestehende Kenntnisse vertiefen können. „Die Beziehung zur Natur ist für den Menschen wichtig.“ Er hofft, dass das Thema später in der Schule nachgearbeitet wird, für mehr Nachhaltigkeit. „Die Kinder müssen die Funktionen des Waldes erfahren. Es gibt den Naturschutz als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, den Boden- und Klimaschutz mit Lärm- und Staubfilter, Hochwasserschutz und den Erholungswald“, ergänzt Stadtförster Jens Poschmann. Schirmherrin des Treffens ist Kerstin Radomski (MdB). „Ich habe Biologie studiert. Ich bin am liebsten alleine im Wald. Ich glaube, dass das Thema Flora und Fauna im Wald in den Schulen zu kurz kommt. Gut, dass es solche Tage gibt.“

Dann geht es weiter für die Schüler zu den nächsten Stationen. Die Mitglieder der Kreisjägerschaft helfen beim Nistbau. Philip (9) beißt in seinen Apfel und sagt, dass ihm dieser Unterricht besser gefällt als in der Schule und Simon (9) freut sich, dass die Nistkästen bald in der Nähe des Schulhofes aufgehängt werden, „für alle Rotkehlchen und Meisen.“

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