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Weihnachtsgefühle auf Krefelderisch

Mundart : Weihnachtsgefühle auf Krefelderisch

Heinz Webers hat ein „Kleines Weihnachts-Lesebuch“ vorgestellt. Zwischen Mundart, Anekdoten und Traditionspflege

Mundart ist für etliche Menschen nach wie vor etwas, was sie an zu Hause, vielleicht an den warmen Apfelkuchen der Oma oder schöne Erinnerungen an Opa oder Onkel erinnert; an Wärme, Tradition, Familie. Mundart, der besondere Zungenschlag, mit dem man an einem bestimmten Ort spricht, erweckt bei vielen wahrscheinlich ähnliche Gefühle wie die Erinnerung an Weihnachten, zusammen mit der Familie.

Autor hat Karl Heinrich Waggerls Geschichten in Mundart übersetzt

Damit die Schaar derjenigen, die diese besonderen Emotionen noch kennen, nicht langsam aber sicher kleiner und kleiner wird, gibt es auch in Krefeld und den jeweiligen Ortsteilen, die ja eine eigene Identität haben, sorgsam agierende Menschen, die sich für das Weiterleben und Weitergeben hiesiger „Dialekte“ einsetzen. Sie sind das Herz vom Krefelder Mundartkreis (vormals Arbeitskreis Mundart und Brauchtum). Einer von ihnen, Heinz Webers, hat seit zwanzig Jahren immer wieder Bücher zu Krieewelsch, Krefelderisch, also der Krefelder Mundart, veröffentlicht. Etwa 2016 ein Mini Wörterbuch Krieewelsch. Zuletzt berichteten wir übrigens über seine Veröffentlichung zu Krefelder Ehrenbürgern.

Nun hat Webers ein Büchlein vorgestellt, das sich eben mit diesem „Gefühl wie Weihnachten“ auseinandersetzt. „En Jeföihl wie Weihnachte“ ist eine Mischung aus Anekdotensammlung, in Krefelder Mundart übersetzten Kurzgeschichten des Österreichers Karl Heinrich Waggerl, Einlassungen Webers, die seine Gedanken bündeln, Erklärungen zum weihnachtlichen Brauchtum und viel mehr.

Sogar eine kleine Witzesammlung findet sich auf den 112 Seiten des „Kleinen Weihnachts-Lesebuches“, das in der Seidenweber Bücherei im Satz und Druck von Paniczek Medien erschienen ist. Einige Texte sind von Mundart-Freunden von Webers beigesteuert. Nicht alle in einer verschriftlichen Form der Mundart, manche in Hochdeutsch formuliert.

Ohnhein muss festgehalten werden, dass das geschriebene Krieewelsch auch ein bisschen abschreckend wirken kann. Denn liest man die doch sehr abenteuerlich aussehenden Worte, so glaubt man, letztendlich doch keinen rechten Satz zu verstehen. Es sei denn, man wähnt sich als eingefleischter Mundartsprecher. Doch das täuscht. Man muss lediglich versuchen die Sätze laut vorzulesen, denn wenn es dann klingt, kommt einem der Dialekt gar nicht mehr so unentwirrbar vor. Auch als jemand, der nur wenig oder nur am Rande mit Dialekt sprechenden Menschen zu tun hat – oder andere Mundarten gewohnt ist. Nicht vergessen sollte man, dass gerade Mundart in ihren feinsten Nuancen eine mündliche Überlieferung ist und das Verschriftlichen nur eine eher defiziente Annäherung an das wahrhaftige Gesprochene sein kann.

So oder so – trifft man Webers und seine Mundart-Freunde, spürt man, wie wichtig das alles für sie ist. Und man kann nicht emphatisch genug betonen, dass es diesen Einsatz nachhaltig braucht, damit kommende Generationen den „Kontakt“ zu ihrer sprachlichen, örtlichen Tradition nicht verlieren. Das ist in Städten weitaus mehr ein Desiderat als auf dem Lande, wo Mundart bisweilen noch präsenter ist.

Das Büchlein begreift sich aber nicht nur als Mundartbuch; es möchte Tradition vermitteln und für Lokalkolorit begeistern. Mit plauderndem Ton und das ist sehr sympathisch.

Buch: Heinz Webers „En Jeföihl wie Weihnachte – Kleines Weihnachts-Lesebuch“, ist erschienen in der Seidenweber Bücherei Krefeld. 112 Seiten kosten sechs Euro.