Krefeld kauft Grundstücke für neue Wohngebiete

Flächen : Krefeld kauft Land für Wohngebiete

Mit Hilfe des neuen Flächenmanagements werden jährlich für zehn Millionen Euro Grundstücke erworben. Im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes eine willkommene Einnahme.

Wer als Privatier oder als Firmeninhaber auf der Suche nach einem passenden Wohnbau- oder Gewerbegrundstück ist, sollte auf der Seite der Stadt Krefeld unter Ankauf und Verkauf von Grundstücken und Gebäuden nachschauen. Derzeit werden dort vier Wohnbau- und drei Gewerbeflächen angeboten. Ob im Kleinen Am Mariengraben in Hüls oder großflächig an der Düsseldorfer Straße. Allein 1,55 Millionen Euro hat der Kämmerer auf diese Weise im vergangenen Jahr für die Stadt eingenommen. In diesem Jahr sind drei Millionen Euro angepeilt. Im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes eine willkommene Einnahme. „Umgekehrt kauft die Stadt selber aber auch Grundstücke, um eigene neue Wohngebiete zu entwickeln“, erklärt Kämmerer Ulrich Cyprian. 13 Millionen Euro stehen alleine in diesem Jahr dazu zur Verfügung.

Jährlicher Etat: Zehn Millionen

„Mit diesem offensiven Ansatz des Immobilien- und Flächenmanagements haben wir im vergangenen Jahr auf der Expo Real in München viel Aufmerksamkeit bei anderen Städten geerntet“, sagt Cyprian. Standen der Verwaltung früher als Ankaufsetat gerade einmal 100 000 Euro im Jahr zu Verfügung, wurde die Summe erstmals 2018 auf zehn Millionen Euro pro Jahr und für die Folgejahre bis 2022 aufgestockt. „Im ersten Jahr hat das nicht gereicht, soviel Bedarf haben wir“, sagt Cyprian. Deshalb hat die politische Mehrheit im Rat für dieses Jahr die Summe noch einmal um drei Millionen erhöht, um die An- und Verkäufe zu intensivieren. „Damit haben wir jetzt die Zügel in der Hand“, sagt Cyprian erfreut.

6500 Wohneinheiten fehlen

Angesichts des landesweiten Wohnungsmangels hatten die NRW Bank und das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr für Krefeld schon 2016 einen Wohnungsneubaubedarf von etwa 6500 Wohneinheiten bis Ende 2020 prognostiziert. Real waren 2016 in Krefeld gerade einmal 240 Wohneinheiten neu gebaut worden. Ein Problem, das die Politik schon früh erkannt hat. Bereits 2014 hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zum strategischen Flächenmanagement für Wohn- und Gewerbeflächen in Krefeld zu erstellen. Mit dem Ziel, die örtliche Bauentwicklung zu steuern, Bodenpreise dämpfend zu beeinflussen, weil spekulative Grundstücksankäufe durch Dritte minimiert werden, sowie die Bevölkerungs-, Arbeitsmarkt-, und Sozialstruktur der Stadt positiv zu beeinflussen.

Städtische Töchter eingebunden

2017 hat die Stadt mit dem strategischen Flächenmanagement begonnen und die Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld (GGK) sowie weitere städtische Töchter wie Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Stadtwerke mit an den Tisch geholt. „Was bedeutet, dass die Stadt nicht entwickelte Flächen ankauft und Bebauungspläne drüber legt“, sagt Peter Mertens. Der Fachbereichsleiter Zentraler Finanzservice und Liegenschaften ist seither nicht nur für den An- und Verkauf unbebauter Grundstücke, sondern nun auch für bebaute Grundstücke und Gebäude zuständig. Die Stadt agiert nun ganzheitlich. Es werden nicht nur Flächen verkauft, sondern die dazugehörige Projektentwicklung und Erschließung werden gleich mit angeboten.

Vorratskäufe für neue Baugebiete

Das größte Bauvorhaben in Krefeld ist derzeit Fischeln-Südwest. Ein Teil der notwendigen Grundstücke gehört der Wohnstätte, ein Teil der Stadt Krefeld. Dazu hat sie entsprechende Flächen aufgekauft. In mehreren Abschnitten werden dort insgesamt etwa 500 Wohneinheiten entstehen. 80 Prozent in Form von Einfamilien-, Zweifamilien- und Reihenhäusern. Der Rest in Form von barrierefreien Mehrfamilienhäusern.

Südlich des Fischelner Friedhofs ist das Neubaugebiet Plankerheide mit 600 Wohneinheiten vorwiegend in Mehrfamilienhäusern geplant. 90 Prozent der Fläche gehört bereits der Stadt. Weitere Flächen sind im Rahmen des neuen Wohngebiets Krützboomweg (40 Wohneinheiten), Tackheide (210 Wohneinheiten), in Bockum an der Bethelstraße (120 Wohneinheiten) und in Hüls-Südwest rund um die Tönisvorster Straße (250 Wohneinheiten) – falls noch nicht im Besitz – gekauft worden. „Das sind Investitionen in die Zukunft, denn der Ertrag bleibt bei der Stadt“, sagt Cyprian.

Verschiedene Bieterverfahren

Im kommenden Jahr will die Stadt das Haushaltssicherungskonzept verlassen. Die Voraussetzungen sind bei der Entwicklung des Haushalts dafür gut. „Das könnte das strategische Flächenmanagement noch einmal verändern“, sagt Cyprian. „Derzeit werden Wohnungsbaugrundstücke höchstbietend verkauft, um das Ziel des Haushaltssicherungskonzeptes zu erreichen“, führt Mertens aus. Doch bereits jetzt gibt es schon die sogenannte Konzeptvergabe. Da zählt nicht ausschließlich das höchste Gebot, sondern mehrere Faktoren wie Qualität, Architektur und Verkehrsanbindung. So beispielsweise derzeit beim Bieterverfahren zur Errichtung und Ansiedlung eines Lebensmittelvollsortimenters am Festplatz Traar. Laut Verwaltungsvorlage wird aufgrund der sensiblen Ortseingangslage sowie der Nähe der historischen Anlage um Haus Traar von den Interessenten eine architektonische Auseinandersetzung mit dem Ort verlangt. „Das ist ein Paradigmenwechsel in Krefeld, um zu gestalten und nicht nur zu verwalten“, so Cyprian.

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