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Kabarett im Podio: Galliger Gesellschaftskritiker

Kabarett im Podio: Galliger Gesellschaftskritiker

Jens Neutag erklärt die Kanzlerin zur „Lady Gaga der Uckermark“ und kritisiert das Liedgut der SPD — ein bissiger Kabarettabend.

Krefeld. Der Mann hat alles, was einen guten Kabarettisten ausmacht. Er ist intelligent, rhetorisch stark, sprüht vor Energie und hat schauspielerisches Talent. Sein Markenzeichen wird schon im Titel seines Programms deutlich: „Schön scharf“.

Jens Neutag verwöhnte am Freitagabend im Podio sein Publikum mit geistreichen Pointen, sorgte aber auch dank seines hintergründigen Humors für einen teilweise bitterbösen Abend.

Bei ihm bleibt den Zuhörern das Lachen bisweilen im Halse stecken. Aber er hat sie ja bereits nach 30 Sekunden gewarnt, es gebe ein Grundrecht auf schlechte Laune. „Wer nicht lachen will, lässt es einfach.“

Seinen galligen Humor beweist er unter anderem in politischen Seitenhieben: Selbst beim Rücktritt seien Politiker wenig kreativ — bis auf Angela Merkel, die lasse zurücktreten. Vom Besuch von US-Präsident Barack Obama habe die Kanzlerin auch modisch profitiert: Sie sei von Kohls Mädchen zur „Lady Gaga der Uckermark“ konvertiert.

Neutag macht politisches wie gesellschaftskritisches Kabarett und klopft den Alltag auf seine absurden und lächerlichen Seiten ab. So zitiert er Verkehrsminister Ramsauer: „Wir müssen die Verkehrstoten halbieren.“ Den „Linken“ empfiehlt er einen Afrikaner als Parteimitglied, damit wenigstens einer keine Stasi-Vergangenheit habe.

Auch die katholische Kirche nimmt er aufs Korn. Dass dort alle Männer Frauenkleider tragen, begründet er mit ausgleichender Gerechtigkeit, weil Frauen sonst nicht mitmachen dürfen. Typisch für Neutag ist, dass er niemanden der Pointe willen persönlich erniedrigt und oberhalb der Gürtellinie bleibt. So zollt er auch der Kirche Respekt, mahnt aber, beim Glauben das Denken nicht einzustellen.

Richtig stark wird er im zweiten Teil seines Auftritts, als er wandlungsfreudig in Rollen schlüpft, um sich über deutschen Sicherheitswahn, die Inhalte von Après-Ski-Musik oder das Liedgut der SPD lustig zu machen: „Die sangen im Parlament früher Arbeiterlieder, heute singen sie Pippi Langstrumpf.“