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„Mit Michael Klein ist was“

„Mit Michael Klein ist was“

Die dramatischen Minuten, in denen Trainer und Spieler des FC Bayer 05 Uerdingen den Todeskampf ihres Kollegen erleben.

Es war ernst. Sehr ernst. So aufgebracht hatte Friedhelm Funkel seinen Assistenten Armin Reutershahn noch nie in die Trainerkabine reinstürmen erlebt. „Komm, komm, komm“, hat er gesagt. „Mit Michael Klein ist was.“

Foto: Axel Gayk

Funkel ist vorbereitet, als die WZ ihn am Mittwoch anrief. „Was willst Du denn mit mir besprechen“, fragt Funkel. Ein trauriger Anlass. „Du meinst den Todestag von Michael Klein.“ Ein Kollege hatte kurz zuvor angerufen. Funkel sagt: „Es war alles aus meinem Gedächtnis raus. Aber jetzt kommen die ganzen Bilder zurück.“ Bilder eines Todeskampfes, dessen Zeuge der junge Trainer Funkel wurde. Im Mai 1991 war er Cheftrainer beim FC Bayer 05 Uerdingen geworden. Knapp zwei Jahre später erschütterte der Tod von Michael Klein die Lebensentwürfe von Kollegen und Vorgesetzten.

Foto: Axel Gayk

Funkel erinnert sich: „Ich bin in die Halle gelaufen, habe dann alle Spieler rausgeschickt. Mein Assistent Armin Reutershahn musste sich übergeben. Die Rettungskräfte waren sehr schnell da, haben mit Elektroschockern versucht, Michael Klein zu retten.“ Das Training wurde abgebrochen. Er sei dann mit Spielern ins Krankenhaus nachgefahren. Funkel: „Als der Professor mich zur Seite genommen hat, war das ganz furchtbar. Ich war gerade zwei Jahre Trainer.“

Als Funkel die Spieler aus der Halle geschickt hatte, waren nur er, Reutershahn und Jürgen Dolls bei Michael Klein. Dolls ist der Physiotherapeut, seit fast zwei Jahrzehnten jetzt beim VfL Bochum beschäftigt. Er erinnert sich: „Das war ein ganz schlimmer Moment. Ich war ja praktisch Ersthelfer.“ Er wurde auch alarmiert, hielt sich im Containertrakt der Trainingsanlage am Löschenhofweg seinerzeit auf. „Ich bin dann sofort hingelaufen, habe versucht, ihn wieder zu beleben. Wir haben sofort die Werksfeuerwehr von Bayer alarmiert. Die waren auch zwei, drei Minuten später da.“ Klein sei dann abtransportiert worden. „Ich bin mitgefahren. Er ist dann aber schnell verstorben. Bei der Aufnahme im Krankenhaus hat man nichts mehr für sein Leben tun können.“

Das Erlebte sei für ihn als Physiotherapeut ein Horror gewesen. Seit jenem 2. Februar 1993 sagt Dolls „laufe ich immer mit einem Defibrillator herum. Damit gewährleistet ist, dass die Rettungskette geschlossen ist.“ Bei der Trauerfeier in Uerdingen war Dolls einer der Träger des Sargs von Michael Klein.