1. NRW
  2. Krefeld
  3. Kultur

Deutsches Steinzeug ist begehrt

Deutsches Steinzeug ist begehrt

Im Museum Burg Linn sind mittelalterliche Krüge, Kannen und Becher zu sehen.

Krefeld. Museumsleiter Christoph Reichmann schwärmt bereits von der Sonderausstellung, die am morgigen Sonntag in seinem Haus eröffnet wird: „In Deutschland gibt es keine zweite Ausstellung, die so ausführlich deutsches Steinzeug zeigt! Das ist eine ziemlich einmalige Schau!“

In seltener Vollständigkeit und mit bestens erhaltenen Exponaten kann das Krefelder Ehepaar Karl und Petra Amendt nicht nur den hohen handwerklichen und kunstgewerblichen Stand des Steinzeugs seit dem Mittelalter belegen, sondern auch die hohe Attraktivität dieser prunkvollen Töpferware.

Ein Krug der Ausstellung beweist mit seinen Seepocken, dass das deutsche Steinzeug im 17. Jahrhundert — und nicht nur in dieser Zeit — weltweit sehr gefragt war. Dieses Objekt stammt sogar aus der Batavia, die 1625 vor Australien gesunken ist. Auch vor den Küsten Amerikas und Asiens wurde in Schiffswracks immer wieder Steinzeug aus dem Rheinland und dem Westerwald gefunden.

Die ersten Funde seiner Sammlung, von der rund 200 Krüge, Kannen und Becher in Linn zu sehen sind, grub Karl Amendt vor über 50 Jahren in Köln aus. Als dort die U-Bahn gebaut wurde, interessierten sich Archäologen und Bodendenkmalpfleger nur für römische Funde. Mittelalterliches landete auf Müllhalden. Hier sollte der Sammeleifer des Krefelders für mittelalterliches Glas und Steinzeug beginnen. „Gott sei dank hatte meine Frau die gleichen Interessen“, erzählt der Architekt im Ruhestand.

Nachdem die Bodendenkmalpflege auch die Alltagsgegenstände des Mittelalters für erhaltenswert hielt und zur Konkurrenz an der Halde wurde, verlegte das Ehepaar seine Suche auf den Antiquitätenhandel. „Wir haben viele Top-Stücke in London und in Amsterdam gekauft.“

Das Gros ihrer Sammlung stammt wiederum aus dem Rheinland, aus den Töpferhochburgen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Köln, Frechen und Siegburg gehörten dazu. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts übernahm der Westerwald — das heute noch bekannte Kannenbäckerland — die führende Rolle in der Herstellung des Steinzeugs.

Nicht nur die aufwendige Gestaltung des Prunkgeschirrs mit vielen Reliefs und den bekannten Bartmänner-Gesichtern machte es zur begehrten Ware, auch die Salzglasuren trugen ihren Teil dazu bei. Vorher hatten die Töpfer mit gesundheitsschädlichen Bleiglasuren gearbeitet. Die Salzglasur lieferte eine glänzende strapazierfähige Oberfläche, so dass die Gegenstände daraus lange in den Haushalten genutzt wurden. Zum Qualitätsmerkmal wurde auch der Brand bei 1200 Grad, der das Steinzeug wasserdicht machte. So hielt sich das deutsche Steinzeug selbst auf Halden und im Meer — bis zum heutigen Tag.