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Feine Palette der Klangfarben im Seidenweberhaus

Feine Palette der Klangfarben im Seidenweberhaus

Star des 2. Sinfoniekonzerts war der Cellist Pieter Wispelwey. Auch das Orchester präsentierte sich in exquisiter Form.

Krefeld. Ein solches Werk wie die Cello Symphony von Benjamin Britten konnte wohl nur durch die enge Freundschaft zwischen dem Komponisten und einem Meister dieses Streichinstruments entstehen. Dank Mstislaw Rostropowitsch hatte Britten einen der besten Experten, der ihm Anregungen für die Feinheiten des Cellos geben konnte.

1960 lernten sich die beiden kennen, als Rostropowitsch in London sein erstes Konzert außerhalb der Sowjetunion gab. Drei Jahre später vollendete Britten seine Cello Symphony während eines Aufenthalts in der Sowjetunion, die Uraufführung fand in Moskau statt — mit Rostropowitsch als Solist und Britten am Dirigentenpult der Moskauer Philharmonischen Orchesters.

Dieses Werk hat Britten bewusst nicht als „klassisches“ Konzert mit Soloinstrument angelegt, sondern er setzt das Orchester auch als zweiten „Solisten“, als gleichrangigen Partner, ein und verlangt damit viel von den Musikern. Doch die Niederrheinischen Sinfoniker meisterten diese Herausforderung beim 2. Sinfoniekonzert im Seidenweberhaus souverän und schufen unerwartete Klangerlebnisse.

Als Solisten konnte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson den Niederländer Pieter Wispelwey gewinnen. Die große Entdeckung des Abends war das Spektrum seines meisterlich gespielten Violoncellos. Diese fein differenzierte Palette an Klangfarben bekommt man nicht alle Tage präsentiert. Da scheint plötzlich eine klassische spanische Gitarre zu erklingen, dann haucht das Cello eine Melodie von unerwarteter Zartheit — man sieht vor seinem inneren Auge einen Schmetterling fliegen. Erst nach der zweiten Zugabe entließ das Publikum den Solisten.

In eine vertrautere Tonwelt entführten die Sinfoniker die Zuhörer mit Beethovens dritter Sinfonie; schließlich gehört die „Eroica“ zu den berühmtesten Werken der Musikgeschichte. Im Unterschied zu Brittens Opus erschließt sich dieses Werk dem Zuhörer leichter, die Interpretation des Orchesters war ein Genuss. Das Scherzo des dritten Satzes war ein besonders exquisites Hörvergnügen. Insgesamt ein „erfrischender“ Beethoven, den die Niederrheinischen Sinfoniker da vorstellten. Ein langer Applaus war der wohl verdiente Dank für diesen anspruchsvollen Konzertabend.

Das 2. Sinfoniekonzert wird am morgigen Freitag, 20 Uhr, wiederholt. Um 19.15 Uhr gibt Eva Ziegelhöfer eine Einführung. Karten unter Telefon 805-125.

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