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Gesangspaar: Das Glück liegt auf der Bühne

Gesangspaar: Das Glück liegt auf der Bühne

Die Musik hat sie zusammengeführt: Die Kneidingers sind seit rund 40 Jahren ein singendes Paar.

Krefeld. 1973 hat es auf einer Bühne in Baden bei Wien gefunkt. Da fiel dem Noch-Gesangsstudenten Otto Kneidinger die „siaße kleine Soubrette“ auf — eine junge Dame namens Ingrid aus der Krefelder Textillehrer-Familie Thissen. Seit mehr als 25 Jahren lebt das musikalische Paar in Krefeld. Dabei war für beide der Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten, keineswegs vorgegeben.

Vor einer roten Jacquard-Weberei in ihrem Wohnzimmer, einem üppigen Blumenstrauß aus Samt und Seide, erzählt sie von ihrem Vater Joseph Thissen, der 40 Jahre lang Berufsschullehrer für Textiles in Krefeld war, und vom Großvater Johannes, der vor rund 100 Jahren das seidene Wandbild gewebt hat.

Musik wurde in der Familie Thissen schon sehr gepflegt, aber trotzdem ging Fräulein Thissen erst einmal nach Aachen, um „brav Volksschullehrerin zu studieren“. Aus den Gesangsstunden, die die Eltern vor dem Abitur gestattet hatten, wurde später ein Studium an der Musikhochschule in Düsseldorf und der Folkwang-Hochschule in Essen.

Bei Otto Kneidinger wurden die Weichen zum Leben mit der Musik in den Wiener Heurigenlokalen gestellt. Dort forderten ihn die Freunde immer wieder auf: „Otto, sing mal!“ Für den gelernten Elektromechaniker und Lokomotivführer bei den Österreichischen Bundesbahnen sollte dies in ein Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien münden. 1974 erhielt er sein Diplom in „musikdramatischer Darstellung“.

Für ihn war der weitere Weg klar, „da habe ich die Pensionsberechtigung fallengelassen und bin Sänger geworden“. Den Ausschlag für diese Karriere hat seine Frau gegeben. Nach einigen Jahren mit festen Engagements entschloss er sich, nur noch freiberuflich aktiv zu sein.

Sein großes Repertoire sollte ihm dabei sehr nützen. Da konnte es auch schon einmal passieren, dass man ihn vormittags in Krefeld anrief, weil sich ein Tenor für die Abendvorstellung krankgemeldet hatte. So setzte er sich ins Auto und rettete mit seinem Feuerwehreinsatz einen Theaterabend im fernen Regensburg.

In seinen Berufsjahren trat er an 50, 60 Theatern auf, war Gast an den größten Bühnen, die Operetten aufführten. Ingrid Kneidinger spielte als Soubrette ebenso mit Gastverträgen. Die Eliza in „My Fair Lady“ oder das Hannchen in „Der Vetter aus Dingsda“ gehörten zu ihren Lieblingsrollen. Aber im Zweifelsfall stand sie mit ihrem beruflichen Engagement zurück — so erzählt es ihr Ehemann: „Sie hat sich zurückgenommen, weil man als Tenor mehr verdient.“

Mit ihrem letzten Gastvertrag im Jahr 2000 in Krefeld beendete sie ihr Berufsleben. „Ich bin heute sehr glücklich, pensioniert zu sein“. Aber sie schaut gerne zurück: „Obwohl ich nach außen als Opernsängerin auftrat, bin ich in erster Linie ein Theatermensch.“ Sie wollte mehr als „nur“ singen und war glücklich, dass sie als Soubrette in ihren Rollen auch selber viel tanzen musste.