Krefelder Sektenarzt Hopp muss nicht hinter Gitter

Colonia Dignidad : Fall Hopp: Ex-Sektenarzt muss nicht hinter Gitter

Der in Krefeld lebende Ex-Sektenarzt Hartmut Hopp muss doch nicht ins Gefängnis. Das hat das Oberlandesgericht in Düsseldorf entschieden.

Die in Chile verhängte Haftstrafe für den ehemaligen Arzt der Sekte Colonia Dignidad hat in Deutschland keine Relevanz. Das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf am Montag mitgeteilt.

Das in dem Urteil der chilenischen Justiz dargestellte Verhalten Hopps sei nach deutschem Recht nicht strafbar, so das Gericht in Düsseldorf. Die Entscheidung sei abschließend, weitere Rechtsmittel gebe es nicht.

Damit widerspricht das Gericht der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts in Krefeld. Das hatte Mitte August nach 14-monatiger Prüfzeit entschieden, dass die Haftstrafe von fünf Jahren in Deutschland vollstreckt werden kann. Hopps Verteidiger hatte da bereits angekündigt, vor das Oberlandesgericht in Düsseldorf zu ziehen.

Diese Entscheidung wird vielen Opfern der Colonia Dignidad sehr weh tun. Denn die meisten sind traumatisiert von ihrer Zeit in der Colonia, die für viele sexuelle Gewalt bis zu Elektroschocks und täglicher Zwang bedeutete. Sie leben heute in Armut, haben keine Rücklagen fürs Alter. Während dessen hat sich der Arzt der Colonia, der Teil der Repression war, in die Bundesrepublik vor Strafvollstreckung abgesetzt.

Der ehemalige Arzt der Horror-Sekte Colonia Dignidad wurde 2013 in Südamerika in dritter Instanz wegen der Beihilfe zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hopp sich längst nach Krefeld abgesetzt. In Krefeld lebt Hopp seither unbehelligt und bezeichnet sich als unschuldig.

Ein Exklusiv-Interview mit der WZ im Januar sorgte für großes Aufsehen und Empörung. Hopp räumte Folter, Hinrichtung, sexuelle Übergriffe, Medikamentenmissbrauch, die Verabreichung von Elektroschocks an Abtrünnige und eine rege Waffenproduktion auf dem Gelände der Colonia Dignidad ein, will aber selbst erst im Nachhinein davon erfahren haben.

(red/dpa)
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