Warum Krefeld mehr Gewerbeflächen braucht

Wirtschaft : Warum Krefeld mehr Gewerbeflächen braucht

Wirtschaftsförderungs-Chef Eckart Preen spricht im Interview mit unserer Redaktion über Ziele und Haken bei der Flächenvermarktung. Und er erklärt, warum Brachflächen dabei eine wichtige Rolle spielen.

Nur noch eine von zwölf angebotenen Gewerbeeinheiten im historischen Campus Fichtenhain ist nicht verkauft. „Ende des Jahres ist Schluss“, sagt Eckart Preen, Chef der Wirtschaftsförderung Krefeld (WFG). Dann ist auch der letzte Notarvertrag wohl unterschrieben. Gerade sind die ersten Arbeiten für das nächste Projekt in direkter Nachbarschaft gestartet. 17 Hektar unbebaute Gewerbeflächen wird die zur Wirtschaftsförderung gehörende Grundstücksgesellschaft Krefeld (GGK) nach und nach auf den Markt bringen.

Herr Preen, Sie wiederholen seit Jahren, dass zu wenig Gewerbeflächen in Krefeld bereitstünden beziehungsweise entstünden. 17 Hektar, das klingt doch imposant, oder?

Eckart Preen: Ich kann nach unseren Erfahrungen bisher sagen: Mit diesen zusätzlichen Flächen sind wir in fünf Jahren durch. Und wenn Fichtenhain ausverkauft ist, dann haben wir als GGK nichts mehr. Zum Glück konnte am 4. Juli im Stadtrat das Gewerbegebiet „den Ham“ in Hüls mit ebenfalls rund 17 Hektar Fläche endlich auf den Weg gebracht werden. Zudem könnte auf einem 15 Hektar großen Areal südlich des Elfrather Sees das Gewerbegebiet Uerdingen Nord fortgesetzt werden – als Uerdingen Nord II. Und dann gibt es ja auch noch die Planungen für ein Interkommunales Gewerbegebiet an der A 44, bei dem aber noch sehr viele offene Fragen bestehen. Wir müssen gucken, dass wir an Flächen kommen. Aber Boden ist ein begrenztes Gut.

Das klingt so, als ob irgendwann einfach Schluss ist, nichts mehr zu vermarkten da ist und die Grundstücksgesellschaft Krefeld damit irgendwann ausgedient hätte. Oder wie sieht das aus?

Preen: Nein, wir müssen Brachflächen recyceln und revitalisieren. Und dabei ist es ganz wichtig, dass es einen öffentlichen Akteur wie die Grundstücksgesellschaft gibt. Sonst entstehen ungute Entwicklungen – solche mit einem rein kommerziellen Effekt. So etwas wie zum Beispiel ein riesiger Garagenblock auf einem alten Firmengelände, bei dem nicht ein einziger Arbeitsplatz entsteht. Dem gegenüber stehen Projekte wie das Werkkontor am Nauenweg, dem von der Grundstücksgesellschaft umgewandelten ehemaligen Handwerkerhof. Gemeinsam mit einem Projektentwickler haben wir die alten Gebäude für 6,5 Millionen Euro saniert beziehungsweise durch einen Neubau ergänzt. Und dadurch haben wir die Firma beziehungsweise Marke Remember in Krefeld halten und andere Unternehmen von außerhalb in die Stadt holen können. Das ist Revitalisierung nach wirtschaftsfördernden Gesichtspunkten. Nicht schnelles Bauen, schnelles Vermarkten, schnelles Geld, sondern neue Arbeitsplätze für Krefeld: Allein am Werkkontor sind rund 150 Beschäftigte aktiv!

Das klingt extrem selbstbewusst: Wenn WFG und GGK agieren, ist das immer besser, als wenn Private es tun?

Preen: Das würde ich so nicht ausdrücken. Es geht gar nicht um die Kompetenzen dieser Firmen. Aber wir haben als städtische Gesellschaften einfach andere Erfolgskriterien. Es gibt etliche private Akteure, die in Krefeld tätig sind und es durchaus schaffen, namhafte Firmen anzusiedeln. Aber dadurch entstehen nicht zwangsläufig viele Arbeitsplätze. Unsere Interessen sind bei der Ansiedlung von Unternehmen: ein Firmensitz in Krefeld, Steuern, die hier gezahlt werden, und zahlreiche Arbeitsplätze, die geschaffen werden. Bei einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent müssen wir den Boden, den wir haben, so effizient wie möglich nutzen.

Und wie wollen Sie das anhaltend erreichen?

Preen: Wir haben unter anderem einen Schlüssel festgelegt, wie hoch bei der Vermarktung durch die GGK die Zahl der Arbeitsplätze in Relation zur Fläche sein muss, nämlich 40 Arbeitsplätze pro Hektar. Es braucht so einen öffentlichen Anbieter für Gewerbeflächen, der die Interessen der Stadt vertritt. Wir verkaufen nicht des Verkaufens willen  und nehmen auch Grundstücke wieder zurück, wenn die Bebauungsverpflichtung nicht eingehalten wird.

Aber die Grundstücksgesellschaft ist recht klein. Kann sie überhaupt leisten, was Sie als Ziele ausgeben?

Preen: Das stimmt. Aktuell ist die GGK personell zu schwach aufgestellt, um noch stärkere Impulse für Krefeld setzen zu können. Sie hat nur fünf Beschäftigte, einschließlich der Buchhalterin und des Ladenflächenmanagers. Daher reden wir gerade mit dem Aufsichtsrat über die Frage, wie man die GGK breiter aufstellen könnte. Die Grundstücksgesellschaft hat seit Jahren Erfolg und ich möchte nicht, dass sie dafür bestraft wird, weil ihr durch die erfolgreiche Vermarktung die Flächen ausgehen.

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