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Krefeld: Rat entscheidet am 23. Juni über Bäderleitplanung

Krefelder Bäderlandschaft : Bäderplanung: Stadtrat soll am 23. Juni die Weichen stellen

Richtungsweisende kommunalpolitische Entscheidungen für das Schwimmen in Bockum und Hüls stehen bevor.

Die Corona-Pandemie hat die Krefelder Kommunalpolitiker wochenlang in eine Zwangspause geschickt. Um so mehr muss jetzt in den vier Wochen bis zu den Sommerferien abgearbeitet werden. Wie der Beigeordnete Markus Schön in der Bezirksvertretung Hüls ankündigte, gehörte dazu auch die Bäderleitplanung der Stadt Krefeld. Über sie soll am 23. Juni der Stadtrat entscheiden.

„Der Entwurf muss noch abgestimmt werden und wird Anfang Juni in den Verwaltungsvorstand eingebracht“, erläuterte Schön. In der Sportstättenkommission soll er dann am 15. Juni, im Sportausschuss am 19. Juni vorberaten werden.

Beantwortet werden soll durch die Leitplanung die Frage, wie viele und welche Wasserflächen in Krefeld in Zukunft benötigt werden. Dies geschieht mit Blick auf die Bedarfe von Schulen, Vereinen, Familien und sonstigen Schwimmfreunden für Hallen- und Freibäder, für Sport und Freizeit. Auch die Bäder in Nachbarstädten hat die Stadt dabei im Blick. „Auch wenn nicht alle Details zeitlich hinzukriegen sind: Das wird eine umfassende Geschichte. Eine solche Planung hat es in Krefeld noch nicht gegeben“, betonte Schön im Gespräch mit der WZ.

Ein wichtiges Detail aus dem Entwurf hatte der Sportdezernent zur Bezirksvertretung mitgebracht: Der Bedarf für ein Bad in Hüls wird gesehen, es sei fester Bestandteil der Bäderlandschaft im Krefelder Norden. Damit sei die „Legitimation des Freibads gesichert“.

Auf dieser Basis kann dann die weitere Planung erfolgen. Wie sie aussehen wird, musste Schön mit Hinweis aus die noch ausstehenden Abstimmungen offen lassen. Sein Besuch in der Bezirksvertretung erfolge einfach „zu einem blöden Zeitpunkt“. Der Gutachter, der eine Machbarkeitsstudie zum Hülser Bad erstellt hat, habe aber dringend dazu geraten, „die Planung in einen gesamtstädtischen Kontext zu stellen“.

Zusätzliche Schall- und Rechtsgutachten notwendig

Ganz so einfach wie erhofft wird es offenbar nicht, das schon länger geschlossene Naturbad in Hüls fit für eine Wiedereröffnung zu machen. Laut Schön scheinen sich Befürchtungen des Gutachters mit Blick auf die bau- und planungsrechtliche Situation zu verhärten. Deshalb seien zusätzliche Schall- und Rechtsgutachten in Auftrag gegeben worden. Klar ist: Eine Sanierung könnte relativ schnell gehen – ein Neubau würde ein langwieriges Bebauungsplan-Verfahren notwendig machen.

„Das macht mich nicht zufrieden“, stellte Bezirksvorsteher Hans Butzen (SPD) nach den Ausführungen von Markus Schön fest. Ärgerlich sei vor allem, dass offenbar keine baurechtliche Grundlage, kein Bebauungsplan für das Gelände vorhanden sei. Hier habe sich die Fachverwaltung in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Die derzeit zuständigen Beigeordneten sowie Fachbereichsleiter schloss er von dieser Kritik allerdings aus.

„Wir hätten gerne konkrete Antworten gehabt“, kritisierte auch Ratsherr Timo Kühn (CDU). Es sei nicht richtig, dass die Bezirksvertretung diese erst in der Sitzung am 24. Juni erhalten soll, also erst nach den Beschlüssen in Sportausschuss und Rat. Nun wird überlegt, ob es eine gemeinsame Sitzung des Ausschusses und der Bezirksvertretung geben könnte. Diese müsste dann jedoch in Hüls stattfinden

Nach Angaben von Markus Schön wird der Grundsatzbeschluss zur Bäderleitplanung auch „richtungsweisende Aussagen“ machen, wie es mit dem Badezentrum Bockum weiter gehen soll. Es ist mehr als 50 Jahre alt und völlig marode. Allein an Energiekosten „frisst“ es drei Millionen Euro pro Jahr.

Im September 2019 waren im Bau- und Sportausschuss durch ein fast 150 Seiten starkes Gutachten verlässliche Zahlen zum Badezentrum vorgelegt worden. Danach würde eine Sanierung 32 Millionen Euro kosten, ein Neubau läge bei 60 Millionen. Ein neues Hallenbad und ein saniertes Freibad lägen noch bei 53,4 Millionen Euro.

Die CDU hat als Alternative für solche „utopischen Summen“ vor Monaten ein reines Sportschwimmbad vorgeschlagen. Demnach sollten deutlich unter 20 Millionen Euro für ein neues Sportbad investiert werden. Für das teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude des Badezentrums hat die Fraktion den Umbau zur Kletterhalle ins Gespräch gebracht. Eine Idee, die der Sportdezernent im Gespräch mit unserer Zeitung seinerzeit „eine interessante Option“ nannte. Die SPD machte sich zuletzt noch einmal für einen kombinierten Neubau von Hallenbad und Eishallen stark. Diesen Weg habe man im Sportausschuss schon 2019 skizziert.